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Wiedemarer Bastler bauen DDR-Mopeds wieder auf

Schwalbe und Co. Wiedemarer Bastler bauen DDR-Mopeds wieder auf

Die DDR-Mopeds der sogenannten Vogelserie haben es den Männern aus Wiedemar angetan. Die Two-Stroke Monkeys wollen Schwalbe und Co erhalten, indem sie sie originalgetreu restaurieren und wieder fahrbereit machen. Sie stecken viel Leidenschaft in ihr Hobby, auch so mancher Euro wird dafür verwendet.

Die Two Stroke Monkeys aus Wiedemar restaurieren ehemalige DDR-Mopeds.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Wiedemar. Ein bisschen verrückt muss man schon sein, um diesem Hobby mit aller Leidenschaft zu frönen. Das räumen Christian Bühlig, Jan Irrgang und Christian Bielig aus Wiedemar unumwunden ein, weil es eben auch so ist. Sie leben schließlich einen Traum, der erst jetzt so richtig Realität werden kann. Und wie jede Leidenschaft, nehmen die drei im Leben stehenden Männer auch so manches Leiden in Kauf. Über manches werden sie reden, über anderes wollen sie lieber stillschweigen. Kleine Geheimnisse sollten auch geheim bleiben, meinen sie. Schließlich könnte es ja passieren, dass gerade die Partnerin diesen Beitrag in die Hände bekommt und sich dann wundert, warum das Taschengeld eben nicht bis zum nächsten Monat reicht.

Die drei gehören zur Crew der Two-Stroke Monkeys Wiedemar – übersetzt heißt das nichts anderes als „Zwei-Takt-Affen“. Früher hießen sie auch schon mal anders. Doch „Simsonfreunde Wiedemar“ schien ihnen nicht so eindrucksvoll, viel zu bieder, wie Christian Bühlig meint. „Wir hatten kaum Resonanz auf Facebook“, verrät er. Als der Name und das Logo deutlich auffälliger waren, klappte es auch damit, andere wurden auf sie aufmerksam. Das wollen die „Schrauberlinge“ auf jeden Fall. Sie wollen ihre Leidenschaft nicht für sich behalten, andere daran teilhaben lassen.

Ein ganz spezielles Design wurde für diesen KR 50 entworfen und selbst hergestellt

Ein ganz spezielles Design wurde für diesen KR 50 entworfen und selbst hergestellt.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Möglichst originalgetreu

Was machen die erwachsenen Jungs eigentlich? Sie bauen schlichtweg motorisierte Zweiräder der Marke Simson auf. Möglichst originalgetreu. Wo das kaum noch möglich ist, lassen sie ihrer Fantasie freien Lauf und machen wahre Prachtstücke auf zwei Rädern draus. Wie beispielsweise aus einem KR 50, Baujahr 1959. KR steht übrigens für Kleinroller, bei Simson in Suhl (Thüringen) wurde er 1958 bis 1964 insgesamt 164 500 Mal gebaut. „Es ist quasi der Vorgänger der späteren Schwalbe“, weiß Christian Bühlig. Was er nicht mehr weiß, wie viele Stunden es gekostet hat, ihn in den heutigen Zustand zu versetzen. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall. Heute fährt er damit zu Shows und bekam auch schon einen Pokal fürs Design. Auch seine Frau wird sich wohl noch an das gute alte Stück erinnern, denn es hatte geraume Zeit, wohl um die drei Monate, das Wohnzimmer eingenommen. Solche Spielereien kann und will sich der 38-Jährige heute aber nicht mehr leisten.

Fertig zur Ausfahrt

Fertig zur Ausfahrt.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Eine Schwalbe für Sohn Finn

Vor drei Jahren hatte er ein Auge auf eine blaue Schwalbe geworfen. Sie stand in Zwickau. Mittlerweile ist auch sie komplett restauriert und soll, wenn Sohn Finn (10) den Führerschein gemacht hat, ihm gehören. Im übrigen sind alle fahrbereiten Mopeds, die die drei Männer unter ihren Fittichen hatten, angemeldet und können jederzeit auch auf öffentlichen Straßen gefahren werden. Genau das machen sie dann auch. Ausfahrten gehören regelmäßig dazu. Nicht nur um die Mopeds zu prüfen, sondern auch, um sich im Dorf und in der Umgebung zu zeigen. „Wir werden schon des Öfteren auf die Mopeds angesprochen, mittlerweile sind wir auch bekannt“, erklärt Jan Irrgang (39). Ihnen kommt es nicht auf den Geschwindigkeitsrausch an. Damit wollen sie sich von anderen Crews, die die Mopeds tunen und so besonders schnell machen, deutlich abgrenzen.

