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Delitzsch Weg aus der Sucht: Anonyme Alkoholiker treffen sich jetzt auch in Delitzsch
Region Delitzsch Weg aus der Sucht: Anonyme Alkoholiker treffen sich jetzt auch in Delitzsch
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15:34 05.07.2017
Die Anonymen Alkoholiker treffen sich in Delitzsch derzeit noch in der Kontaktstelle Anker am Schäfergraben 5c Quelle: Manuel Niemann
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Delitzsch

„Mein Name ist Erik* und ich bin Alkoholiker.“ Inmitten des Stuhlkreises flackert ein wenig verloren eine Kerze, die ein Logo mit einem großen Doppel-A ziert. „Hallo Erik!“ Lediglich die Vornamen werden genannt, der Rest bleibt anonym. Dafür erzählt Erik von sich, von seiner Geschichte, seiner Sucht. Er bleibt dabei ganz bei sich. „Wir reden hier nicht über andere, nicht über Freunde oder Gott“, erklärt Thomas*, der für die neu gegründete Gruppe der Anonymen Alkoholiker (AA) spricht. Sie treffen sich montags 17 Uhr im Delitzscher Anker. Vorübergehend: Sie sind auch mit der katholischen Gemeinde und einem Pflegedienst in Kontakt, um nicht an die Schließzeiten der Kontaktstelle im Schäfergraben 5 c gebunden zu sein.

Zwölf Schritte aus der Sucht

Die erzählten Suchtbiografien ähneln sich. Die anderen Teilnehmer im Kreis sind bei sich, nicken ab und an, wenn sie Situationen oder sich selbst wiedererkennen: Die Abstürze, das Verheimlichen und Verstecken, der Punkt, „wo das Leben nicht mehr mit Alkohol und nicht mehr ohne weiterging“ – der Kontrollverlust. Den brauchen die meisten, um sich einzugestehen, abhängig zu sein. Thomas hat schon mehrere Gruppen mit aufgebaut. Manchmal dauere es ewig, bis die Leute den Weg zu einem AA-Treffen finden. Er weiß, man muss sich bewegen, darauf einlassen können. Nicht für jeden seien die AA geeignet. Die entstanden ursprünglich in den USA, weshalb die Treffen der Selbsthilfegruppen Meetings genannt werden. Übernommen wurde vom US-Vorbild auch das Zwölf-Schritte-Programm, das am Anfang immer verlesen wird.

Zusammenhalt und geteilte Erfahrungen

Bei der spirituellen Erweckung, das an deren Ende steht, gehe es weniger um Religion, sagt Thomas. Eher habe es etwas mit dem Gefühl zu tun, im Hier zu leben und wieder am Leben teilzunehmen. Am Anfang dieses Prozesses steht die simple Erkenntnis, machtlos einer Krankheit ausgeliefert zu sein. „Aber irgendeine höhere Macht muss es geben, dass ich noch hier bin“, sagt auch Erik. Sich dieser anzuvertrauen, aber sich auch mit seiner Geschichte und Fehlern ehrlich auseinanderzusetzen, gehört zu den zwölf Schritten. Das ist schmerzlich, aber müsse von jedem aufgearbeitet werden, „sonst hat man als Trinker verloren“, sagt Thomas.

Treffen sind offen

Zu den Treffen könne jeder Trinker kommen. Selbst die, die noch nicht trocken sind. „Wer Hilfe will, kriegt die auch. Du kommst, wenn du Alkoholiker bist und nicht mehr trinken willst.“ Dies sei die einzige Bedingung. Auch Angehörige sind bei den offenen Meetings zugelassen. Letztlich gehe es um eine Zusammengehörigkeitsgefühl und darum, ins Sprechen zu kommen. Allein schon Worte zu finden, helfe manchmal, sich zu sortieren.

Mit einem Ritual endet auch jedes Meeting: Einem Spruch, der eigentlich ein Gebet ist und um Gelassenheit bittet, die „Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“. (*Name geändert)

Von Manuel Niemann

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