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Zahl der Blaulicht- Einsätze in Nordsachsen steigt

Leitstellen-Statistik Zahl der Blaulicht- Einsätze in Nordsachsen steigt

Die Zahl der Einsätze, die die Leitstelle für Nordsachsen disponiert, ist gestiegen. Waren 2005 noch 40 000 Einsätze zu koordinieren, waren es im vergangenen Jahr schon mehr als 50 000. Aber nicht die Feuerwehr-Einsätze machen den Großteil der Arbeit aus – es sind andere Blaulichter, die die Mitarbeiter der Leitstelle besonders fordern.

Von 1996 stammt die Technik in der Leitstelle, damals war sie eine der modernsten.

Quelle: Christine Jacob

Delitzsch. Sie schieben Früh-, Spät- und Nachtschicht. Sie fangen um 5.30, 13.30 oder 21.30 Uhr an. Ohne sie gibt es keine Rettung. Die Disponenten der Leitstelle haben keinen leichten Job. Ihre Arbeitsbelastung ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. „Wir gehen von einer Steigerung der Einsatzzahlen von sechs Prozent aus“, sagt Kornelia Bruchner, Sachgebietsleiterin Rettungsdienst im Landratsamt. So seien allein im vergangenen Jahr 54 000 Einsätze nur im Krankentransport und Rettungsdienst, wo die Belastung ebenfalls steigt, von der Leitstelle in Delitzsch aus disponiert worden. Zehn Jahre zuvor waren es „nur“ rund 40 000 Einsätze. 2010 bereits 48 000. Die Zahl der Disponenten ist gleich geblieben: Zwölf Mitarbeiter und ein Leiter tun ihren Dienst in der Leitstelle. Heißt: jeder Disponent hat rund 4500 Einsätze jährlich zu bearbeiten, vor zehn Jahren waren es „nur“ rund 3000. In jeder Schicht sind sie jeweils nur zu zweit – zwischen 7 und 15 Uhr ist noch eine zusätzliche Kraft da, um vor allem Krankentransporte zu koordinieren. Kommt es zu sogenannten Großschadensereignissen werden auch mal auf einmal fünf Leute gleichzeitig und damit an allen Disponentenplätzen eingesetzt – also etwa bei Großbränden wie dem bei den Kreiswerken im Frühjahr 2010, Massenkarambolagen oder Unwettern, die den ganzen Landkreis betreffen. Ob bei großen Katastrophen oder im normalen Alltagsgeschäft: Es gibt keine Automatismen. Auch jede Brandmeldeanlage von einem Betrieb oder öffentlichen Gebäude, die Alarm schlägt, muss von den Disponenten bearbeitet werden, bevor tatsächlich die Feuerwehr alarmiert ist.

Demografischer Wandel sorgt für Einsatzplus

Dass die Zahl der Einsätze gestiegen ist, habe unter anderem mit dem demografischen Wandel zu tun, betont Frank Breitfeld, Leiter des Eigenbetrieb Rettungsdienst. Nur rund ein Prozent der jährlichen Einsätze sind Brandeinsätze, zwei Prozent Hilfeleistungen – der Rest und damit die rund 54 000 Einsätze entfällt auf Krankentransport und Rettungsdienst, bis Ende März wurden in Delitzsch auch die Vermittlungen kassenärztlicher Hausärzte noch übernommen. Eine immer älter werdende Gesellschaft braucht eben häufiger ärztliche Hilfe, häufiger den Rettungsdienst. Und der wird genau wie die Feuerwehren des gesamten Landkreises vom Delitzscher Schäfergraben aus zu seinen Einsätzen in Eilenburg, Oschatz, Taucha, Laußig, Kyhna,, Priester oder Mannschatz geschickt. Zudem hat sich das Anspruchsverhalten geändert. Genauso wie Notaufnahmen von Krankenhäuser daran zu ackern haben, dass immer häufiger Menschen mit Fällen, die eigentlich keine Notfälle sind zu ihnen kommen, so muss auch die Leitstelle an Dingen arbeiten, die eigentlich Sache eines Hausarztes sind. Kurzum: Ein eingewachsener Fußnagel ist kein Grund sich selbst in die Notaufnahme einzuliefern. Und manchmal sei der Anruf bei der Leitstelle auch die „Nummer gegen Kummer“, weiß deren Leiter Klaus Bechstedt. Weiß der Bürger nicht so recht, wohin er sich wenden soll, ruft er eben mal dort an und hofft, dass ihm geholfen werden kann – dann muss auch mal vermittelt werden, was mit einem toten Tier auf der Straße passiert.

Nachdem sich der Umzug der Leitstelle von Delitzsch in die Integrierte Rettungsleitstelle (IRLS) in Leipzig mehrfach verschoben hatte und auch der Termin Ende März nicht gehalten werden konnte, soll es nun im zweiten Halbjahr 2016 so weit sein. Noch würden intensive Schulungen der Disponenten laufen, so Frank Breitfeld. Dann endet das Kapitel Leitstelle in Delitzsch und werden Nordsachsens Einsätze aus der Messestadt heraus koordiniert. Weniger Arbeit werden die Disponenten in Leipzig nicht haben.

 

So ruft man bei der Leitstelle an

Die Leitstelle bearbeitet sämtliche Hilferufe, die Feuerwehr oder Rettungsdienst betreffen. Für Bürger gilt die Notrufnummer 112 bei akuten Notfällen beziehungsweise die 116117 des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes, diese ist zu wählen wenn ein Arzt gebraucht wird, aber kein akuter Notfall vorliegt. Diese einheitlichen Kontakte gelten auch nach dem Umzug der Leitstelle von Delitzsch nach Leipzig weiter. Bis auf Weiteres noch gültig sind die direkte Nummer der Rettungsleitstelle 034202 65260 und der Ruf für Krankentransporte 034202 19222.

– Wo ist es passiert? Der Anrufer sollte möglichst konkret den Straßennamen und Hausnummer, den Ort oder den Ortsteil nennen.

– Was ist passiert? Der Disponent sollte eine kurze und konkrete Beschreibung des Notfalls erhalten.

– Wer ruft an? Der Anrufer sollte Vor- und Familiennamen und seine Telefonnummer für Rückfragen nennen.

– Wie viele Menschen sind in Gefahr? Auch wie viele Personen direkt betroffen sind, muss die Leitstelle wissen – zum Beispiel bei einem Autounfall, wie viele Insassen sich in den Fahrzeugen befunden haben oder noch befinden.

– Ganz wichtig: Der Disponent beendet das Gespräch! Den Anruf bei der Leitstelle sollte man nicht selbst beenden, ohne eventuelle Rückfragen der Mitarbeiter der Leitstelle zu beantworten. Falls man vergessen haben sollte, vollständige Angaben zu machen, wird man als Anrufer gezielt danach gefragt. Erst wenn alle Informationen vorhanden sind, wird die Leitstelle das Gespräch beenden. Kurz darauf werden die erforderlichen Einsatzkräfte losgeschickt.

Von Christine Jacob

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