Eher nicht Original ist diese Milhouse-Figur aus der Serie „Die Simpsons“

Eher nicht Original ist diese Milhouse-Figur aus der Serie „Die Simpsons“.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Christian Bielig hat sich einer weißen Schwalbe aus dem Jahr 1974 angenommen. Sie sieht aus, als wäre sie gerade erst vom Band gekommen, natürlich an einigen Stellen, wie der Sitzbank, ist sie zusätzlich aufgehübscht worden. „Sie war komplett zerlegt“, erzählt der gelernte Kfz-Mechaniker. Jede Menge Arbeitszeit stecke jetzt darin. Welchen Wert sie habe, könne er nur schätzen. Will er aber nicht, verkauft wird sie ohnehin nicht. Das trifft im übrigen auch auf die anderen Exemplare zu, die in der Gruppe bereits zusammengeschraubt wurden.

Spezielle Verfahren

An der Schwalbe hat sich Christian Bielig auch mit dem Wassertransferdruck versucht. Ein Verfahren, mit dem Bauteile unter Wasser mit einer speziellen Folie bezogen werden. Dabei entstehen besondere Strukturen. Den sogenannten Panzer der Schwalbe ließ er mit Speziallack lackieren. Befreundete Lackierwerkstätten heben aber mittlerweile schon die Hände, weil der Aufwand doch erheblich und der Verdienst nicht so groß sei. „Wir machen schon sehr viel selbst, aber alles geht eben auch nicht“, erklärt Jan Irrgang. Der Heizungstechniker, der auch schon mal Schwalben-Papa gerufen wird, hat ebenfalls einen Faible für diesen Simson-Typ, obgleich er eigentlich eher ein Freund von Vier-Takt-Zweirädern ist. Eine Touren AWO Baujahr 1954 sowie eine BMW R 35 von 1950, beides Einzylinder-Viertakt-Motorräder, hat er bereits restauriert.

Es glänzt wieder wie neu

Es glänzt wieder wie neu.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Unabhängig davon werkelt er an den Simson-Fahrzeugen kleinerer Bauart. Für Selma, seine achtjährige Tochter, ist schon eine blaue Schwalbe reserviert. „Sie war im Originalzustand, stand über 20 Jahre hinter einem Holzhaufen im Schuppen eines Freundes und drohte, auf dem Sperrmüll zu landen“, erinnert sich Jan Irrgang. Er war schnell genug, sie zu retten und nach ein paar Schrauberstunden wieder auf die Straße zu bringen.

Durch Zufall entdeckt

Eine zweite holte er in einer Nacht- und Nebelaktion aus Plauen. Da diese aber im Originalzustand leider nicht mehr zu retten war, wird sie mit ein paar kleinen Änderungen über den Winter fertig gestellt und später eine „tief fliegende“ Schwalbe für seinen Sohn Quentin (10).

Vielen Fahrzeugen der Simson-Vogelserie – Schwalbe, Spatz, Star, Sperber und Habicht – ergeht es ähnlich. „Manche werden wirklich erst durch Zufall entdeckt“, bemerkt Christian Bühlig. Dabei sind es eigentlich Kultobjekte und mittlerweile zunehmend auch Objekte der Begierde, wie er weiß. Die Preise für gute Exemplare steigen. Leider werde der Markt derzeit auch von Simson-Fahrzeugen geradezu überschwemmt, die einst nach Ungarn exportiert wurden. Jetzt kehren sie zurück und werden zu Geld gemacht. Hier müsse man als Käufer aufpassen, da es mit dem Beantragen neuer Fahrzeugpapiere beim Kraftfahrzeugbundesamt problematisch werden kann, wissen die Wiedemarer.

Zweite Leidenschaft Fußball

„Das macht es nicht leichter“, verrät das Trio, das deswegen ihr Hobby nicht aufgeben wird. Sie fahren immer wieder gern zu den Simson-Treffen, holen sich dort Anregungen und Tipps, kontaktieren Freunde. „Es ist schon eine besondere Gemeinschaft, die dort zusammenkommt“, wissen die drei und sie schätzen es. Der Erfahrungsaustausch macht sie vor allem eines: schlauer. Ihr Wissen wollen sie nicht für sich behalten. „Wenn wir helfen können, tun wir es gern“, sagen sie. Von der E-Schwalbe, offenbar der neueste Schrei auf dem Zweirad-Markt, halten sie nicht allzu viel. Ihre Prognose: Sie wird nur kurz da sein und dann verschwinden.

Die Two-Stroke Monkeys aus Wiedemar haben auch noch eine andere Leidenschaft. Sie sind Fußball-Fans. Gemeinsam mit anderen Kumpels sind sie so oft wie möglich bei den Spielen von RB Leipzig zu finden. Benzingespräche sind dabei eingeschlossen.

Übrigens: Wer noch eine Simson im Schuppen stehen hat und sie restaurieren möchte, kann sich gern bei den Jungs via Facebook und Instagram melden, sie stehen mit Rat und Tat zur Seite.

Von Ditmar Wohlgemuth

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