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Delitzsch Werbeliner See in Delitzsch bis 2020 weiter unter Schutz
Region Delitzsch Werbeliner See in Delitzsch bis 2020 weiter unter Schutz
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07:00 16.07.2018
Der Werbeliner See - der Uferbereich ist als Naturschutzgebiet vorgesehen Quelle: Ditmar Wohlgemuth
Delitzsch

Der Traum vom Baden im Werbeliner See rückt in immer weitere Ferne, gerät ins Reich des Unmöglichen. Wenn es ums kühle Nass geht, muss Delitzsch dabei mit trockenem Amtsdeutsch klar kommen: Die „Verordnung des Landratsamtes Nordsachsen zur Verlängerung der Geltungsdauer der Verordnung über die einstweilige Sicherstellung des beabsichtigten Naturschutzgebietes Werbeliner See“ ist bis zum 31. Dezember 2019 verlängert worden. Heißt: mindestens bis 2020 müssen alle Träume von einer Badestelle am See ad acta gelegt werden, damit aber auch andere vor allem in Delitzsch ins Auge gefassten touristischen Ideen, denn die Reglementierungen beziehen auch das MUEG-Gelände und die ehemaligen Tagesanlagen des Bergbaus mit ein.

Landratsamt stellt zunehmendes Fehlverhalten fest

Nach der vorläufigen Unterschutzstellung 2016 aufgrund des Vorkommens sehr seltener, vom Aussterben bedrohter Vogelarten war die Untere Naturschutzbehörde gesetzlich verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren dazu das Verfahren weiter zu führen. Passiert ist genau das, was Anrainerkommunen befürchtet hatten, die Naturschutzschlinge zieht sich immer enger. Eigentlich also darf man am See nach wie vor und bis 2020 nichts machen. Baden, Krach, von den Wegen abkommen, den Hund frei laufen lassen ... alles nicht gestattet. Theoretisch. Die Realität sieht anders aus.

Wie das zuständige Umweltamt des Landratsamtes Nordsachsen mitteilt, beschwerten sich bereits vielfach Besucher, die Ruhe suchten oder Vögel beobachten wollten, bei der Naturschutzbehörde über lautstarke und störende Freizeitaktivitäten. Daher seien „seit der einstweiligen Sicherung in unregelmäßigen Abständen durch Behördenmitarbeiter Kontrollen durchgeführt worden“, so das Landratsamt. Zudem werde seit Januar 2018 ein Naturschutzhelfer für die Betreuung des Gebiets beschäftigt. Dieser habe seither auch regelmäßig Verstöße gemeldet. Das habe dazu geführt, dass seit Anfang Juli mehrmals pro Woche zwei Mitarbeiter, auch mit Unterstützung durch Naturschutzhelfer, Kontrollen durchführen und ein zunehmendes Fehlverhalten feststellten. Häufigste Verstöße: freilaufende Hunde und das Verlassen der Wege. Allein in Kontrollen in der ersten Juliwoche seien innerhalb von zehn Stunden 43 Personen mit und ohne Hunde registriert wurden, die gegen ein oder mehrere Verbote verstoßen haben. Es wurden Verwarnungen ausgesprochen.

Die Gründe? Vielen seien die Verbote gar nicht oder nur unzureichend bekannt. Daher strebe das Umweltamt weitere Aufklärung an. Beispielsweise sollen zukünftig mehr Informationen über die geschützten Tier- und Pflanzenarten im Schutzgebiet zur Verfügung gestellt werden. Für die Naturschutzbehörde gehe es nicht darum, Besucher vom Werbeliner See fernzuhalten, sondern um einen verträglichen Umgang mit der Natur.

Der Naturschutz könne nicht ausschließliche Zukunft des Sees sein

Die Stadtverwaltung Delitzsch betonte bereits, erneut das Gespräch mit dem Landratsamt suchen zu wollen. Zudem müsse man prüfen, eventuell Flächen an den Bergbausanierer LMBV zurück zu geben. An der ursprünglichen Argumentation ändere sich nichts, sagt Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). Tenor: Der Naturschutz könne nicht ausschließliche Zukunft des Sees sein. Auch eine naturnahe touristische Nutzung im Sinne gelebter Bürgerbeteiligung müsse möglich sein. Es sei schwer, den Bürgern zu vermitteln, dass sie unter dem Tagebau litten und nun seine Folgelandschaft nur bedingt nutzen dürfen.

Von Mathias Schönknecht und Christine Jacob

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