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Delitzsch Warum die Poßdorfer Kleinkläranlagen bauen müssen
Region Delitzsch Warum die Poßdorfer Kleinkläranlagen bauen müssen
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00:35 11.05.2018
Kleinkläranlagen sollen die Lösung für den Delitzscher Ortsteil Poßdorf sein. Quelle: André Kempner
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Delitzsch/Poßdorf

Den Letzten beißen die Hunde. Alles auf Kosten der Bürger. Solche und andere Vorwürfe gibt es weiter um den Abwasserzweckverband Unteres Leinetal (AZVUL), nachdem die Bürger im Delitzscher Ortsteil Poßdorf nun entgegen uralter Absprachen doch Kleinkläranlagen bauen müssen. Wie kam es zu dem Entscheid? Wie verteidigt der AZV sein Vorgehen? Was heißt das für die Bürger? Die LVZ beantwortet wichtige Fragen.

Das erste Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) von 1993 sah eine zentrale Entsorgung für Poßdorf vor, warum wurde das nicht umgesetzt? Und warum wurde nicht dem Plan des Ortschaftsrates von 2014 entsprochen, das Poßdorfer Abwasser zur Delitzscher Kläranlage zu leiten?

Das Staatliche Umweltfachamt Leipzig hat das Konzept für eine zentrale Entsorgung schon 1994 verworfen. Die Investitionskosten für das Überleiten nach Delitzsch hätten mit einem Projektkostenbarwert von über 630 000 Euro die teuerste und damit nicht förderfähige Lösung ergeben. Diese Variante hätte zu Mehrkosten und einem Gebührensprung für alle zentral angeschlossenen Grundstücke geführt. Eine Deckungslücke von zirka 300 000 Euro hätte man über privatrechtliche Baukostenzuschüsse den 29 Grundstückseigentümern in Poßdorf auferlegen müssen.

Seit wann weiß man, dass die Kleinanlagen günstiger sind? Warum wurde das Abwasserkonzept überhaupt erneut geprüft?

Die dezentrale Entsorgung über die privaten Kleinkläranlagen wurde schon 2014 mit Kosten von 529 000 Euro als wirtschaftlichste Lösung gegenüber einer Ortskläranlage zu 543 000 Euro ermittelt. Auch aufgrund der angespannten Finanz-Situation wurden die Investitionskosten 2018 erneut überprüft. Der starke Anstieg der Baupreise um bis zu 100 Prozent in den vergangenen zwei Jahren gab dem Verband Anlass zur Befürchtung, dass es zu einer deutlichen Erhöhung der Investitionskosten in Poßdorf kommen würde. Aufgrund der rückläufigen Bevölkerungszahlen – aktuell leben 62 Einwohner im Ortsteil – würden sich die Pro-Kopf-Kosten erhöhen. Der Anteil nicht geförderter Investitionskosten ebenfalls.

Macht nicht trotzdem eine Ortskläranlage Sinn? Die Baupreise wirken sich doch auch auf Kleinanlagen aus.

Der AZV beharrt darauf, dass der Bau von privaten Anlagen das wirtschaftlichste Vorgehen ist. Der Verband müsste nach gegenwärtigen Baupreisen 627 000 Euro bezahlen. Kleinkläranlagen wären mit jetzt 558 000 Euro immer noch günstiger.

Was, wenn Poßdorf trotzdem eine Ortskläranlage bekommt?

Die Schmutzwasser-Mengengebühr würde auf 5,65 Euro je Kubikmeter steigen. Zur aktuellen Abwassergebühr von 4,57 Euro kämen eine Gebührenerhöhung von 0,70 Euro je Kubikmeter plus 0,38 Euro für Bau und Betrieb der Ortsanlage.

Kann es noch eine andere Lösung für Poßdorf geben?

Der Bau von Gruppenkläranlagen ist möglich. Wenn sich Grundstückseigentümer zusammenschließen, könnte mit einer Anschlussgröße von 25 Einwohnern gebaut werden. Allerdings: Bau und Betrieb müssen dann ebenfalls die Grundstückseigentümer sicherstellen. Dafür bräuchte es privatrechtliche Vereinbarungen zwischen den Grundstückeigentümern. Und es müssen vertragliche Regelungen zu Kostenteilungen bei Investitionen, Betrieb, Wartung, Reparaturen getroffen werden.

Was kostet eine Kleinkläranlage für einen „normalen“ Haushalt?

Es wird mit Baukosten von zirka 4000 bis 5000 Euro gerechnet.

Von Christine Jacob

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