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Wohnraum für Flüchtlinge wird in Nordsachsen knapp

Asyl-Debatte Wohnraum für Flüchtlinge wird in Nordsachsen knapp

Mehr als 2400 Flüchtlinge werden in diesem Jahr nach Nordsachsen kommen, so die Prognose. Damit gehen Chancen, aber auch Probleme einher: Ehrenamtliche schlagen Alarm, dass die Wohnungssuche für anerkannte Flüchtlinge schwieriger wird.

Blick in die Unterkunft in Spröda. Wer diese als anerkannter Flüchtling verlässt, muss bald eine ordentliche Wohnung finden.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

DELITZSCH. Mehr als 2400 Flüchtlinge werden dieses Jahr voraussichtlich in Nordsachsen aufgenommen. Damit geht auch einher, dass anerkannte Flüchtlinge – nicht nur Familien, sondern viele alleinreisende Männer – Wohnraum brauchen. Alarm schlagen da ehrenamtliche Flüchtlingshelfer, aber auch Sozialarbeiter. Das sei schon bald nicht mehr zu machen.

Wohngemeinschaften sind unüblich

603 Wohnungen sind derzeit vom Landkreis angemietet, 497 davon mit Asylsuchenden belegt und der Rest in Vorbereitung, teilt das Landratsamt mit. In der Loberstadt sind es derzeit 71 Wohnungen. Flüchtlinge, deren Status auf Asyl anerkannt wird, sollen sozial verträglichen Wohnraum bekommen. Im Kern der Sache wird ein Flüchtling, wenn der Status anerkannt wird, an das jeweilige Jobcenter verwiesen. Die bisherige Unterkunft muss innerhalb von drei Monaten aufgegeben werden und stattdessen selbstständig eine Wohnung gesucht werden.

So weit die Theorie. Nur warnen ehrenamtliche Unterstützer, die anerkannte Flüchtlinge und vor allem alleinreisende Männer bei der Wohnungssuche begleiten, dass die Suche nach Wohnraum an Grenzen kommt. Viele private Vermieter würden generell nicht an Ausländer vermieten, so eine Helferin. Wohngemeinschaften aber sind in der Region – unabhängig von der Herkunft der Mieter – nicht üblich. Kommunale Vermieter hätten oft keinen passenden Wohnraum.

„Es ist tatsächlich so, dass wir uns mit Wohngemeinschaften etwas schwertun“, so André Planer, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft der Stadt Delitzsch (WGD). Das hängt mit mietrechtlichen Problemen oder Haftungsthemen zusammen und hat nichts mit der Herkunft zu tun. Schwierig wird es meist, wenn einzelne Bewohner der Wohngemeinschaft ausziehen und ein Nachmieter zu suchen ist. Problematisch stellt sich auch die Zuordnung von Betriebskosten dar. Auch sind die WGD-Wohnungen in der Regel nicht mit Einbauküchen ausgestattet – für eine Wohngemeinschaft ist das aber nötig.

Probleme bei Zahlungsmoral

Neben diesen Beispielen habe die WGD bei der Vermietung an Ausländer aus dem südlichen Europa, Arabien und Nordafrika auch schon häufiger Probleme gehabt. Die Zahlungsmoral sei „nicht immer vorbildlich“, die Einhaltung von Hausordnung und Kündigungsfristen sowie die Verpflichtung zu einer ordnungsgemäßen Rückgabe der Wohnung sind oft nicht bekannt oder werden ignoriert. „Es kommt leider vor, dass die Mieter einfach verschwinden und wir lange Zeit und häufig auch viel Geld benötigen, um wieder an unsere Wohnung zu kommen. Natürlich haben wir diese Probleme auch bei Deutschen, aber die finden wir meistens wieder“, schildert der WGD-Chef.

Inzwischen beobachten ehrenamtliche Helfer sogar, wie sich ein „Graumarkt“ entwickelt – für Hunderte Euro werden Wohnungen untereinander von den Flüchtlingen gehandelt. Verschärfen werde sich die Lage, wenn das Ankunftszentrum in Leipzig seine Arbeit aufnimmt. Dort sollen dann 130 Mitarbeiter den Status von Asylsuchenden prüfen – von denen ein Teil dann wiederum Wohnraum brauchen wird.

Von Christine Jacob

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