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Delitzsch Yoga-Pionierin gibt Kurse in Delitzsch
Region Delitzsch Yoga-Pionierin gibt Kurse in Delitzsch
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14:00 13.10.2018
Kein Problem: Den Pflug führt Inge Schönfelder exakt vor. Quelle: Heike Liesaus
Delitzsch

Mit 76 Jahren bei der Rumpfbeuge die Hände flach auf den Boden zu legen, das muss frau erstmal schaffen. Für Inge Schönfelder ist’s eine Selbstverständlichkeit. Sie gibt einen großen Teil der Yoga-Kurse an der Volkshochschule Delitzsch. Und das schon seit Jahrzehnten. Aber die Leipzigerin ist zudem eine Pionierin dieser Übungen, denn sie praktizierte sie schon zu DDR-Zeiten. Sie ist gelernte Physiotherapeutin, wobei der Beruf damals noch Krankengymnastin hieß. „Eine Kollegin hatte mir erzählt, dass sie in ihrer Praxis, in der ich vorher auch gearbeitet hatte, jetzt Yoga macht.“ Schönfelder war sofort fasziniert: „Das ist etwas, was man ohne Leistungsdruck und nur für sich üben kann.“ Als Anleitung diente ein Buch aus dem „Westen“. Die damals 33-Jährige schrieb erstmal alles, was sie konnte, daraus ab. Aber dann beschaffte sie sich über Rentner, die in die Bundesrepublik reisen durften, das Original und weitere Bücher. Sie beriet sich mit Fachleuten, nahm auch Kontakt zum Ethnologen Heinz Kucharski, der 1979 in Leipzig den „Arbeitskreis für Yoga und altindische Medizin“ gründete. „Er hatte jährliche Tagungen mit Ungarn und Indern organisiert.“ Dort war Gelegenheit, sich die Übungen zeigen zu lassen. Schließlich reisten Kucharski und Schönfelder zu gemeinsamen Veranstaltungen in verschiedene Städte. „Er hielt den Vortrag. Ich zeigte die Übungen“, erinnert sich die Leipzigerin. Schließlich gab es die Broschüre „Yoga-Praxis“, die im VEB Verlag Volk und Gesundheit erschien, illustriert mit Bildern, auf denen sie und einer ihrer Schüler die Übungen zeigten.

Inge Schönfelder, die Kurse an der Delitzsche Volkshochschule gibt, gehört zu den Yoga-Pionieren. Quelle: privat

Yoga im Centrum-Warenhaus

Yoga-Kurse hat sie auch in der Betriebs-Sanitätsstelle im damaligen Leipziger Centrum Warenhaus für die Mitarbeiter angeboten, wo es eine richtige kleine Physiotherapie-Praxis gab. Und sie organisierte sie auch privat. Und es war keineswegs üblich, eine Turnhalle außerhalb der Organisationen zu nutzen und auch noch Geld damit zu verdienen. „Wo gab’s denn sowas?“, erzählt sie lachend. Aber zum einen sollte Arbeit schon bezahlt werden, argumentierte sie schon damals, zum anderen war auch die Literatur aus dem Westen teuer und für sie im inoffiziellen Umtauschsatz 1 D-Mark zu 4 DDR-Mark zu berappen. Schließlich wurden dann die Kurse einfach unterm Dach des DTSB (Deutscher Turn und Sportbund) angeboten und sie wurde einfach als Übungsleiterin engagiert. Aber der Begriff Yoga mit all seinem lebensphilosophischem Überbau war zu DDR-Zeiten belastet. Es wurde also ein Deckname gebraucht. „Wir haben es dann einfach Entspannungs-Gymnastik genannt. Das war genau richtig.“

Training für die Kerze

Auch wenn Yoga in den verschiedenen Varianten heute alltäglich geworden ist – aller Anfang ist schwer. Die Mittsiebzigerin staunt schon, dass sie manchmal in Basiskursen erst langsam daraufhin arbeiten muss, bis die Kerzenhaltung geübt werden kann. Aber an der Volkshochschule Delitzsch gibt es Kurse, die laufen mit Stamm-Teilnehmern seit 20 Jahren.

Gerade macht sich Inge Schönfelder für eine neue Stunde bereit. Die Socken mit den Antirutschsohlen werden angezogen. Die Füße sollten immer schon warm bleiben bei den Übungen. Immer mittwochs läuft der Aufbaukurs. Nach und nach kommen die Teilnehmer an. Beate Gunatowski zum Beispiel: „Es schult Fitness, Beweglichkeit, Ausdauer. Auch die Ruhepausen, die dazwischen sind, tun gut“, erklärt die 49-Jährige. Sogar ein neues Paar kommt gerade dazu. Die Kurse seien immer gut gefragt, auch in Leipzig, stellt Inge Schönfelder fest und verspricht: „Ich habe mir vorgenommen, das bis 80 zu machen.“

Infos online auf www.vhs-nordsachsen.de

Von Heike Liesaus

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