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Zugunglück und Bombenfund: Landratsamt probt den Ernstfall

Zugunglück und Bombenfund: Landratsamt probt den Ernstfall

Die Stadtverwaltung Delitzsch geht beim Bevölkerungsschutz in die Offensive. Noch stärker als bisher will sich die Führungsebene des Rathauses auf Ausnahmezustände, zum Beispiel nach Starkregenfällen, vorbereiten.

Delitzsch. Auch die Einwohnerschaft soll in den nächsten Monaten gezielt mit Notfall-Informationen versorgt werden. Motivator in dieser Sache ist die Bundesregierung, die mit Seminaren und Broschüren die Schutzvorkehrungen forciert.

Unterdessen sind im Landratsamt aufwendige Übungen mehrmals im Jahr Standard. Erst Ende vergangener Woche trafen sich Vertreter verschiedener Fachbehörden in Delitzsch, um ein ganzes Bündel von Ernstfällen durchzuspielen. Das Szenario: haarsträubend. Vor den Toren der Stadt Torgau rasen ein Personen- und ein Güterzug ineinander, 150 Verletzte sind zu bergen, aus einem zerstörten Waggon tritt gefährliche Chlorlösung aus. Zur gleichen Zeit stößt bei Bauarbeiten ein Baggerfahrer auf eine Weltkriegsbombe, gleich neben einem Pflege- und Behindertenheim. Und als wäre das noch nicht genug, verunglückt auch noch ein Tiertransport - mehr als 100 Schweine sind entweder eingeklemmt oder laufen frei durch die Gegend. Ein Horror, der einen Freitagvormittag lang 44 Koordinatoren und Helfer beschäftigte - die meisten von ihnen Mitglieder des Verwaltungsstabes des Landkreises, einer eigens zur Katastrophenbewältigung gebildeten Führungscrew. Insgesamt 70 Personen verschiedener Behörden gehören dazu. Je nach Unglücksart werden die Spezialisten zusammengetrommelt. "Wir veranstalten solche Ausbildungs- und Übungsmaßnahmen dreimal pro Jahr", schildert Angelika Stoye, Nordsachsens Ordnungsdezernentin und Leiterin des Verwaltungsstabes. "Auf diese Weise werden Handlungsabläufe gefestigt und das Teamwork geschult. Schließlich müssen sich die Stabsmitarbeiter untereinander kennen." Die Probe-Szenarien wechseln immer wieder. Nach einer Infektionsschutz-Übung und einer Tierseuchenkrise ging es diesmal um einen Massenanfall von Verletzten, einen Schadstoffaustritt und die Evakuierung zig Pflegebedürftiger. Lageerfassung, Kräfteplanung, behördenübergreifende Zusammenarbeit - das waren nur einige der Schlagworte an diesem Freitagvormittag. Doch auch die betroffenen Städte und Gemeinden sind im Ernstfall eingebunden. Und müssen in der Lage sein, selbst Regie zu führen. "Wenn es sich nicht um ein Großschadensereignis handelt, sondern um ein punktuelles Geschehen wie etwa Starkregen, ist statt des Verwaltungsstabes die jeweilige Ortspolizeibehörde zuständig", erklärt Angelika Stoye. Im Delitzscher Fall also die Stadtverwaltung.

Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos) besuchte kürzlich ein Seminar zur einschlägigen Weiterbildung. "Naturgewalten könnten uns in Zukunft häufiger zu schaffen machen. Die tägliche Verwaltungsarbeit muss trotzdem laufen", betont Schöne. Was also ist zu tun, wenn das Rathaus unter Wasser steht und im Erdgeschoss die EDV lahmlegt? Wo gibt es Unterkünfte, wenn in Größenordnungen evakuiert werden muss? Wie lässt sich eine zentrale Anlaufstelle für Hilfe suchende Einwohner einrichten? Nicht zu vergessen der Schutz sensibler Bereiche, wie der Trinkwasser- und Stromversorgung, auch vor Terrorgefahren. "Natürlich gibt es bereits Notfallpläne im Ordnungsamt. Was aber zum Beispiel noch fehlt, ist eine Übung der Führungsebene der Stadtverwaltung", sagt der Bürgermeister.

Und will auch die Bevölkerung offensiv informieren - vom Verhalten bei längerem Stromausfall und Unwetter-Ereignissen bis hin zur Hausapotheke und dem Notgepäck für Evakuierungen. "Selbstschutz spielt im Ernstfall eine wichtige Rolle. Über nötige Vorkehrungen möchte ich die Delitzscher in Kenntnis setzen." Schöne plant in den nächsten Wochen entsprechende Veröffentlichungen im Amtsblatt. Zudem hat er beim Bundesamt den "Ratgeber für Notfallvorsorge" bestellt: 5000 Exemplare. Sie werden in Kürze in öffentlichen Einrichtungen ausgelegt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.11.2014
Kay Würker

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