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Warum tierisch ackern? Junge Bauern rund um Delitzsch erzählen

Landwirtschaft Warum tierisch ackern? Junge Bauern rund um Delitzsch erzählen

Die Preise für die Produkte sind im Keller, die Arbeit ist hart und wenn andere Party machen bis zum Sonnenaufgang knüppeln sie der Sonne entgegen auf dem Feld – warum wird man heutzutage noch Landwirt? Ein Besuch bei Jungbauern aus der Region.

Die Ernte läuft auf Hochtouren.

Quelle: Christine Jacob

HOHENRODA. Oft genug geht sie im Hellen zur Arbeit und hat erst Feierabend, wenn es schon wieder hell wird. Oder sie kommt im Dunkeln und verlässt den Stall wieder gen Dunkelheit. Neulich, es war kurz nach 4 Uhr morgens, war sie mit dem Traktor gerade mitten auf dem Feld, als die Sonne sich langsam am Himmel empor schob. Die schwere Maschine unter ihrem Hintern brummte der Sonne und einem neuen Tag entgegen – und Katja Timm wusste wieder einmal, warum sie das alles macht. Und wenn sie von diesem Morgengrauen in sanftem Blauviolett erzählt, grinst sie als wäre sie frisch verliebt. Die 21-Jährige ist Tierwirtin, besucht die Meisterschule zum „Techniker Landbau“ und fährt mit dem Traktor gerade die Strohernte der Agrargenossenschaft Hohenroda irgendwo bei Brehna ab. Hunderte Kilo schwer sind die Strohballen, Dutzende hat sie auf dem Hänger, den sie übers Feld bewegt. Die Autobahn am Ende des Feldes klingt wie ein eilender Insektenschwarm, irgendwie bedrohlich, die Traktoren summen melodisch.

Katja Timm ist lieber den ganzen Tag auf dem Feld als an einen Bürostuhl gefesselt

Katja Timm ist lieber den ganzen Tag auf dem Feld als an einen Bürostuhl gefesselt.

Quelle: Christine Jacob

„Ich kann mir keinen Bürojob vorstellen“, sagt Katja Timm, „ich bin körperlich immer ausgelastet und die Arbeit macht Spaß.“ Kühe zum Beispiel habe sie schon immer niedlich gefunden, erzählt die junge Frau aus Rödgen bei Eilenburg. Bei den Agrargenossen in Hohenroda werden rund 600 Stück gehalten, etliche Kälber hat sie derzeit noch zu versorgen. Jede einzelne Kuh weiß die Tierwirtin zu erkennen, jede einzelne ist niedlich auf ihre Art. Und Teil einer wichtigen Sache: „In meinem Job produziert man etwas für die Gesellschaft“, sagt sie voll Stolz. Auch wenn der Milchpreis gerade im Keller sei, ohne Bauern würde es nicht gehen.

Moderne Landwirtschaft in Hohenroda

„Butter, Brot und Bier, das machen wir. Landwirt, mehr als du denkst“, hat Chef Jörg Reihe in seinem WhatsApp-Status stehen. Er mag all das, was andere Bauern gern mal als „modernes Zeugs“ abwinken. Vielleicht, glaubt er, liegt es unter anderem an einer eigenen Homepage der Agrargenossenschaft, dass sie im Gegensatz zu anderen Betrieben überhaupt noch Bewerber finden – wenn die Resonanz auch manchmal mager ausfällt. „Wer nicht im Internet zu finden ist, existiert quasi nicht und bekommt gar keine Bewerber“, glaubt der 47-Jährige. Jedes Jahr insgesamt drei Azubi lautet das Ziel der Agrargenossenschaft und das schaffen die Bauern. Die Chancen auf Übernahme in das Unternehmen mit insgesamt 33 Mitarbeitern stehen gut.

Dominik Cario ist Azubi im zweiten Lehrjahr und begeisterter Traktorfahrer

Dominik Cario ist Azubi im zweiten Lehrjahr und begeisterter Traktorfahrer.

Quelle: Christine Jacob

Einer der aktuellen Auszubildenden ist Dominik Cario. Der 18-Jährige ist im zweiten Lehrjahr zum Landwirt. Wie Katja Timm, die schon ausgelernt hat, zieht er mit weiteren Mitarbeitern seine Bahnen auf dem Feld an der Autobahn. „Das ist meine Strohbrigade“, nennt Jörg Reihe sein junges Team mit einem stolzen Lächeln. „Ich bin immer aktiv und der Beruf ist abwechslungsreich, das ist mein Traumberuf“, sagt Dominik Cario. Er tut, wovon er als kleiner Junge mal geträumt hat – er bewegt tonnenschwere Maschinen. Wenn der Krostitzer auf dem Trecker Platz nimmt, muss er unweigerlich lächeln. Er postet dann gerne bei Facebook, dass er zum Beispiel gerade Raps drischt und stellt ein Foto mit dem Blick aus seiner Maschinenkabine dazu, so stolz ist er. Auch wenn es derzeit nicht in allen Bereichen gut um die Landwirtschaft stehe, komme kein anderer Beruf in Frage. „Das ist ein Beruf für die, die wirklich wollen“, sagt Jörg Reihe. Wer sich ein goldenes Näschen verdienen und es lieber ruhig haben wolle, sei in der Landwirtschaft sicher falsch. Wer der Sonne entgegen will, ist dagegen richtig gut aufgehoben.

Von Christine Jacob

Schönwölkau, Luckowehnaer Str. 7 51.50126 12.42952
Schönwölkau, Luckowehnaer Str. 7
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