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Delitzsch Vorsicht Satire: 2016 wird das Jahr des Vogels
Region Delitzsch Vorsicht Satire: 2016 wird das Jahr des Vogels
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00:19 03.01.2016
Strommasten sind beliebter Rastplatz für bedrohte Zugvögel. Der Naturschutz untersagt die Demontage. Quelle: Foto: Wolfgang Sens
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Delitzsch

Achtung, jetzt kommt’s dicke: Die LVZ holt am Silvestertag ihre noch unveröffentlichten Recherchen ans Licht. Wir stellen Zusammenhänge her, die bislang schamhaft im Verborgenen blieben. Aber Vorsicht: In dieser Lektüre steckt Satire. Verdauungsprobleme im Einzelfall sind nicht ausgeschlossen.

Das naturschutzrechtliche Federlesen am Werbeliner See macht seit Jahren Welle. Nun hat das Europäische Vogelschutzgebiet auch auf Stromnetzbetreiber Auswirkungen. Dem Unternehmen Mitnetz wurde von der Umweltbehörde bis auf Weiteres untersagt, Freileitungen gegen Erdkabel auszutauschen. Die Masten und Strippen in der Landschaft sind ein unverzichtbarer Rastplatz für bedrohte Zugvögel, lautet die Begründung. 2016 wird zudem das Jahr des Vogels.

Wenige Monate nach den (Ober-)Bürgermeisterwahlen in Delitzsch und mehreren Landgemeinden hat die Arbeitsagentur Konsequenzen gezogen. Die niedrige Bewerberresonanz – zum Teil nur ein Kandidat pro Rathaus – dürfe sich nicht wiederholen. Die diese Woche gestartete Rückkehrerbörse soll Fachkräfte aus dem Westen zurückholen. Die Zeit drängt: Ohne Nachrücker an den Verwaltungsspitzen drohen Engpässe bei künftigen Betriebsübergaben.

Stichwort demografische Herausforderung: Delitzsch rüstet sich mit zahlreichen neuen Seniorenwohnungen im Stadtteil Nord. In einem verwaltungsinternen Gutachten wird allerdings vor massiven Problemen im Einzelhandel gewarnt. Bekanntermaßen ist der einzige große Supermarkt vor Ort schon jetzt ziemlich überlaufen. Für die kommenden Jahre wird deshalb mit Handgreiflichkeiten gerechnet. Das Gutachten schlägt ein Verkehrskonzept zur Lenkung der Kundenströme vor, einschließlich eines Rollatoren-Kreisverkehrs am Markteingang. Auch die Bundeswehr soll eingreifen – mit Deeskalationsmusik der Blaskapelle.

Vorsichtige Planungen gibt es auch für eine Senioren-Wohngemeinschaft. Eine erste Testphase im Tierversuch stimmt optimistisch: Die Tiergartencrew hat behäbige Bären und agile Steppenfüchse erfolgreich vergesellschaftet.

2016 ist das Jahr des Schulbaus: Unter anderem in Delitzsch und Zschortau sind Neubauten und Modernisierungen im Plan. Der Freistaat stellt allerdings knallharte Förderbedingungen, besteht auf neuesten Nutzerstandards . Zur künftigen Schulausstattung gehören deshalb Tische mit Smartphonehaltern, Sitzecken für Facebook- und Whatsapp-Gruppen sowie Profi-Videotechnik – für den Youtube-Kanal aus dem Klassenzimmer.

Der Mindestlohn, im Januar 2015 gesetzlich eingeführt, schlägt nun auch in der Kommunalpolitik durch. Mehrere Stadtparlamente erhöhten ihre Aufwandsentschädigung. Unklar ist, ob nun auch Arbeitszeitnachweise geführt werden müssen.

Neuer verpflichtender Standard bei Bauprojekten in Delitzsch und den Ortsteilen wird das Ehrenberghaus. Die Stadt soll nach der neuen EU-Kommunal-Förderrichtlinie PROTZ (Potemkinsche-Rosen-statt-Zurückhaltung) optisch aufgewertet werden. Unansehnliche Mülltonnen stehen dann schon aus Platzgründen nicht mehr in Höfen, sondern direkt in den Häusern.

In der Stadtverwaltung wird ein neues Sachgebiet geschaffen. 25 Mitarbeiter kümmern sich dort um die Erlangung von Preisen und Auszeichnungen. Noch zu besetzen ist der Posten eines Nahrungschemikers – der Goldene Windbeutel für die dreisteste Werbelüge der Lebensmittelindustrie ist der einzige Preis, den Delitzsch 2015 nicht abgeräumt hat.

Der Stadtrat wird demnächst virtuell ausgetragen. Da er schon 90 Prozent seiner Bürgerfragestunde via Facebook ausrichte, will OBM Manfred Wilde auch bei politischen Entscheidungen neue Wege gehen und das Rathaus künftig via Smartphone führen. Die EDV-Abteilung erarbeitet derzeit einen Gruppenchat. Die SPD bekommt dort statt eines Daumens nach oben den Button „Wir möchten die Verwaltung für diese Vorlage loben“ – kurz den Loberhudel. CDU und Freie Wähler haben Zugriff auf einen silbernen Loberhudel 2.0: „Wir wollten das auch mal sagen, nur mit anderen Worten.“

Von Kay Würker

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