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Wöllnauer Künstler lässt Cranach-Werk für Torgauer Schlosskirche auferstehen

Reformationsjubiläum Wöllnauer Künstler lässt Cranach-Werk für Torgauer Schlosskirche auferstehen

Als Martin Luther Mitte des 16. Jahrhunderts die Schlosskirche Torgau weihte, fiel sein Blick auf „Elias und die Baalspriester“. Das Gemälde von Lucas Cranach dem Jüngeren hat der Wöllnauer Maler Volker Pohlenz noch einmal gemalt, dem Original in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister zum Verwechseln ähnlich. Nur die Farben sind kräftiger.

Der Wöllnauer Künstler Volker Pohlenz fertigte diese Kopie des Gemäldes „Elias und die Baalspriester“ von Lucas Cranach d. J., dem Original verblüffend ähnlich. Nur die Farbe ist frisch und kräftiger.

Quelle: Repro: Wolfgang Sens

Wöllnau. Im kleinen Heidedorf Wöllnau hat große Kunst kräftig-frische Farbe bekommen. Der bekannte Maler Volker Pohlenz, der im Ortsteil der Gemeinde Doberschütz sein Atelier hat, erweckte „Elias und die Baalspriester“ von Lucas Cranach dem Jüngeren zu neuem Leben. In Öl, auf einer schweren, 1,25 mal 2,40 Meter großen Sperrholzplatte ist die Kopie dem Original zum Verwechseln ähnlich. Nur die Farbe ist deutlich kräftiger.

Warum Pohlenz den Dresdnern böse ist

Vor vier Jahren hatte Pohlenz im Auftrag der Kreisverwaltung mit seinem Bild „Einweihung der Schlosskirche durch Luther am 5. Oktober 1544“ schon für Furore gesorgt, auf dem eine Mini-Version des „Elias“ zu sehen ist. Das 2 mal 3,05 Meter große Ölgemälde, das jetzt im Heinrich-Schütz-Saal auf Schloss Hartenfels hängt, zeigt den Reformator bei der Weihe des ersten Kirchenneubaus der Reformation vor 71 authentischen Figuren der damaligen Zeit. Bei der Predigt richtet er den Blick auf das Cranach-Gemälde und es sieht so aus, als ob er die Darstellung darauf in seine Worte einbinden würde. Seit seinen Recherchen zum Einweihungsbild mit Luther hat den Wöllnauer, wie er dieser Tage sagt, ein Gedanke nicht losgelassen: Anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums im nächsten Jahr sollte auch das Elias-Bild in die Torgauer Residenz wieder Einzug halten, wo es wohl bis Mitte des 16. Jahrhunderts hing und nach dem verlorenen Krieg in Dresden landete. „Den Dresdnern bin ich immer noch böse“, so Pohlenz, „denn als Hauptstadt für Kursachsen war Torgau bis dahin ebenfalls im Gespräch“, weiß der regionalhistorisch ebenfalls sehr bewanderte Künstler. Denn ehe er solche Themen mit Farbe umsetzt, hat er zuvor ausgiebig Archive und Literatur gewälzt. Erst danach führt er den Pinselstrich in der Manier der alten Meister. Die Kunstfertigkeit des 60-Jährigen, der sein Handwerk bekanntlich in der Künstlerschmiede der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst lernte und unter anderem am berühmten Tübkeschen Bauernkriegs-Panorama in Bad Frankenhausen mitwirkte, verblüfft immer wieder. Und so steht der Betrachter vor diesem verwirrenden Wettstreit des Propheten Elias mit den Baalspriestern, die König Ahab beweisen wollen, ihr Gott sei der einzig wahre. Und der Blick schwenkt zur Fotokopie des Cranach-Bildes aus dem Torgauer Museum. Das Original befindet sich in den Beständen der Dresdner Gemäldegalerie. Was mehr beeindruckt – das betagt-berühmte, farblich über die Jahrhunderte veränderte Vorbild oder die traufrische Reproduktion – wer mag das entscheiden?

Gewaltige Stichflamme

Zu sehen war das Original auf Schloss Hartenfels anlässlich der 2. Sächsischen Landesausstellung unter dem Titel „Glaube und Macht“ 2004 in Torgau. Auf der Darstellung aus dem alten Testament opfern Prophet und Baalspriester jeweils einen Stier, schichten Reisig auf Altären auf und rufen ihren Gott an, es zu entzünden. Erhört wird der Ruf des Elias und eine gewaltige Stichflamme symbolisiert die Entscheidung für den „wahren Gott“. Die eben noch vom Volk verehrten Baalspriester werden, wie im hinteren Teil des Bildes zu erkennen ist, von diesem gerichtet. Bezüge zur Lutherzeit, in der es viele verschieden reformatorische Bestrebungen gab, sind erkennbar und lassen sich bis zum heutigen Tag nachverfolgen.

Fünf Monate freiwillige Arbeit

Dass eines Tages das Cranach-Original an seinen angestammten Platz zurückkehrt, sei schon aus sicherheitstechnischen oder raumklimatischen Gründen nicht vorstellbar, so Pohlenz. Gemäß den Vorzeichen des Reformationsjubiläums traf er deshalb zunächst auf eigene Kosten und aus eigener Kraft die Entscheidung, das Gemälde für die nordsächsische Kreisstadt neu zu erschaffen. „Zusammengefasst und ohne Pause straffe fünf Monate Arbeit“, berichtet der Meister, der damit die Winterpause überbrückte und nun „mal sehen“ will, wer auch finanziell die Komplettierung der historischen Schlosskirche unterstützen kann. Denn Cranach und jetzt auch Pohlenz hinterließen und -lassen dort ein Stück ihrer Seele.

Von Karin Rieck

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