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Zu schön zum Wedeln - Delitzscher Barockschloss zeigt kostbare Fächer

Zu schön zum Wedeln - Delitzscher Barockschloss zeigt kostbare Fächer

Fächer aus der Zeit des 18. bis 20. Jahrhunderts sind seit gestern in der neuen Sonderausstellung "Ganz à la Mode" im Museum Barockschloss Delitzsch zu bewundern.

Delitzsch. Die Exponate stammen aus der Sammlung von Ulrich Hoffmann aus Köln. Der pensionierte Lehrer, der am Rhein 25 Jahre ein deutsch-französisches Gymnasium geleitet hat, sammelt seit 20 Jahren Fächer und hat teils sehr wertvolle Stücke zusammengetragen. "Mit viel Liebe, Tücke und Geduld", wie er sagt, denn er sei kein Millionär: "Es geht auch mit kleinem Geld."

Meist mit höchster Präzision und kunsthandwerklichem Geschick aus schimmernden Perlmutt, Elfenbein, kostbarer Seide und Spitze gefertigt, galten Fächer lange Zeit als Hoheitssymbol und Luxusobjekt. Bis zum frühen 20. Jahrhundert waren sie nahezu unverzichtbare modische Schmuckelemente der Damenwelt und wurden so auch zum Symbol der Weiblichkeit.

Bei einem Arbeitskontakt mit einer Kollegin in Wernigerode ist Museumsleiter Jürgen Geisler auf die Schmuckstücke des Kölner Sammlers aufmerksam geworden, als dieser 2013 dort ausstellte. In der Beziehungen Damenfächer und Damenschloss, was der Herzoginwitwensitz am Lober einmal war, reifte die Idee, Schlossgeschichte auf diese Weise darzustellen.

Bis zum 17. Mai zeigt Ulrich Hoffmann 90 seiner insgesamt 2116 Fächer sowie 140 das Thema ergänzende Exponate. Zum Schlossfest am 17. Mai wird der Sammler dann um 14 Uhr zur Finissage persönlich durch die Ausstellung führen.

Ulrich Hoffmann und seine Lebensgefährtin Christiane Schulz, eine gelernte Schaufensterdekorateurin, haben versucht, die Ausstellung chronologisch aufzubauen. Beim Rundgang durch die Exposition werden dem Besucher zur Einstimmung typische und wertvolle Fächer aus der Zeit des Barocks gezeigt. Die eigentliche Ausstellung beginnt an der Fensterwand, wo in einer Säulenvitrine die Entwicklung der Fächermode von der Zeit unmittelbar nach der Französischen Revolution präsentiert wird. "Fächer für arme Leute, die heute sehr selten sind, weil es nur noch wenige davon gibt", erklärt Ulrich Hoffmann und verweist im Vergleich auf die Fächer aus der Biedermeierzeit in Deutschland, für die Kinder- und Familienmotive typisch waren. Mit der Erfindung des Lackpapiers um 1850 kamen in ganz Europa Fächer aus Glanzpapier mit Aussparungen für Lithographien auf Gestellen aus Knochen in Mode. "Etwas später um 1860 waren Fächer beliebt, die nach der schwedischen Sängerin Jenny Lind benannt wurden, und die aus Papier, Krepp oder Textilien die Federform simulierten", erzählt der Aussteller. Herzstück seiner Ausstellung seien aber die Bürgerfächer. Deshalb widmet er eine Vitrine auch der Industrialisierung. "Neue industrielle Techniken wie die maschinelle Holzbearbeitung und der Seitendruck ermöglichten es ab 1870, Fächer herzustellen, die genauso schön waren wie in Handarbeit gefertigte. Ihre Produktion war aber viel preiswerter. So konnte sich auch das Bürgertum schöne Modelle leisten." Ab 1880 kamen große Fächer auf den Markt. Sie spiegelten das Wachstum des Bürgertums wider, dass nun "Adel spielte", wie Hoffmann zu berichten weiß. Zunehmend wurden in dieser Zeit Fächer auch im Freien getragen, was ein Exemplar von 1896 belegt, das für ein Berliner Stadtteilfest produziert worden ist.

Die Ausstellung richtet das Augenmerk aber auch in vier Vitrinen auf die Exportfächer aus China, die im gesamten 19. Jahrhundert in Europa und Amerika eine bedeutende Rolle spielten. Bis zum 17. Mai ist die Ausstellung dienstags bis sonntags, jeweils von 10 bis 17 Uhr, im Schloss zu besichtigen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.03.2015
Thomas Steingen

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