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Wenig Leerstand im Delitzscher Osten, doch Balkone fehlen

Stadtumbau Wenig Leerstand im Delitzscher Osten, doch Balkone fehlen

Der Delitzscher Osten steckt im Wandel. Nachdem der Stadtteil jahrzehntelang vor allem von Erstmietern aus der Zeit nach 1960 geprägt war, findet seit wenigen Jahren eine Fluktuation statt: Aufgrund von Sterbefällen und Umzügen ins Pflegeheim werden Wohnungen frei. Damit die Leerstandsquote auf niedrigem Niveau bleibt, ist Hand anzulegen.

Gestiegene Nachfrage: Die Kita Freundschaft in der Johannes-R.-Becher-Straße wurde erweitert.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Es ist schon viel passiert im Delitzscher Osten, doch die größte Herausforderung hat gerade erst begonnen: Im Quartier vollzieht ich ein beispielloser Bewohnerwechsel. Nachdem der in den 1960er-Jahren gewachsene Stadtteil lange Zeit vor allem von Erstmietern geprägt war, die über Jahrzehnte die Treue hielten, steht nun altersbedingt oft der Auszug an. Die Nachrücker bringen neue Vorstellungen mit, was das Wohnen im Osten bieten sollte.

Immerhin: Der Wechsel vollzieht sich weniger einschneidend als zunächst erwartet. Die Befürchtung, dass die Leerstandszahlen auf einen Schlag durch die Decke gehen, hat sich bislang nicht bewahrheitet. „Wir spüren einen deutlichen Zuzug nach Delitzsch. Und davon profitiert, neben der Innenstadt, vor allem der Osten sehr stark“, stellt André Planer fest. Der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsgesellschaft (WGD) macht das nicht zuletzt an den Leerstandsquoten fest. Rund drei Prozent der WGD-Wohnungen im Osten seien derzeit unvermietet, zum Teil modernisierungsbedingt. Im Gesamtbestand der WGD liege die Quote etwa doppelt so hoch.

Balkone sind wichtiges Kriterium

Zu tun ist trotzdem. Ziehen langjährige Mieter aus, ist die Wohnung grundlegend auf Vordermann zu bringen. Fußböden, Fliesen, Elektro, Sanitär. Statt der Wanne eine Dusche, so wollen es viele Neumieter. Das kostet und setzt Handwerker voraus, die noch Platz haben im vollen Auftragsbuch. Und damit nicht genug: Auch Balkone haben sich zum echten Kriterium entwickelt. „Leerstand haben wir im Delitzscher Osten vor allem bei den Zwei-Raum-Wohnungen, die noch ohne Balkon sind“, sagt Planer. Doch bei Investitionen muss er die Rechnung mit den Mietern machen. „Ein Balkonanbau mit allen Begleitarbeiten kostet 6000 bis 8000 Euro. Das ergibt eine Modernisierungsumlage von rund 60 Euro pro Monat.“ Gerade bei kleineren Wohnungen ein echter Brocken.

Die Alternative: warten auf Fördermittel. So hat es die WGD in der Vergangenheit gehalten. „Die Stadt beantragt die Gelder und reicht sie an die Bauträger weiter“, erklärt Bauamtsleiter Karl-Heinz Koch. Neben der WGD könne davon auch der zweite Großvermieter vor Ort, die Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau, profitieren. Diverse Balkon- und Sanierungsprojekte im Delitzscher Osten wurden in früheren Jahren mit Zuschüssen realisiert. So lange, bis die Quelle versiegte. Im Rathaus wird deshalb nun auf neue Ausschreibungen des sächsischen Innenministeriums gewartet. „Insbesondere im Karree südlich der Beerendorfer Straße, von der Johannes-R.-Becher-Straße in Richtung Osten, besteht Handlungsbedarf“, sagt Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). Dieses Areal zum Stadtumbaugebiet zu machen, das dann für wenigstens 10 bis 15 Jahre als zuschusswürdiger Standort festgeschrieben wäre, sei das Ziel. Sobald das Signal aus Dresden komme, werde die Stadt aktiv. Bestenfalls könne die weitere Aufwertung schon im nächsten Jahr starten.

Sozialzentrum fehlt

Alle Probleme wären damit allerdings nicht gelöst. Die Neuankömmlinge im Stadtteil seien nicht nur junge Familien mit Kind und Kegel, sondern sehr oft auch Senioren, die aus dem dörflichen Umfeld in die Stadt ziehen – in Erwartung einer besseren Infrastruktur. Die gibt es dank Bus und Bahn zwar tatsächlich, doch mit Lücken. Im Osten fehlt eine Art Sozialzentrum, darin sind sich WGD-Chef Planer und der Oberbürgermeister einig. Der zentrale Anlaufpunkt müsste sowohl Freizeitangebote als auch Dienstleistungen im medizinisch-therapeutischen Sektor bieten. Die inoffizielle Quartiersuche läuft bereits. Im Gespräch ist nach LVZ-Informationen unter anderem der ehemalige Diska-Markt in der Johannes-R.-Becher-Straße. Der dort vorübergehend untergebrachte Aldi-Markt zieht gegen Jahresende wieder aus, wenn das Objekt in der Eisenbahnstraße fertig ist.

Von Kay Würker

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