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Wandlung oder Abriss – Zukunftsvisionen für Plattenbauten in Delitzsch und Rackwitz

Stadtplanung Wandlung oder Abriss – Zukunftsvisionen für Plattenbauten in Delitzsch und Rackwitz

Und jährlich grüßt der Greifarm: Abbrüche von Plattenbauten sind in der Region ein wiederkehrendes Phänomen. Die Großvermieter begründen das mit Leerstand und unattraktivem Wohnraum. Dennoch halten sich Zweifel in der Anwohnerschaft: Wäre ein Teilrückbau der Gebäude nicht die bessere Variante? Ja und nein, sagen erfahrene Stadtplaner im LVZ-Gespräch.

In Riesa wurde Teilrückbau erfolgreich umgesetzt. Das weckt auch in Rackwitz Interesse.

Quelle: Wohnungsgesellschaft Riesa

Delitzsch/Rackwitz. Und jährlich grüßt der Greifarm: Abbrüche von Plattenbauten sind in der Region ein wiederkehrendes Phänomen – mal in Delitzsch, mal in Rackwitz, mal anderswo. Die Großvermieter begründen das mit Leerstand und unattraktivem Wohnraum. Dennoch halten sich Zweifel in der Anwohnerschaft: Wäre ein Teilrückbau der Gebäude nicht die bessere Variante? Ja und nein, sagen erfahrene Stadtplaner im LVZ-Gespräch. Entscheidend sei vor allem die Lage.

Verlockend ist diese Variante durchaus, das räumt auch Delitzschs Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) ein. Gesichtslose Wohnblöcke könnten um zwei, drei Etagen schrumpfen, durch Abtreppungen in der Höhe entstünden Dachterrassen und optische Abwechslung, Wohnungsgrundrisse ließen sich verändern, ganz abgesehen von farblichen Gestaltungsideen. „Natürlich haben wir uns darüber schon Gedanken gemacht“, sagt OBM Wilde mit Verweis auf Beratungen mit Wohnungsgesellschaft und -genossenschaft. „Wir sind aber in der Stadtentwicklung noch nicht an dem Punkt, wo Teilrückbau wirtschaftlich wäre. Es hängt von der demografischen Entwicklung ab.“

Von der Nachfrage also. Fritjof Mothes vom Leipziger Planungsbüro Stadtlabor hält kostenintensiven Teilrückbau in Delitzsch-Nord derzeit für recht riskant. Wegen der Randlage. „Einerseits erleben wir zwar einen Bevölkerungszuwachs in Orten, die über eine gute S-Bahn-Anbindnung nach Leipzig verfügen, aber die Nachfrage nach Wohnraum bildet sich nicht in allen Stadtgebieten gleichmäßig ab.“ In Delitzsch etwa liege der Schwerpunkt auf den innerstädtischen Bereichen, wo die Wege zum Arzt, zur Ladenmeile, zur S-Bahn kurz sind. „Insofern kann es durchaus ein sinnvolles Konzept sein, in Stadtkern hochwertige Sanierungen zu betreiben und entsprechend höhere Mieten zu kalkulieren. Am Stadtrand eher weniger.“ Hinzu komme der Aspekt der Versorgungsstränge: Verschwindet ein Block komplett, können Wasser-, Strom- oder Fernwärmeleitungen gekappt werden. Bleibt die Hälfte stehen, bleiben auch die Rohre im Boden, sind angesichts geringerer Wohnungszahl aber zu groß dimensioniert.

Teilrückbau müsse über die Mieten refinanzierbar sein, damit aus der an sich schönen Idee kein finanzielles Fiasko wird, betont auch Jens Gerhardt von der Planungsgesellschaft u.m.s. in Leipzig. Im Fall Delitzsch hat er da Bedenken – bei Rackwitz weniger. Die Ortslage liege dicht genug an Leipzig, um ausreichend stark von den Streueffekten des messestädtischen Wohnungsmarktes zu profitieren. Das Büro u.m.s. steuert in Rackwitz seit Jahren den Umbau des von Leerstand gezeichneten Plattenbaugebietes. In der Vergangenheit fanden mehrere Abrisse statt, künftig rückt auch Teilrückbau in den Fokus. „Da steht noch nichts fest, wir prüfen das gerade“, sagt Gerhardt, „doch diese Option ist überlegenswert. Auch weil sich Dreigeschosser besser ins ländliche Umfeld einfügen als Fünfgeschosser und die oberen Etagen mangels Aufzug den meisten Leerstand haben.“ Um zu wissen, worauf man sich einlässt, sollen Parallelen zu Kommunen mit vergleichbaren Wohnungsmärkten und erfolgreichen Rückbauprojekten gezogen werden. Riesa zum Beispiel. Mit der dortigen Wohnungsgesellschaft laufen Gespräche.

Fakt ist: Ein Teilrückbau sei pro Quadratmeter Wohnfläche etwa dreimal so teuer wie ein Abriss – vor allem wegen der nötigen behutsamen Handarbeit, erklärt Jens Gerhardt. Fingerspitzengefühl sei allerdings auch in Delitzsch-Nord gefragt, betont Fritjof Mothes. „Die weitere demografische Entwicklung ist schwer abzuschätzen. Es ist daher sinnvoll, Wohnungen in Reserve zu halten, doch nur so weit, dass sich der Leerstand nicht negativ auf die Umgebung auswirkt.“ Es werde nie leichtfertig abgerissen, versichert OBM Wilde. „Eventuell versuchen wir es in ein paar Jahren auch mal mit Teilrückbau. Im Delitzscher Osten.“

Von Kay Würker

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