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Delitzsch Wenig Gäste im Stadtrat Delitzsch – liegt es an der Zeit?
Region Delitzsch Wenig Gäste im Stadtrat Delitzsch – liegt es an der Zeit?
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13:27 27.10.2017
Das Rathaus ist Dreh- und Angelpunkt Delitzscher Entscheidungen. Quelle: Wolfgang Sens
Delitzsch

Andere entscheiden, dass er künftig für die Betreuung seiner Kinder tiefer in die Tasche greifen muss. Dann debattieren sie über millionenschwere Projekte wie ein potenzielles neues Schwimmbad. Matthias Ulrich reicht’s. Der Delitzscher will das nicht länger hinnehmen und geht nun als einfacher Bürger in den Stadtrat, der in der Regel am letzten Donnerstag des Monats ab 17 Uhr tagt. Er will dort Fragen stellen, seine Argumente äußern, etwas bewegen. Damit ist der Familienvater aber ein seltenes Exemplar. Die Besucherplätze bleiben meist leer.

Viele Bürger schaffen es nicht

Im sozialen Netzwerk Facebook hat Matthias Ulrich eine Umfrage gestartet, wer noch mit in den Stadtrat kommen wird, um den Delitzscher Politikern auf die Finger zu schauen und ihn im Kampf gegen weiterhin steigende Kosten für die Kinderbetreuung zu unterstützen. Die Resonanz? Verhalten. Noch keine 20 Leute (Stand Redaktionsschluss) haben zugesagt, dass sie kommen – noch dazu sind darunter selbst Stadträte, die ohnehin erscheinen müssten. Knapp 50 Delitzscher dagegen sagen, dass sie zwar Interesse, aber leider keine Zeit haben. Ist nachmittags 5 Uhr zu zeitig? Ja, denkt man nur an die üblichen Arbeitszeiten. So argumentiert eine Mutter, sie müsse sich nach dem Job schon ziemlich abhetzen, die Kinder aus der Betreuung zu holen, sich dann um sie zu kümmern ... den Stadtrat um 17 Uhr könne sie nicht schaffen. „Viele sind auch Pendler, da kann man es unmöglich schaffen“, verdeutlicht Matthias Ulrich, der ebenfalls berufsbedingt auf Achse ist, weiter. So verhindere die doch noch recht frühe Uhrzeit vermutlich viel politische Teilhabe der Bürger.

Ist der Stadtratstermin um 17 Uhr zu zeitig?

Im Delitzscher Stadtrat sieht man meist nur wenige Bürger, die dort zu Gast sind und ihre Fragen stellen oder einfach nur zuhören. Woran liegt das?

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Stadträte selbst hadern

Die Uhrzeit um 17 Uhr übrigens ist auch für die Stadträte selbst nicht günstig. Viele von ihnen sind berufstätig, meist auch außerhalb der Stadt. Regelmäßig kann man beobachten, wie mindestens einer von ihnen vom Zug aus Leipzig gehetzt kommt, um halbwegs pünktlich auf seinem Stuhl Platz zu nehmen. Wer zum Beispiel als Angestellter Arbeitszeitkonten hat, teilt sich die Zeit entsprechend ein und nutzt seine Überstunden für die Ausübung des Ehrenamts. „Man richtet es sich so ein, dass es klappt“, sagt auch Cathrin Epperlein (Freie Wähler), Inhaberin des gleichnamigen Optikergeschäfts und Mutter. Den Verwaltungs- und den Kulturausschuss habe man auf Betreiben der Mitglieder schon extra auf jeweils 18 Uhr verlegt, schildert sie. Es bleibe ein Für und Wider bei der Frage der Uhrzeit. Ein späterer Beginn bedeute aber auch, dass sich die oft ohnehin sehr langen Sitzungen weiter in den Abend hinein ziehen und die Konzentration dann zunehmend schwindet, argumentiert Annelise Podsadny, die selbst bereits Rentnerin ist.

Eilenburg und Düben machen es anders

In den Gemeinden um Delitzsch sind dagegen Sitzungen um 19 oder 19.30 Uhr üblich, damit möglichst viele Räte und auch Bürger kommen können. Einzig Löbnitz mit Gemeinderatsbeginn um 18 Uhr bildet eine Ausnahme. In Eilenburg tagt der Stadtrat sogar noch eher als der Delitzscher, Beginn ist einmal monatlich am Montag um 16.30 Uhr. Von Beschwerden darüber ist nichts bekannt, die Einwohnerfragestunde wird meist gut genutzt. Der Stadtrat in Bad Düben startet um 19 Uhr. Dort allerdings gibt es im Gegensatz zu den anderen und auch Delitzsch keine monatliche Einwohnerfragestunde. Nur einmal im Jahr können Fragen entweder schriftlich vorab oder mündlich gestellt werden. Die Bürgermeisterin bietet aber monatliche Sprechstunden an.

Von Christine Jacob

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