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Delitzsch Vorsitzender hat betrogen: Wut in Selbener Kleingartenverein
Region Delitzsch Vorsitzender hat betrogen: Wut in Selbener Kleingartenverein
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00:18 22.07.2017
Um die Zahlungsfähigkeit zu erhalten, wollen alle mit anpacken. Quelle: Christine Jacob
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Selben

Sie können es immer noch nicht richtig fassen. Ausgerechnet ihr Vorsitzender hat die Mitglieder des Kleingartenvereins „Früh Auf“ in Selben um mindestens 30 000 Euro betrogen, indem er Vereinsgelder veruntreute. Strafanzeige ist gestellt, Wut und Enttäuschung herrschen, manchen kommen die Tränen, viele sind verzweifelt, wissen nicht weiter. Das Konto ist leer. Die Zukunft der Anlage, die 2019 ihren 100. Geburtstag feiern sollte, ist ungewiss. Es droht Insolvenz.

In zwei Jahren soll die Anlage ihren 100. Geburtstag feiern, die Vereinsmitglieder hoffen sehr, dass sich dies erfüllt. Quelle: Christine Jacob

Delitzscher räumt Konto leer

Seit Ende Oktober muss der mutmaßliche Täter (Name ist der Redaktion bekannt) das Konto Abbuchung für Abbuchung geräumt haben. Der Delitzscher hatte, so ist es in vielen Sparten üblich, eine Einzelvertretungsberechtigung. Der Selbener Verein, der ihm scheinbar blind vertraut hatte, hat nun den Auftrag, alle Kontobewegungen, Mahnungen und Rechnungen ganz genau aufzuarbeiten – ein Schaden von mehr als 30 000 Euro wird vermutet. Die 107 Vereinsmitglieder hatten die Pacht in Vorauszahlungen geleistet. Ein paar hundert Euro jeweils je nach Größe des Gartens und je nach Energiekosten, einige hatten gleich mehrere Gärten gepachtet. Sie zahlten mal 200 Euro, mal um die 400 Euro, viel Geld. Nun ist alles weg. Viel Arbeit, Zeit und Liebe haben sie alle in ihre Parzellen gesteckt. 128 gibt es insgesamt, davon drei Tafelgärten, nur elf stehen leer. Ab sofort kommen die drei, die dem nun Ex-Vorsitzenden gehörten dazu. In der außerordentlichen Mitgliederversammlung hat der Verein den Vorstandsvorsitzenden einstimmig abgewählt und der Kreisverband der Kleingärtner hat seine Gärten gekündigt. Er selbst war nicht da, eine Einladung hatte er.

Kleingartenanlage vor dem Aus

Der Delitzscher, Ende 20, der auch in anderen Vereinen aktiv sein soll, wurde im Frühjahr 2016 zum Vorsitzenden gewählt. Er habe reden und sich gut verkaufen können, sagt eine Frau. Und das er „sowas“ macht, damit habe keiner gerechnet, sagt eine andere. „Fix und fertig“ sei er, sagt ein Mann. Sie nannten den Vorsitzenden beim Spitznamen, seit etwa fünf Jahren war er in der Anlage. Mit ihm habe man reden können, er hatte ein offenes Ohr. Seit einer Weile habe er sich nun nicht mehr blicken lassen. Die Tiere, die er im Garten gehalten hat, sind noch da. Als Motiv für die Veruntreuung werden private Finanzsorgen vermutet. An der Meldeadresse des Mannes war für die Redaktion niemand anzutreffen, die Rollos heruntergelassen, das Namensschild am Briefkasten nicht zu erkennen.

In der Kleingartenanlage müssen die Mitglieder den Karren aus dem Dreck ziehen. Viele haben ihre Gärten Jahrzehnte, oft waren schon Eltern und Großeltern dort aktiv. Das alles aufgeben will keiner. In der Mitgliederversammlung haben sich die Kleingärtner darauf geeinigt, vorab auf die Jahresrechnung 2018 nun 80 Euro zu zahlen. Das Geld soll auch helfen, die Außenstände zu begleichen. Der Kreisverband der Kleingärtner hat bereits die Energiekosten vorgeschossen, will das auch noch einmal tun. Der Verband selbst könne aber nicht permanent vorschießen, wenngleich er willens ist, „Früh Auf“ nicht hängen zu lassen, wie Anke Reisdorf und Martina Koch betonen.

Von Christine Jacob

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