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Zu teuer, sinnlos, fragwürdig - zehn Delitzscher Geldfresser

LVZ-Hitliste Zu teuer, sinnlos, fragwürdig - zehn Delitzscher Geldfresser

Knapp 170 Auto-Parkplätze und eine Straße samt Kreisverkehr hin zu einem See, der nicht mal zum Baden freigegeben ist? Oder knapp 700 000 Euro Baukosten für ein Haus, das nur winzige Wohnungen bietet? Beispiele fragwürdig eingesetzter Gelder gibt es in und um Delitzsch genug.

Eine Straße, die richtig ins Geld geht: 1,5 Millionen wurden am Werbeliner See versenkt.

Quelle: Wolfgang Sens

DELITZSCH. Das politische Delitzsch ist wieder emsig am Rechnen. Am Donnerstagabend sprach der Stadtrat über den Doppelhaushalt 2017/18, in den nächsten Wochen soll der Etat verbindlich werden. In der jüngeren Vergangenheit allerdings scheint manche Rechnung nicht aufgegangen oder zumindest fragwürdig. Und mancher Posten entwickelte sich zum unberechenbaren Monetenfresser, nicht nur fürs Stadtsäckel. Die LVZ hat sich in Delitzsch und angrenzenden Gefilden umgesehen und die Top Ten fragwürdiger Ausgaben gekürt.

Ehrenberghaus ist teures Gedenken

Platz eins: das Ehrenberghaus in der Halleschen Straße.Der Wiederaufbau des Geburtshauses des Delitzscher Naturforschers Christian Gottfried Ehrenberg nach historischem Vorbild kostete rund 5400 Euro pro Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche. Zum Vergleich: Zum Bauzeitpunkt lagen die Neubaukosten für Mehrfamilienhäuser pro Quadratmeter bei etwa 2000 Euro. Die Stadt hatte die kommunale Wohnungsgesellschaft mit dem Bau beauftragt. Fünf Wohnungen sind in dem Objekt entstanden. Eine ist noch immer frei.

Straße der Ornithologen bleibt umstritten

Platz zwei: die Straße „Zum Seeblick“ am Werbeliner See. Früher hieß sie Grubenstraße und führte ins Nichts. Jetzt ist die Trasse 6,5 Meter breit, 1800 Meter lang und führt zu einem Parkplatz für 169 Autos und vier Busse. Außer Radeln, Wandern und Vögel gucken kann man vor Ort derzeit nicht viel unternehmen, deshalb ist die Investition aktuell ein Kritikpunkt. „Straße der Ornithologen“ heißt sie im Volksmund – zumindest noch so lange, wie der Zoff zwischen Naturschützern und Stadt weitergeht.

Jugendtreff statt Radlerpause

Platz drei: die Radstation auf dem Roßplatz. Beim Wettbewerb „Ab in die Mitte“, den Delitzsch vor sechs Jahren mit einem Radstadt-Projekt gewann, sprangen 10 000 Euro Preisgeld raus. Gebaut wurde damit jene Raststätte mit Tisch und Bänken, Infotafel und sanierter Uhr. Die erhofften Radler werden allerdings selten gesehen. Stattdessen Jugendliche, denen die Anwohner Lärmbelästigungen vorwerfen, und immer wieder trinkfreudige Gesellen älteren Semesters.

Sag mir, wo die Blumen sind

Platz vier: die vergänglichen Hingucker. Die Blumenkübel, die die Breite Straße und Ortsteile wie Laue verschönern sollten, sind inzwischen weg oder in Grünpatenhand gegeben. Laut Stadtverwaltung hat der Pflegebedarf die personell klamme Servicegesellschaft überfordert. Verschwunden ist auch die Kunst mit Einblick am Wallgraben. Die Metallelemente wurden erst Anfang des Jahres entfernt. Seit 2006 hatten sie an zwei Stellen entlang des Spazierweges gestanden – einmal in der Nähe des Roßplatzes mit Sicht zum Breiten Turm, zum anderen in der Nähe des Tennisplatzes mit Blick Richtung Pfortenstraße. Sie sind, stark angerostet, nun vorerst eingelagert. Damit sind Folgekosten zumindest abgewendet.

