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Wenig Interesse am Delitzscher Bürgerpreis

Ehrenamt Wenig Interesse am Delitzscher Bürgerpreis

Vielleicht war der Fußball Schuld. Vielleicht auch ganz was anderes. Die Bürgerpreis-Auszeichnung vorige Woche in Delitzsch jedenfalls wurde von deutlich weniger Menschen besucht als eingeladen waren. Fehlt dem Ehrenamt die Würdigungskultur?

Ronny Mühlner, Christel Moltrecht und Christine Adam mit dem Oberbürgermeister Manfred Wilde (von links).
 

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch.  Die Freude groß, die Ehre – vollkommen zu recht – auch groß: Ronny Mühlner, Christel Moltrecht und Christine Adam heißen die stolzen und verdienten Preisträger des Delitzscher Bürgerpreises 2017. Groß war auch die Show der Nordlichter zur Umrahmung der Preisverleihung. Nur deutlich kleiner war leider die Gästezahl der Verleihung. Fehlt dem wichtigen Preis die Wertschätzung?

Viele Delitzscher Stadträte nicht da

Nur rund die Hälfte der möglichen Zuschauer war am vergangenen Mittwoch im Saal des Delitzscher Bürgerhauses zugegen. Rund 130 Personen, davon rund 120 mit der Option einer Begleitperson, hatte die Stadtverwaltung eingeladen – weit über 200 Menschen hätten also zur wichtigsten Ehrenamts-Ehrung im Saal sitzen können. Die 13 Nominierten durften mehrere Begleitpersonen mitbringen, was viele von ihnen auch dankbar annahmen. Die sonstige Einladungsliste setzte sich hauptsächlich aus Vereinsvertretern zusammen. Außerdem Stadträte, Ortschaftsräte, Geschäftsführer der Eigenbetriebe und mehr fanden sich auf der Liste. Rund 114 Personen, teilweise mit Begleitung, hatten sich dann überhaupt zurückgemeldet, sodass am Ende insgesamt etwa 125 Personen anwesend waren. „Kurzfristig ereilten uns noch einige Absagen, auch von einigen großen Delitzscher Vereinen fehlten leider die Vertreter“, schildert Organisatorin Nadine Fuchs auf Anfrage. Gemessen daran, dass es rund 130 Vereine in der Stadt gibt, hätte die Veranstaltung also schon deshalb mehr Resonanz erleben müssen. So war allerdings schon die Ausschreibung im Frühjahr erst schleppend in Gang gekommen. Vielleicht würden zu viele schon gar nicht mehr bewusst wahrnehmen, was sie alles ehrenamtlich leisten, betonte Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) in seiner Eröffnungsrede – Ehrenamt scheint so weit Alltag geworden, dass viele – manchmal sogar die Engagierten selbst – nicht mehr wahrnehmen, wie außergewöhnlich das Geleistete dann doch ist.

Nominierte fehlen

Der Blick in den Saal verriet nun noch: Nur rund ein Drittel des Stadtrats war vertreten. Dabei setzt sich die Jury des Bürgerpreises aus den Vorsitzenden der Stadtratsfaktion beziehungsweise ihren Stellvertretern und dem Delitzscher Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). Stadträte wie Jörg Kiesewetter (CDU), Steffen Penndorf (SPD) und Heike Haase (Linke) hielten die Reden zur Würdigung der drei Preisträger. Und auch von den Ortschaftsratsvorsitzenden fehlte jede Spur. Von 30 Stadträten hatten sich 18 zurückgemeldet, davon laut Stadtverwaltung einige mit Absagen. Andere, die zugesagt hatten, seien letztendlich nicht erschienen. Andere Termine hätten angestanden, ist von Stadträten zu erfahren beziehungsweise die jeweilige Fraktion habe ja einen Vertreter vor Ort gehabt.

Bedauerlich war aber auch zu sehen, dass potenzielle Preisträger gar nicht erst erschienen. „Meiner Ansicht nach waren drei Nominierte nicht da: Eine Person ist ins Ausland verzogen, einer hatte sich kurzfristig aufgrund einer Erkrankung entschuldigt und einer fehlte ohne Angaben von Gründen“, so Nadine Fuchs.

Delitzsch stellt Preis neu auf

Die Stadt reagiert nun schon mal lange bevor es überhaupt an der Zeit für die nächste Ausschreibung oder Verleihung ist. „Es wird 2019 Neuerungen bei der Bürgerpreisverleihung geben, es ist an der Zeit dafür“, so Nadine Fuchs. Spontan habe man sich auf eine örtliche Veränderung entschieden und der Preis soll 2019 nicht im Bürgerhaus verliehen werden. Sicher werde auch die Einladungsliste nochmals überdacht. Was die Preise an sich angeht, gibt ein Stadtratsbeschluss den Rahmen vor – seit 2011 wird der 2009 erstmals ausgelobte Bürgerpreis laut Beschluss der Politik in ungeraden Jahren in den drei Kategorien „Soziales“, „Sport“ und „Kultur“ vergeben und jeder Preis ist mit 500 Euro dotiert. Zu hohe Hürden, einen Vorschlag einzureichen, gibt es jedenfalls nicht: Es reicht ein einfaches Schreiben, um jemanden zu nominieren. Der Vorschlag muss nicht einmal ausformuliert sein, Stichpunkte tun es auch. Der Bürgerpreis kann derselben Person nach wie vor nur einmal zuerkannt werden.

Von Christine Jacob

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