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With Full Force – Roitzschjora lässt es krachen

Musikfestival With Full Force – Roitzschjora lässt es krachen

With Full Force – so heißt es von Freitag bis Sonntag wieder auf dem Segelflugplatz im Löbnitzer Ortsteil Roitzschjora. Zehntausende Metal-Fans werden zu dem Musikfestival in den kleinen Ort zwischen Delitzsch und Bad Düben strömen. Auf dem Festivalgelände laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Und nicht nur dort.

Aufbau der Bühne.

Quelle: Manuel Niemann

Roitzschjora. Der Boden des Flugplatzes Löbnitz-Roitzschjora ist unter dem Gras trocken und knochenhart. Dort, wo er bereits viel befahren wurde, wirbelt Staub auf. Denn im Minutentakt fahren große LKWs auf das weitläufige, ebene Gelände, das noch nicht ganz eingezäunt ist. Vom See gegenüber ist Möwengeschrei zu hören, ein paar Gänse haben sich am Ufer niedergelassen. Neben dem Rattern der Anlage, die aus dem Mühlfeldsee beständig Kies auf einem Förderband schöpft, sind es vor allem die großen Motoren der Maschinen auf dem Festival-Gelände, die man hört. Arbeiter wuchten mobile Toilettenkabinen von LKW-Ladeflächen oder es fahren ganze Sanitärtrakte im Containerformat vorbei. Auch die ersten Lieferanten sind schon vor Ort, Brauerei-, Eis- und mit „Met“ beschriftete Wagen. Der Aufbau zum größten ostdeutschen Rockfestival hat begonnen.

Eine riesige zeltförmige Überdachung steht bereits, ebenso wie das Grundgerüst zu einer Bühne, die Metal-, Hardcore- und Punk-Bands bespielen werden. Am Freitag beginnt das 23. „With Full Force“-Festival. Es das 18. Mal, dass es im Löbnitzer Ortsteil Roitzschjora stattfindet.

Herausforderung für Gemeinden

Es ist fraglos eine Herausforderung – auch für die umliegenden Gemeinden. Und wie ist die Zusammenarbeit in den letzten Jahren immer wieder gelungen? Bürgermeister Axel Wohlschläger beschreibt es als einen andauernden Dialog. Jahr für Jahr versuche man sich so zu verbessern. Dies fängt mit einer Auftaktrunde im April oder Mai an, bei der der Veranstalter und die Kommune mit allen beteiligten Behörden, Sicherheitsdiensten, der Polizei und Feuerwehr zusammentreffen. Es folgen tägliche Treffen während des Festivals selbst und auch eine Nachbearbeitung im Herbst. Immer gilt es, sich dort an neue Gegebenheiten anzupassen. So hat sich das Festivalgelände im Laufe der Zeit durch den Kiesabbau nebenan verändert, das Verkehrskonzept musste überdacht und neue Zufahrtswege geschaffen werden.

Toilettenhäuschen werden geliefert

Toilettenhäuschen werden geliefert.

Quelle: Manuel Niemann

„Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen.“, betont Wohlschläger offen. Der Name Roitzschjora und damit auch der der Gemeinde Löbnitz werde schließlich in alle Welt getragen. Und nicht zuletzt sind da auch die wirtschaftlichen Vorteile, die der kurzfristigen Lärm-, Müll und Verkehrsbelastung entgegenstehen. Unternehmen vor Ort verdienen mit, etwa wenn es darum geht, die Leute zu versorgen oder den Müll zu entsorgen. Die Zahl der Übernachtungen steigt während dieser Zeit, Taxiunternehmen haben ihren Absatz und selbst der Flugsportverein profitiert durch die Pacht, die er für die zur Verfügung gestellten Flächen erhält. „Das ist auch kein Geheimnis, das ist ganz einfach so“, sagt Wohlschläger.

Finanzielle Unterstützung

Nicht zuletzt erfahre das Muldedorf für seine Akzeptanz auch finanzielle Unterstützung. Das Parkfest sowie das Reit-und Springturnier in Löbnitz werden so mitgefördert. Daneben gibt es für die Löbnitzer auch die Gelegenheit, das Festival vor der Haustür kostenlos zu besuchen. Der Personalausweis genügt, um auf das Festivalgelände zu kommen. Eine Geste, die von der Bevölkerung gern angenommen wird und dafür sorgt, dass das Festival den Rückhalt und Zuspruch nicht verliert.

Axel Wohlschläger spricht frei. Ohne Umschweife kann er einen kurzen Abriss der Festivalgeschichte der letzten Jahre geben. Was nicht wundert, bereits bevor er dem Ort vorstand, war er als Gemeindewehrleiter stets mit vor Ort. Aus dieser Perspektive verschweigt er nicht, dass auch schon Probleme gab, insbesondere mit der Witterung: „Wir hatten schon Extreme, so dass wir viel Regen hatten und eingesunkene Fahrzeuge mit schwerer Technik vom Platz gezogen werden mussten. Wir hatten schon Jahre mit einer Hitzewelle, so dass zusätzlich Wasser für die Gäste bereitgestellt werden musste.“, bilanziert er die Erfahrungen aus 18 Jahren. „Es hat auch schon einmal Verletzte durch einen Blitzeinschlag gegeben.“ Im Jahr 2012 überschattete dieses Unglück das Geschehen auf dem Flugfeld und war auch ein Grund, im vergangenen Jahr am Sonntag vorzeitig abzubrechen. Das sind Dinge, die bei einer Freiluftveranstaltung nicht oder nur schwer planbar seien. In diesem Falle müssten dann die Sicherheitskonzepte greifen.

