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ZDF-Journalist Christhard Läpple ist Gast beim Delitzscher Kamingespräch

ZDF-Journalist Christhard Läpple ist Gast beim Delitzscher Kamingespräch

Morgen ab 19 Uhr ist beim Kamingespräch im Delitzscher Schloss der ZDF-Journalist und Autor Christhard Läpple zu Gast. Im Mittelpunkt der von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und der Stadt Delitzsch ins Leben gerufenen Veranstaltung steht diesmal Läpples Buch „Verrat verjährt nicht – Lebensgeschichten aus einem einst geteilten Land“.

Delitzsch. Darin erzählt der Autor von Tätern und Opfern der DDR-Staatssicherheit. Frage: Was steckt vor allem hinter dem ersten Teil des Titels Ihres Buches? Christhard Läpple: „Verrat verjährt natürlich, juristisch gesehen. Schwerer Landesverrat übrigens nach 20 Jahren. Am 2. Oktober 2010 ist in Deutschland mit der Strafverfolgung von Agenten definitiv Schluss. Was ich aber meine, ist etwas anderes. Verrat ist die Kehrseite von Vertrauen. In den unzähligen Gesprächen habe ich festgestellt, dass enttäuschtes und hintergangenes Vertrauen, also Verrat, einen Menschen ein Leben lang nicht loslassen kann. Daher kommt auch die Heftigkeit, mit der uns dieses Thema bis heute beschäftigt. In diesem Sinne stimmt es: Verrat verjährt nicht. Spielte Ihre Arbeit als ZDF-Korrespondent in den Jahren 1989/90 in der DDR eine Rolle, dass Sie sich dem Thema widmeten? Sicher. Aber nicht nur diese unglaubliche journalistische Erfahrung der Wendezeit hat mein Interesse geweckt. Meine Frau stammt aus Köpenick, das lag damals in Ost-Berlin. Ich war aus dem Westteil, dazwischen eine Mauer. Als Anfang der 1980er-Jahre die Ausreise gelang, war das Mielke-Ministerium stets dabei. Auf Schritt und Tritt. Ich habe die DDR der 80er-Jahre noch sehr lebhaft in Erinnerung. In einer Veröffentlichung wird gesagt, dass Sie der Meinung sind, die Arbeit der Stasi müsste nicht nur politisch beleuchtet werden. Was meinen Sie damit? Ich meine, dass die Stasi-Unterlagen-Behörde bei aller Kritik sehr erfolgreich war. Es war ein weltweit einmaliges Experiment. Die Akten eines Geheimdienstes wurden offen gelegt – eine der Grundforderungen der Menschen der DDR vom Herbst 1989. Im Westen hielt man an offizieller Stelle nicht sehr viel von einem freien Aktenzugang. Was aber fehlt, ist eine zweite Öffnung. Damit meine ich, dass sich die Menschen ihre Geschichte erzählen, in den Familien, am Arbeitsplatz, in Verbänden. Ohne Besserwisserei, ohne Hysterie und erhobenen Zeigefinger. Das vermisse ich. Sind die Stasi-Offiziere ungeschoren davon gekommen, während die inoffiziellen Mitarbeiter immer wieder im Fokus stehen? Dieser Eindruck hat sich auch bei meinen jahrelangen Recherchen eher bestätigt. Da ist etwas schief gelaufen. In einer meiner Geschichten ist einer der Vernehmungsoffiziere bis in die Vorstandsetage eines Unternehmens aufgestiegen. Als seine Stasi-Vergangenheit bekannt wurde, erklärte die Personalchefin, man hätte einen loyalen, disziplinierten Mitarbeiter gesucht. Wie reagiert das Publikum bei Lesungen oder in Diskussionsrunden auf das Thema. Gibt es Unterschiede zwischen Ost und West? Es gibt Unterschiede. Das Publikum mit DDR-Erfahrung reagiert in der Regel viel emotionaler und neugieriger. Es besteht, so mein Eindruck, trotz aller Schlagzeilen, Talkshows und Bücher nach wie vor großer Gesprächsbedarf. Eine schöne Anekdote am Rande. Eine Buchhändlerin aus Magdeburg erzählte mir hinter vorgehaltener Hand, mein Buch würde sich viel besser verkaufen, wenn ich nicht aus dem Westen käme. Gab es nach Erscheinen des Buches Reaktionen von ehemaligen MfS-Mitarbeitern und Opfern? Es gab sehr viele Reaktionen. Stasi-Opfer haben mir teilweise ausführlich von ihren erschütternden Schicksalen berichtet. Ehemalige Stasi-Mitarbeiter haben eher geschwiegen. Es gibt interessanterweise einen Punkt, den ehemalige Täter und Opfer ähnlich wahrnehmen. Sie sagen, wie die DDR in den letzten Jahren dargestellt wurde, so war es nicht. Es war anders. Um diese Genauigkeit muss man sich in Zukunft kümmern. Damit ein wirklichkeitsnahes Bild entsteht. Wird die Stasi in nächster Zeit noch einmal Gegenstand eines Ihrer Beiträge sein? Nur wenn es sich nicht vermeiden lässt. Das Leben ist viel zu schön, um es ausschließlich mit den dunklen Mächten von früher zu verbringen. Woran arbeiten Sie gegenwärtig? Ich arbeite an vielfältigen Projekten im Rahmen meiner Arbeit für das ZDF. Spannend finde ich unter anderem die Frage, wie wir seit 1990 in Deutschland zusammengekommen sind. Was hat funktioniert, was nicht? Welche Chancen haben wir genutzt, welche nicht? Wie beurteilen Sie den Zustand der deutschen Einheit 20 Jahre danach? Wir sind uns viel ähnlicher als wir denken. Die Jungen werden Stück für Stück aus der früher geteilten Welt herauswachsen. Viele Ältere werden in Deutschland aber wohl weiter mit zwei Wahrheiten leben. Interview: Lutz Schmidt

Lutz Schmidt

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