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Wiedemar nimmt noch dieses Jahr weitere 73 Flüchtlinge auf

Wiedemar nimmt noch dieses Jahr weitere 73 Flüchtlinge auf

Die Sitz- und Stehplätze im Sitzungssaal der Gemeinde Wiedemar waren am Donnerstagabend völlig ausgeschöpft. Selbst auf dem Flur standen Leute und versuchten zu hören, welche Informationen es zur Asylfrage gab.

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In diesem Hotel im Gewerbegebiet Airterminal-Nord in Wiedemar sollen 60 Flüchtlinge einziehen. Ein Umbau ist erforderlich.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Was die gut 50 Bürger während der öffentlichen Gemeinderatssitzung erfuhren, lässt sich so zusammenfassen: Die Gemeinde Wiedemar wird in diesem Jahr 78 Flüchtlinge aufnehmen. 60 alleinreisenden Männer kommen voraussichtlich im ehemaligen Grünen Hotel unter. Wann das geschieht, ist noch völlig offen.

"Wir wollen vor allem rechtzeitig informieren", begründete Ordnungsdezernentin Angelika Stoye ihren Auftritt vor den Abgeordneten und den Bürgern. Es gebe noch keinerlei Verträge, weder mit dem Hoteleigentümer noch mit der künftigen Betreibergesellschaft des Asylbewerberheimes, betonte sie. Man sei noch ganz am Anfang des Vorhabens, dennoch drücke die Zeit. Der Landkreis müsse pro Monat zwischen 300 und 400 Flüchtlinge aufnehmen und dafür die erforderlichen Bedingungen schaffen.

Stoye versuchte den Anwesenden zu erklären, warum Wiedemar 78 Flüchtlinge aufnehmen muss. Die Verteilung erfolge nach der Einwohnerzahl. In diesem Jahr liegt die Quote bei 1,5 Prozent, entspricht 78 Personen. Da bereits eine fünfköpfige Flüchtlingsfamilie in Pohritzsch wohnt, wären es noch 73. Der Großteil, das sind 60 Flüchtlinge, alles alleinreisende junge Männer, sollen in Wiedemar unterkommen. Der Eigentümer des Hotels habe sein Haus angeboten. Es gab bereits eine Vor-Ort-Besichtigung. Vor allem brandschutztechnische Forderungen müssten erst noch erfüllt werden, ehe die befristete Anmietung der Immobilie durch den Landkreis erfolgt. "Da werden wir auch keine Kompromisse zulassen. Ein Brandschutzgutachten ist vorzuweisen. Aber wie gesagt, wir sind noch ganz am Anfang der Verhandlungen", so Stoye. Für die Umbaumaßnahmen komme der Eigentümer auf. "Zudem bedarf es noch einer Baugenehmigung zur Umnutzung des Gebäudes", teilte Wiedemars Bürgermeisterin Ines Möller (parteilos) mit. In der Gemeinde stünden derzeit keine anderen Räume zur Verfügung, um Flüchtlinge unterzubringen. Die Variante, Zelte zu errichten, lehnt das Landratsamt Nordsachsen weiterhin ab.

Immer wieder musste Angelika Stoye ihren Vortrag wegen Wortmeldungen der Bürger kurzzeitig unterbrechen. Sie beantwortete Fragen, die zumeist sachlich vorgetragen wurden. Allerdings nutzten einige Einwohner die Sitzung auch für Polemik: "Wer schützt unsere Kinder im Dorf und auf dem Weg von und zur Schule? Wir brauchen mehr Polizeipräsenz!", äußerten Einwohner. Sie befürchten eine "eklatante Zunahme der Kriminalität", mahnten auch eine Überprüfung der Flüchtlinge an. "Von wo kommen sie wirklich? Sind sie gesundheitlich untersucht worden, bevor sie hierher kommen?" Angelika Stoye versuchte zu beruhigen. Die Flüchtlinge werden im Erstaufnahmelager untersucht. Identitätsfeststellungen erweisen sich allerdings als schwierig. "Darauf, als auch auf die Länge des Asylverfahrens haben wir keinen Einfluss." Es dauert derzeit zwischen drei Monaten und anderthalb Jahren. Mindestens solange müssten die Asylbewerber in Wiedemar untergebracht werden.

"Wie können wir ihnen helfen, damit die Verfahren schneller gehen", fragte eine junge Frau, die bereits erkannt hatte, dass an der Aufnahme von Flüchtlingen kein Weg vorbei führt. Die Dezernentin schlug vor, sich mit Bundes- und Landtagsabgeordneten auszutauschen. Gleichwohl wurde aus der Runde der Bürger angeregt, bei der geplanten, aber noch nicht terminlich festgelegten Bürgerversammlung die Abgeordneten einzuladen. Stoye reagierte zudem auf Gerüchte, wo nach bereits weitere Unterkünfte in der Gemeinde, zum Beispiel in Zschernitz, geplant seien. "An dem ist nichts dran", sagte sie.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.09.2015

Ditmar Wohlgemuth

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