Vandalismus kostet Tausende

Platz fünf: der Vandalismus. Tausende Euro gibt die Stadtverwaltung jährlich für Reparaturen und Neuanschaffungen aus. Unfreiwillig. Teuer wurde es insbesondere im vergangenen Sommer, als vielerorts Bänke, Buswartehäuschen, Spielplätze und Verkehrsschilder beschädigt wurden. Auch illegale Graffiti reihen sich in die Liste kostenintensiver Sachbeschädigungen.

Kreisel sind zu klein

Platz sechs: die Kreisverkehre im Gewerbegebiet Delitzsch-Südwest, jenseits der Stadtgrenze auf der Gemarkung Wiedemar. Was bisher rund war, soll wieder gerade werden. Als die Kreisel geplant und errichtet wurden, waren die Lkw offenbar kleiner. Für heutige Brummis jedenfalls sind die Durchmesser zu winzig, die Laster streifen die Bordsteine, haben gut sichtbare Schäden hinterlassen. Deshalb sollen nun wieder normale Kreuzungen her, so das Vorhaben der Gemeinde.

See-Projekt ist nicht wasserdicht

Platz sieben: die Ex-Tagesanlagen des Bergbaus am Werbeliner See. Im Jahr 2010 erwarb die Stadt Delitzsch das 127 Hektar große Areal vom Bergbausanierer LMBV. Kaufpreis: rund 491 000 Euro. Hinzu kamen mehr als 300 000 Euro Kosten im Zusammenhang mit planerischen Voruntersuchungen, Gutachten und neuer Infrastruktur. Die Stadt will sich die Gesamtausgaben zurückholen, hat einen zahlungswilligen Investor an der Angel. Doch die Sache könnte noch ins Wasser fallen. Dann bliebe Delitzsch zwar die Rückgabe der Flächen an die LMBV, doch die würde nur den Kaufpreis erstatten.

Wenn das Pflaster nicht mehr heile ist

Platz acht: das Altstadtpflaster. Die Steine sind duldsam, pflegeleicht und lange haltbar, meint man. Die Fahrbahn der Pfortenstraße ist ein Gegenbeispiel: Sie hat sich schon nach vergleichsweise wenigen Jahren aufgelöst oder stark verformt. Derzeit wird sie in mehreren Bauabschnitten wieder erneuert, im Wesentlichen mit Fördermitteln. Und auch die seit fünf Jahren für den Verkehr offene Ex-Fußgängerzone Breite Straße braucht in etwa sechsmonatigen Abständen eine Absplittung und Fugenfüllung. Ein pflegeintensives Unterfangen.

Delitzschs teuerste Ampel

Platz neun: die Ampel am Nordplatz. Zum Glück ist sie nicht mehr da. Doch bis der Verkehrsknoten 2014 einen Kreisel erhielt, leuchtete 16 Jahre lang eine provisorische Ampel eines privaten Verleihers. Mietkosten: rund 950 Euro pro Monat, insgesamt also etwa 182 000 Euro. Weil eine Bundesstraße kreuzt, hat das die Stadtkasse allerdings nicht belastet. Gezahlt hat der Freistaat Sachsen aus der Bundes-Umlage.

Die Damals-war’s-Haltestelle

Platz zehn: die Bushaltestelle am Bahnweg in Döbernitz. Das Schild mit dem grünen H trägt den Namen Karl-Marx-Straße. So hieß der Bahnweg vor der Eingemeindung vor mehr als einem Jahrzehnt. In absehbarer Zeit, vermutlich mit der nächsten Fahrplanänderung, dürfte der Fehler korrigiert werden. Das kostet noch mal.

Von Kay Würker, Ditmar Wohlgemuth und Christine Jacob

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