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Delitzsch Zeitzeugen des Wendeherbstes - Museum hütet einen textilen Schatz
Region Delitzsch Zeitzeugen des Wendeherbstes - Museum hütet einen textilen Schatz
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14:23 19.05.2015
Museumsleiter Jürgen Geisler ist froh, greifbare Erinnerungen an die Delitzscher Montagsdemos zu haben. Quelle: Wolfgang Sens

Sie zählen zu den wenigen greifbaren Zeugnissen der Wende-Bewegung in Delitzsch. Und sind nur durch einen glücklichen Umstand ins Museum gelangt.

Als Jürgen Geisler und Manfred Wilde, damals beide wissenschaftliche Mitarbeiter im Museum, die Transparente holten, hatte sich der politische Wind in Delitzsch bereits deutlich gedreht. Am 16. Oktober 1989 hatte es in der Loberstadt die erste Montagsandacht gegeben, nachdem der Gemeindekirchenrat beschloss, die Stadtkirche dafür zu öffnen. "Am 9. November trafen sich in den Räumen der evangelischen Gemeinde erstmals Vertreter der neuen Oppositionsparteien Demokratischer Aufbruch, Neues Forum und SDP", erinnert Wilde, heute Oberbürgermeister. Auch die Montagsdemonstrationen in Delitzsch begannen in diesen Tagen.

Es war eine Demo am 20. November, von der die Transparente bis heute erhalten sind. Der Weg des Protests führte von der Stadtkirche durch die Innenstadt, vorbei an der Staatssicherheit am Wallgraben, an der Volkspolizei in der Dübener Straße, an der SED-Kreisleitung gegenüber vom Unteren Bahnhof. Und schließlich zum Rathaus, wo die Forderungen zusammen mit Kerzen auf den Eingangsstufen niedergelegt wurden. "Der Hausmeister dort erhielt von der Obrigkeit den Auftrag, die Banner im zentralen Heizungsofen zu verbrennen. Doch er war ein heller Kopf und gab dem Museum einen Tipp", schildert Jürgen Geisler. "Per Handwagen, mit einer Decke darüber, haben wir die Transparente abgeholt und erst mal verwahrt." Inventarisiert wurden die Zeitzeugen erst 1991. Karteikarten geben Auskunft über Material und Maße, Aufschrift und Erhaltungszustand. Zusammengelegt, trocken und temperaturkonstant lagern sie nun in Kartons.

Abgesehen von Protokollen des Runden Tisches, der am 19. Dezember 1989 erstmals tagte, sind materielle Wendeherbst-Zeitzeugen im Museum rar. Umso höher der archivarische Wert der Laken, Decken und vereinzelten Schilder. Gefordert wurden auf jener November-Demo unter anderem freie Wahlen, das Ende des SED-Regimes, die Verurteilung von Funktionären, auch schon die Wiedervereinigung. Und ebenso die Umnutzung des Militärgeländes nördlich von Delitzsch als Naturschutzgebiet.

"Wir können froh sein, dass wir diese Dokumente haben", sagt Christel Moltrecht, damals Museumschefin. "Schon 1990/91 war ich mit all diesen Transparenten in der neuen Partnerstadt Monheim am Rhein, habe einen Vortrag zur Delitzscher Stadtgeschichte gehalten." 2009 wurde die Sammlung anlässlich des 20-jährigen Wendeherbst-Jubiläums in einer Museumsschau gezeigt, vor wenigen Wochen war ein Teil davon in der Stadtkirche zu sehen.

Und damit wohl nicht genug: "Textilgewebe ist recht robust", sagt Geisler. "Wenigstens 100 Jahre wird es halten."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..
Von Kay Würker

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