Dauercamper an der Alten Mulde

Die Widrigkeiten des Wetters haben auch Marianne und Reinhard Wähnelt kennengelernt. Die beiden sitzen im Schatten ihres Dauercamping-Domizils, neben dem sich ein Arm der Alten Mulde entlang schlängelt. Bereits zwei Hochwasser haben die beiden Wolfener dort mitgemacht. Sie sind seit 1968 Camper, seit 1970 dauerzelten sie, von März bis Januar zuletzt. Seit 2002 kümmern sie sich ehrenamtlich mit um die Wartung und Vergabe der Stellflächen des Platzes.

Im Hinblick auf das kommende Festivalwochenende sieht ihr Auftragsbuch noch recht leer aus: Reinhard Wähnelt zählt im Kopf zusammen, aber, nein, nicht mehr als zwei oder drei feste Anmeldungen habe er für diese Zeit. Prinzipiell sei Platz da. „Die kommen auch unverhofft, jedes Jahr sind es fast immer die gleichen. Ob das dieses Jahr wieder so ist: Wir wissen es nicht.“, fügt Marianne Wähnelt hinzu. Denn was die beiden von ihrem Stellplatz aus sehen, ist ein Damm aus Erde und ein provisorischer Schotterweg, der jetzt an der Ecke Dübener Straße hin zur Muldenaue zum Campingplatz abführt.

Vor dem Damm ist Dauerbaustelle. Spätfolgen der beiden Fluten werden dort behoben und die Straße soll, wenn alles fertig ist, mit einem Wendekreis ordentlich eingebunden werden. Doch das zieht sich, so dass die beiden in diesem Jahr nicht mit den Unwägbarkeiten des Wetters hadern, sondern die Baumaßnahmen sie verstimmen. Während also auf dem Flugfeld die Aufbauarbeiten für eine Massenveranstaltung begonnen haben, fürchten die Wähnelts auf ihrem Platz darum, von Gästen schlicht übersehen zu werden: Kein Schild weist auf das Zeltgelände hinter der Baustelle hin.

Hochsaison für Eisverkäufer

Ohnehin werden die Festivalgäste von der Dübener Straße umgeleitet werden, weil ein paar Hundert Meter weiter vorn ebenfalls gebaut wird. An dieser Baustelle liegt in Löbnitz die Eisdiele Matteo: Doch wie auch der Kiosk am Campingplatz hat diese vorerst geschlossen. Es lohnt sich in dem kleinen Ort und unter diesen Bedingungen im Moment nicht. Dafür findet sich um die Ecke, gegenüber von Konsum und Apotheke ein kleiner Stand, der das Eis des Löbnitzer Betriebs anbietet. Felix Piechulla erzählt, zwar sei die Eisdiele selbst noch bis nächste Woche geschlossen, aber das Festival sorge dennoch für rege Betriebsamkeit bei den Eismachern. „Es wird schon ein paar Wochen vorher in der Eisproduktion in Vorbereitung auf das ‚With Full Force‘ hingearbeitet. Die Schichten, in denen produziert wird, steigen an.“ Besonders die frischen Fruchtsorten wie Limette oder Zitrone und halbgefrorenes Slush-Eis waren im vergangenen Jahr gefragt. Mit zwei festen Anhängern und zwei mobilen Eiswagen und einem Team von elf Helfern werden sie in Schichten vor Ort sein.

Und noch in der Apotheke nachgefragt, was die Gäste des harten Rocks dort kaufen. Denise Mühlbauer überlegt kurz, lacht, und sagt: „Antiallergika! Die Städter kommen auf’s Land, und atmen Pollen. Die Folge ist Schnupfen und die Augen fangen an zu tränen.“ Ansonsten liefen Magen-Darm-Medikamente ebenfalls gut. Es sei auch witterungsabhängig. Bei Regen mehrten sich Blasenentzündungen. Aber sie meint, es kommen auch weniger Leute als früher hier vorbei.

Weniger Leute im Dorf

Trotz des Shuttleverkehrs, der die Leute vom Festivalgelände bis zur Konsumkaufhalle bringt, gebe es diese Tendenz, bestätigt auch Ilka Rehner, die die Konsumfiliale leitet. Nichtsdestotrotz habe man an diesen Tagen aber weit mehr Kunden. „Besonders gut geht dann natürlich Dosenbier, Grillartikel und – was die letzten Jahre zugenommen hat – auch gesunde Kost. Also vegan, vegetarisch. Viel Obst und Gemüse, Melonen oder Erdbeeren, gerade wenn es so warm ist.“ Warum trotzdem weniger Leute ins Löbnitzer Dorfzentrum kommen, dafür hat sie eine einfache Erklärung: „Sie haben den Eingang zum Festivalgelände verlegt. Früher war der Eingang Richtung Delitzsch, jetzt ist er Richtung Bad Düben. Früher waren es anderthalb Kilometer, jetzt mehr als fünf Kilometer.“ Bleibt zu hoffen, dass diese Distanz nicht weiter wächst.

Von Manuel Niemann

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