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Zwei Delitzscher Kirchen sacken ab – Bergbausanierer soll helfen

Grundwasseranstieg Zwei Delitzscher Kirchen sacken ab – Bergbausanierer soll helfen

Hängt die Rettung zweier Gotteshäuser in den Delitzscher Ortsteilen vielleicht von einem Brief ab? Es ist ein Versuch, die deutlich geschädigten Kirchen in Selben und Laue wieder auf Vordermann zu bringen. Delitzschs Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) appelliert in einem Schreiben an den Bergbausanierer LMBV, dass die Folgen des Grundwasserwiederanstiegs nach dem Bergbau den Kirchen zugesetzt haben.

Pfarrer Daniel Senf (Zweiter von links) informiert Bürger in der Selbener Kirche, wie es um den Erhalt dieses stark sanierungsbedürftigen Gotteshauses steht. Soll es auch künftig im Ortsteil eine Rolle spielen, bedarf es Ideen für eine nachhaltige Nutzung.

Quelle: Alexander Prautzsch

Delitzsch/Selben/Laue. In Laue ist inzwischen eine Baugrunduntersuchung in die Wege geleitet worden, um zu klären, warum es zu Rissen im Gotteshaus kommt, warum die Substanz sehr rasch sichtlich schlechter wird. Von der möglichen Gefahr des Wegrutschens spricht Wilde gar. Von Sanierungskosten in Millionenhöhe ist die Rede, so erste grobe Schätzungen. Macht die Baugrunduntersuchung das Grundwasser als Ursache aus, hofft man die LMBV mit ins Boot holen zu können.

Nicht besser stellt sich die Situation in Selben dar. Als das größte Sorgenkind in seinem Verantwortungsbereich bezeichnete Frank Stiehler, Baureferent im Kreiskirchenamt Eilenburg, vor rund anderthalb Jahren das Selbener Gotteshaus bei einem Vor-Ort-Besuch. Und die Lage ist seitdem nicht besser geworden. "Neues gibt es nur, wenn sich äußerlich mit neuen Rissen Negatives zeigt", sagte Pfarrer Daniel Senf kürzlich, als er gemeinsam mit dem Ortschafts- und Gemeindekirchenrat in das Gotteshaus eingeladen hatte. Dort informierte er einerseits über den Sachstand, andererseits suchte er den Austausch mit den Bürgern über die Zukunft der Kirche.

Das Gebäude ist genau wie die Kirche in Laue in seinem Bestand gefährdet. Im Inneren sind massive Senkungserscheinungen unübersehbar. An mehreren Stellen, vor allem im Altarraum, hat sich der Fußboden gewölbt. Es gibt Risse im Mauerwerk und die Tragekonstruktion des Daches, das auf 16 Säulen ruht, drückt über diese nach unten auf die sich bewegende Lehmschicht unter der Kirche. In den Jahren 2004, 2006, 2007 und 2009 sind bereits Notsicherungen vorgenommen worden, die die Senkungen jedoch nicht gestoppt haben. Bei Baugrunduntersuchungen wurde ein Zusammenhang zwischen der Absenkung und dem Grundwasserpegel festgestellt. Der ist wieder angestiegen, seit mit dem Ende des Braunkohlenabbaus die Pumpen abgestellt wurden. 2005 hatte die LMBV die Anerkennung als Bergbaufolgeschaden allerdings abgelehnt. Vor zwei Jahren gab die Kirche mit Fördermitteln erneut eine Baugrunduntersuchung in Auftrag, deren Ergebnisse nun vorliegen und die, so heißt es, sehr wohl auf einen Bergbaufolgeschaden deuten. "Deshalb freue ich mich, dass der Oberbürgermeister mit seinem Brief an die LMVB, in der er um nochmalige Prüfung des Sachverhaltes bittet, dem Ganzen einen gewissen öffentlichen Druck verleiht", so Daniel Senf.

128000 Euro sind kalkuliert worden, um die nötigsten Sicherungsmaßnahmen am Gebäude in Selben ausführen lassen zu können. Weil Fördermittelgeber heute zunehmend nur Projekte mit nachhaltiger Wirkung unterstützen, bedürfe es aber auch eines Konzeptes, wie die Kirche künftig über ihre religiösen Aufgaben hinaus als fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft genutzt werden kann, warb der Pfarrer vor versammelter Runde um Unterstützung. "Dabei darf ruhig auch etwas quergedacht werden", ermunterte Senf. Mit dem Vorsatz, sich in dieser Woche zur Ideenschmiede erneut treffen zu wollen, ging die Runde auseinander.

Christine Jacob und Thomas Steinigen

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