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Wirbt Leipzig vermehrt Erzieher aus Nordsachsen ab?

Kindertagesstätten Wirbt Leipzig vermehrt Erzieher aus Nordsachsen ab?

Fachpersonal wird knapp in Nordsachsen. Auch im Bereich der Kindererziehung gibt es mehr freie Stellen als ausgebildete Erzieher. Die Nähe zu Leipzig erweist sich als Konkurrenzsituation.

Die Kindertagesstätte in Pressel wird Naturpark-Kita.

Quelle: Wolfgang Sens LVZ

Delitzsch. Blickt man durch die Stellenanzeigen, die für Delitzsch und Umgebung ausgeschrieben sind, fällt auf: Erzieher sind gefragt. Kaum ein Träger, der nicht mindestens eine Stelle ausgeschrieben hat. Warum ist das so? Was macht es schwierig, diese Stellen zu besetzen? Wirkt sich die Nähe zum boomenden Leipzig negativ auf Personalentwicklung der hiesigen Kindertagesstätten aus? Lockt die Großstadt mit mehr Geld? „Der Markt ist leer gefegt und durch die Verringerung der Betreuungszahlen ist der Bedarf sehr hoch“, ein Geburtenknick lasse auch noch auf sich warten, so umreißt der Schönwölkauer Bürgermeister Volker Tiefensee (CDU) die derzeitige Lage. Bis 2009 war er hauptamtlich im Amt und hatte die Kindergärten seiner Gemeinde in seiner Verantwortung. Freie Träger hätten zudem das Problem, dass ihre Haustarifverträge unter dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (TVöD) liegen. „Da gehen manche Erzieher lieber zu kommunalen Einrichtungen.“

Lukrative Angebote locken

Melanie Burkhardt, Fachbereichsleiterin für Kita und Soziales beim Kreisverband Nordsachsen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) bestätigt dies. Vor allem junge Kollegen wechselten nach kurzer Anstellung nach Leipzig. Dort wurde zuletzt vermehrt gesucht, etwa, um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu betreuen. „Manchmal gehen die noch in der Probezeit“, sagt sie. Rückfragen haben ergeben, dass diese Mitarbeiter zum Teil lukrativere Angebote hatten. Aber verallgemeinern möchte sie das nicht. „Ich würde nicht pauschal sagen, dass es nur an finanziellen Sachen liegt. Wir sind natürlich auch interessiert, keinen zu großen Unterschied zum TVöD zu haben.“ Ursache, dass so viele Träger gerade suchten, sieht sie schlicht darin, dass es augenblicklich mehr freie Stellen als ausgebildete Erzieher gebe.

Freie Träger ziehen in Tarifabschlüssen nach

„Leipzig hat einen Sogfaktor, aber aus unterschiedlichen Gründen. Nicht nur das Geld. Es gibt nicht nur den öffentlichen Dienst, der Tarifabschlüsse macht und Verbesserungen für die Mitarbeiter“, sagt Christian Wolff, Vorstandsvorsitzender des DRK Kreisverband Delitzsch. Auch die freien Träger zögen in ihren Tarifabschlüssen nach. Wolff betont, gerade wo ein Mangel herrsche, geschehe dies schneller. Es sei aufwendiger geworden, Bewerber zu finden und zu binden. Das liege nicht am Entgelt, sondern am Überhang an offenen Stellen.

Angebot und Nachfrage haben sich gewandelt

„Vor ein paar Jahren war es noch so, dass sich auf eine Stelle vier Bewerber gemeldet haben. Und jetzt ist es andersherum. Wenn im Januar oder Februar Personal gesucht wird, dann ist der Markt leer“, bestätigt Marlis Bauer. Sie hat seit Jahresanfang die Bereichsleitung über die zehn Kindertagesstätten des Diakonischen Werks Delitzsch/ Eilenburg inne. Für sie bedeutet dies vor allem eins: Sie muss genau planen. „Leipzig fängt schon Erzieher ab, das ist klar. Es ist eine junge Stadt, die boomt und mit einer Trägervielfalt lockt.“ Es komme aber auch darauf an, zu welchem Zeitpunkt man Erzieher suche. So habe sie aktuell zwar viele Initiativbewerbungen von angehenden Erzieherinnen, die ihre Ausbildung erst im Sommer beenden. Die Lücken entstehe aber meist erst nach dem Herbst. Wenn Kinder die Einrichtungen in die Schulen verlassen haben, sinkt der Bedarf zunächst ab. Trotzdem sei es bisher gelungen, jeden Platz mit hochmotivierten Mitarbeiterinnen zu besetzen. Bewerber absolvieren meist mehrere Gespräche und entscheiden sich erst dann für einen Arbeitgeber. Vor allem das Konzept der Kita spiele bei einer Entscheidungsfindung neben den sozialen Leistungen eine Rolle.

Von Manuel Niemann

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