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Wie der Bär an den Lober kam

Wie der Bär an den Lober kam

Die Vorbereitungen für den Neubau der Bärenanlage im Tiergarten laufen. Größer und artgerechter soll sie werden. Sie ist bereits das dritte Gehege für Braunbären im Delitzscher Heimatzoo, seit dort Anfang der 1970er-Jahre die ersten Petze eintrafen.

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So sah der erste Delitzscher Bärenkäfig in den 1970er-Jahren aus.

Quelle: privat

Delitzsch. Der ehemalige Kürschner Karl Gräfe senior hatte sie angeschafft. Seit Kurzem  ist er Nerz-Pate.

„Hat die Tiergartenchefin vielleicht was gegen Kürschner?“ Diese Frage stellte Karl Gräfe rein vorsorglich. Schließlich fertigte er früher in seinem Betrieb – zuletzt volkseigen, aber bis 1986 seit Generationen in Familienhand – unzählige Nerzjacken aus Amerikanischen Nerzen sowie Fuchsmäntel, und sogar Hamster verarbeitete er zu damals noch nicht umstrittener Mode. Tiergartenleiterin Katrin Ernst nimmt es locker: „Tiere werden und wurden nun einmal auch verarbeitet.“

Und Karl Gräfe senior ist für ein durchaus interessanter Gesprächspartner. Der Ur-Delitzscher hat Anfang der 1970er-Jahre die ersten Bären für die Einrichtung bezahlt. „Der damalige Tiergartenleiter Franz Kirsch war sehr rührig, was die Gewinnung von Betrieben als Förderer anging und schlug uns eines Tages vor, doch einen Bären zu besorgen. Na, eigentlich hat er uns einen Bären aufgebunden“, blickt Karl Gräfe schmunzelnd zurück. Franz Kirsch starb 2010 im Alter von 84 Jahren nach schwerer Krankheit.

Sein sehnlichst gewünschter Meister Petz kam noch als Jungtier mit dem Zug am heutigen Unteren Bahnhof an. Geholt wurde er aus Bernburg, kam laut Karl Gräfe ursprünglich aus einem tschechischen Zirkus. „Die müssen ihn gar nicht gut behandelt haben, der hatte kein Fell und ein Auge ausgestochen“, erzählt der 90-Jährige. Später kam noch eine Gefährtin dazu. „Damit wir beim Kauf auf eine gerade Summe kamen, mussten wir zum Bären für damals vielleicht 175 Mark noch eine Krähe dazunehmen“, erzählt der rüstige Senior. Sein Betrieb habe später das Bärenfell bekommen. „Aber nur, um es zu verarbeiten. Es ist im Rathaus gelandet“, erinnert sich der Rentner. Die Haltung der Bären sei damals in Ordnung, aus heutiger Sicht aber eine Katastrophe gewesen. Darum ließ sich Karl Gräfe von Tiergartenchefin Katrin Ernst gerne erläutern, wie das künftige Areal aussehen soll.  

Gelegenheit fürs Gespräch war kürzlich, als der Delitzscher sein Geschenk zum 90. Geburtstag einlöste – eine Patenschaft über den Europäischen Nerz. Er ist damit nun vor Ort einer von drei Förderern der bedrohten Tiere. Anders als bei den meisten Tieren im Heimatzoo darf für Nerze aber kein Name bestimmt werden. „Wobei Karl ja auch ein blöder Name für eine Nerzfähe wäre“, findet der Neu-Pate. Der Tiergarten beteiligt sich am Artenschutzprojekt zur Wiederansiedlung des Tieres – die Nerzdamen sollen am Lober ihre Jungen bekommen und aufziehen, die dann am Steinhuder Meer ausgesiedelt werden. Die Fähen werden immer wieder ausgetauscht. Der nicht ganz ernst gemeinte Kürschner-Kennerblick verrät, dass es gut gehen könnte mit der Ansiedlung: „Schöne Tiere, aber höchstens für ein Innenfutter geeignet“, meint Karl Gräfe.

Die Patenschaft über die derzeit im Tiergarten lebenden Braunbären Knicki und Susi hat heute übrigens eine Bank. Die beiden Petze sollen mit der neuen Anlage ein artgerechteres Zuhause erhalten. Doch auch das aktuelle Gehege ist nicht das erste. Bärenkäfig Nummer eins stand dort, wo heute die Hängebauchschweine residieren. Er war recht klein und hatte nur einen einzigen Kletterbaum.

Christine Jacob

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