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Delitzsch Zahlreiche Besucher nutzen Tag der offenen Tür im Klärwerk Delitzsch
Region Delitzsch Zahlreiche Besucher nutzen Tag der offenen Tür im Klärwerk Delitzsch
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18:22 12.09.2010
Werksleiter Ingo Klaus erklärt den Gästen die Anlage. Quelle: Christine Gräfe
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Delitzsch

Die kleinen Plastikstäbchen überstehen nicht selten die drei Reinigungsstufen: Sie legen sich im Rechenwerk quer, schwimmen obenauf, lösen sich nicht auf und müssen per Hand entfernt werden.

„In der Toilette heruntergespülte Hygieneartikel sind unser größtes Ärgernis“, sagt Klaus. Und so sind es auch die Errungenschaften der modernen Zivilisation, die ein Klärwerk trotz modernster Technik einfach nicht meistern kann: Im gereinigten Abwasser bleibt immer auch ein Teil Medikamentencocktail zurück. Verweiblichung bei Fischen sei aufgrund der Unmengen an Pillenhormonen ein zunehmendes Problem, erzählt Klaus.

Rund 6000 Kubikmeter Abwasser fallen in Delitzsch Tag für Tag allein bei Trockenwetter an. Kohlenstoffverbindungen, Phosphor und Stickstoff müssen raus, um wieder reines Wasser zu bekommen. „15 000 Euro Stromkosten fallen für die Klärung monatlich an“, berichtet der Werksleiter.

„Ich hatte erwartet, dass es hier richtig unangenehm riecht“, gesteht Monika Bachmann, „aber hier ist ja keine Spur von Gestank.“ Mit ihrem Mann Wolfgang, der selbst als „Mann vom Fach“ einen Sanitärbetrieb leitet, ist die Krostitzerin nach Delitzsch gekommen, um zu sehen, was nach dem Betätigen der Toilettenspülung passiert. „Aus den Augen, aus dem Sinn, das gilt nicht“, scherzt Wolfgang Bachmann.

20 Mitarbeiter des Abwasserzweckverbandes kümmern sich darum, dass aus verunreinigtem Nass wieder sauberes Wasser wird. Rund um die Uhr müssen sie aber nicht Dienst schieben: Die mechanisch-biologische Kläranlage arbeitet vollautomatisch. Los geht es mit der Reinigung im Rechenwerk, das die Grobstoffe entfernt. Essensreste, Windeln, Tampons und so manches in der Toilette versenkte Spielzeug wird dort aus dem Wasser gefischt. „Und auch Ratten, aber schon ohne Pelz“, zählt der Leiter der Anlage auf. In der biologischen Reinigungsstufe werden Stickstoff- und Phosphorverbindungen gelöst. In der Nachklärung schließlich werden der so genannte Belebtschlamm, der das Wasser mit Bakterien reinigt, und Abwasser voneinander getrennt. „Der Schlamm ist wie der süße Brei, der wird immer mehr“, sagt Ingo Klaus, der als Ingenieur für Wasserwirtschaft seit dem Start der Anlage vor

16 Jahren dabei ist und das Klärwerk wie seine Westentasche kennt.

200 Kubikmeter „süßer Brei“ täglich müssen entnommen werden und zur Aufbereitung oder zur Verbrennung nach Lippendorf gebracht werden.

Schließlich braucht das Abwasser kaum mehr als einen Tag, bis es als gereinigt wieder in den Kreislauf geleitet werden kann. Doch wenngleich auf Raumstationen mittlerweile binnen Stunden gar aus Urin wieder Trinkwasser wird – der Abwassertechnik sind, sofern sie bezahlbar bleiben soll, Grenzen gesetzt: „Bis aus Abwasser wieder Trinkwasser wird, vergehen noch einmal Jahre“, so Klaus.

Christine Gräfe

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