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Wiedemar besteht auf Bademöglichkeit am Zwochauer See

Naturschutzgebiet Wiedemar besteht auf Bademöglichkeit am Zwochauer See

Die Gemeinde Wiedemar bezieht Stellung zum Werbeliner See und besteht darauf, dass eine Bademöglichkeit am Zwochauer See entstehen muss. Über 50 Prozent des besonders geschützten Geländes liege auf Wiedemarer Gemarkung, also müsse Wiedemar auch von einer Ausnahme profitieren können.

Der Grabschützer See. Hier stand einst das Dorf Grabschütz.

Quelle: Wolfgang Sens

Wiedemar. Das weggebaggerte Dorf Grabschütz hatte einst ein Freibad. Mit dem Braunkohleabbau verschwand es. Damals versicherten Bergbaubetrieb und Politik, dass die Vertriebenen und sonst davon Betroffenen für das Freibad eine Badestelle am Zwochauer See bekämen. Auf dieses Versprechen wies Wiedemars Bürgermeisterin Ines Möller (parteilos) sehr nachdrücklich in der Stellungnahme der Gemeinde zur Festsetzung des Naturschutzgebietes (NSG) Werbeliner See hin und forderte erneut, sich auch daran zu halten. Bis zum 10. Oktober konnten sich alle Beteiligten zum Entwurf der Verordnung äußern, die das Umweltamt des Landratsamtes Nordsachsen erarbeitet hatte.

Größte Fläche – größte Nachteile

„Die Gemeinde Wiedemar hat mit 58,7 Prozent Flächenanteil den mit Abstand größten Anteil am beabsichtigten NSG und mithin die größten Nachteile zu ertragen“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Deshalb sei es vernünftig und angesichts der Gemengelage von Naturschutz und Menschenrechten nur gerechtfertigt, für die kleine regionale Badestelle eine Ausnahme zu machen. Ines Möller befürchtet, dass nach dem Verlust der Heimat, dem Tragen der Folgen des Grundwasseranstieges nun der Ausschluss aus der Natur folge. Als 2006 die Meldung der Vogelschutzgebiete an die EU, insgesamt 6407 Hektar, erfolgte, wuchs gleichzeitig ein schwerwiegendes Hindernis zur Entwicklung eines schonenden naturnahen Tourismus. Aus Sichte der Wiedemarer Bürgermeisterin sei unbedingt anzumerken, dass im Rahmen der Anhörung von den zuständigen übergeordneten Fachbehörden betont wurde, dass mit der Festsetzung der Vogelschutzgebiete „keine Einschränkungen in der Entwicklung der Region und des Tourismus“ entstünden.

Hier wurde offenkundig gelogen

„Hier wurden die kommunalen Vertreter offenkundig belogen und in die Irre geführt“, heißt es in der Stellungnahme, die sehr deutlich auf die Probleme damals als auch heute verweist. Aus Wiedemarer Sicht sei Naturschutz ohne die Einbeziehung oder gar gegen den Menschen zu machen, ein großer Irrtum. Naturschutz lebe vom Erleben, von der Aufklärung und Mitnahme der Menschen.

Virus löste Massensterben von Vögeln aus

Warum die Zahl der Vögel global, bundesweit und regional seit Jahrzehnten abnimmt, dafür haben die Wiedemarer ihre eigene Argumentation. Nicht störende badenden Menschen seien jedenfalls nicht dafür verantwortlich. Unter anderen löste ein tropischer Virus in den Jahren 2011, 2012 und 2015 ein Massensterben von einheimischen Vögel aus. Auch das Insektensterben trage zur Reduktion von Vogelpopulation bei. So haben die Wiedemarer zum Beispiel in einschlägigen Dokumentationen nachlesen können, dass in manchen Gebieten Deutschlands die Zahl der Insekten bis zu 80 Prozent abgenommen habe. Die Gemeinde Wiedemar wirke diesem Trend mit den Anlegen von Blühstreifen entgegen, um eine ausreichende Nahrungsgrundlage für die Insekten zu bieten.

Mit den Stellungnahmen beschäftigen

Zudem weist die Gemeinde darauf hin, dass Ornithologen auch Menschen seien. Der Entwurf zur Verordnung des NSG geht davon aus, dass mit der Festlegung zum Totalreservat auch ein hohes fachliches und wissenschaftliches Interesse geweckt werde, das wiederum Untersuchungs- und Beobachtungswünsche hervorrufe. Auch sie könnten dann zu Störungen führen. „Sie sollten daher verboten werden“, schlussfolgert die Wiedemarer Bürgermeisterin. Die Naturschutzbehörde muss sich jetzt mit den Stellungnahmen beschäftigen und abwägen, ob sie berücksichtigt werden müssen oder nicht.

Von Ditmar Wohlgemuth

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