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Delitzsch Werbeliner See: Naturschutz kontra Badespaß
Region Delitzsch Werbeliner See: Naturschutz kontra Badespaß
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09:59 27.05.2016
Im Delitzscher Rathaus möchte man nicht akzeptieren, dass die Frist so kurz ist. Quelle: Wolfgang Sens LVZ
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DELITZSCH/WIEDEMAR

Hat es sich nun bald endgültig mit den Strand- und vor allem Badespaßhoffnungen rund um den Werbeliner See? Gut ein Jahrzehnt währt das Ringen, geht es gerade in die nächste Runde. Im Amtsdeutsch heißt das Schreckgespenst „Verordnung über die einstweilige Sicherstellung der Fläche des beabsichtigten Naturschutzgebietes“. Heißt: Das Naturschutzgebiet (NSG) „Werbeliner See“ soll nun ausgewiesen werden. Baden wäre damit untersagt. Die Anhörung dazu ist den Anrainern Anfang Mai aus der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt zugegangen. Die Zeit für Stellungnahmen und damit Widersprüche drängt: Frist ist am Freitag.

Das allein schon will die Stadtverwaltung Delitzsch nicht hinnehmen. Der Zeitraum von Eingang der Unterlagen bis Frist sei recht kurz, schätzt Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) ein. Die Stadt Delitzsch hat daher um Fristverlängerung für die Stellungnahme gebeten. Und hat weitere Unterlagen gefordert. Erst wolle man sich das komplette Wissen der Behörde aneignen. 14 Tage Fristverlängerung ab Eingang aller Unterlagen hat die Stadtverwaltung erbeten. Am Mittwoch sollen die Papiere angekommen sein. Klar ist jetzt schon, dass die Stadt bei einem reinen Naturschutzgebiet nicht mitspielen will. Man werde dann eine Stellungnahme „im Interesse der Delitzscher Bürger“ abgeben. Und die zeigen jetzt schon – sozusagen per Abstimmung mit den Füßen –, dass sie für Vogel- und Naturschutzansinnen in Reinform wenig Verständnis haben. Es habe sich bereits eine „gewisse Anarchie“ ergeben, umschreibt es der OBM. Spaziergänger, Partymacher, Hunde überall und im Sommer eben auch Badegäste sind längst Realität am See.

Auch Wiedemar kontra Naturschutzgebiet

Die Stellungnahme der Gemeinde Wiedemar fällt ebenfalls keinesfalls positiv aus. „Wir sind mit dem Schaffen eines Naturschutzgebietes am Werbeliner See in der vorgesehenen Form nicht einverstanden“, erklärt auf Anfrage Hauptamtsleiterin Tatjana Bonert aus der Gemeindeverwaltung Wiedemar. Sie bereitete die Stellungnahme vor und begründete sie auch. In Wiedemar sieht man die touristische Erschließung insbesondere von Zwochau und seinem gleichnamigen See durch diesen Schritt ernsthaft gefährdet. Das NSG würde laut Bonert den See sogar mit einschließen. Die Einschnitte, die ein Naturschutzgebiet mit sich bringt, seien aus Sicht der Wiedemarer Verwaltung gravierend. Die seit Jahren laufenden Planungen mit dem Zwochauer See würden „nachhaltig torpediert“. Die Auswirkungen wären verheerend. Für Tatjana Bonert ergibt sich einzig und allein die Schlussfolgerung: Mensch und Tier passen in dem betroffenen Gebiet nicht zusammen. „Der Mensch ist dort der Störfaktor. Das kann so aber nicht sein, es muss andere Lösungen geben“, sagt sie. Zwar seien in den Unterlagen zahlreiche Quellen und Gutachten genannt, die eine Unvereinbarkeit belegen sollen, „aber sie liegen uns nicht vor, wir können sie nicht prüfen.“ Diese Unterlagen hatte Delitzsch daher extra noch gefordert. Die Wiedemarer werden ihre Position bis zum Freitag einreichen. „Wir sind nicht erfreut von dem Vorhaben.“

Von Christine Jacob und Ditmar Wohlgemuth

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