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Zwei Pferde laufen ins Hochwasser - seitdem keine Spur

Zwei Pferde laufen ins Hochwasser - seitdem keine Spur

Es ist eine jener Geschichten, die die Flut 2013 dieser Tage schrieb. Traurig, bestürzend, voller Hoffnung, aber auch vorwurfsvoll. Tanja W. (ihren vollständigen Namen möchte sie nicht nennen) ist Eilenburgerin.

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Mit dem Fernglas sucht die Pferdebesitzerin Tanja W. die Gegend rund um Löbnitz ab. Immer in der Hoffnung, ihre Tiere doch noch zu finden.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Löbnitz. Ihre Stadt wurde nahezu verschont von den Fluten. Dennoch gehört die 40-Jährige zu den Hochwasserbetroffenen. Tanja W. vermisst seit nunmehr gut einer Woche zwei Pferde. Ihre Pferde, die sie selbst gezogen hat, die quasi zur Familie gehören, die in Löbnitz bei Eckbert Arndt einen Stall fanden, in dem sie sich wohl fühlten, in dem sie sicher standen.

Wenn Tanja W. über den Wallach Weinbrods Wolfgang (7) und die Stute Kamviva (6) spricht, will sie ihre Tränen nicht zurückhalten. Denn die Umstände, unter denen sie ihre Tiere verlor, sind tragisch. Seit Tagen gibt es kein Lebenszeichen, die Hoffnung aufgeben will die Pferdezüchterin dennoch nicht. Für sie sind die Vierbeiner nur vermisst. Jeden Tag sucht sie die Gegend um Löbnitz ab, doch bislang ohne Erfolg. Manche Stellen erreicht sie noch nicht, weil das Wasser den Zugang behindert. Alle möglichen Leute hat sie bislang in die Suche involviert. Insbesondere die Feuerwehr schaut bei ihren Patrouillen nun etwas genauer hin.

Immer wieder sieht Tanja W. die Geschehnisse vom vergangenen Mittwoch. Jenem Tag, an dem Löbnitz zwangsevakuiert werden musste. Auch alle Pferde mussten das Dorf verlassen. "Wir hätten einfach mehr Zeit gebraucht, zehn Minuten waren zu wenig. Die Zeit wäre da gewesen", erzählt Tanja W., die so schnell wie möglich von Eilenburg kam und unterstützt wurde von ihrer Tauchaer Freundin. Der Stress übertrug sich auf die Pferde, der Wallach ließ sich nicht auf einen Hänger verladen. Zu Fuß wollten die zwei Frauen deshalb die Tiere nach Reibitz bringen, doch die Tiere gingen durch, rissen sich los. Für Tanja W. waren die Sirenen der Polizeiautos der Grund. Die Pferde liefen im gestreckten Galopp völlig verängstigt durchs Dorf Richtung Pouch. "Die Polizei mit Blaulicht hinterher, völlig sinnlos. Wir als Bezugspersonen durften nicht mit", berichtet Tanja W. Die Pferde hätten sich noch mehr bedrängt gefühlt, sprangen deshalb ins Wasser. "Wir haben sie dann schwimmen sehen, baten die Polizei ein Boot klarzumachen. Doch hat das alles viel zu lange gedauert. Schließlich fehlte dem Boot auch noch das Benzin, es musste umkehren. Danach suchte es in der falschen Richtung." Die Kritik ist scharf. Die Freundin erlitt aus Angst um die Tiere einen Schock und hat ihn bis jetzt noch nicht verwunden. Beide Frauen hörten die Tiere im Wasser, auch das Aufbäumen der Stute bemerkten sie. Pferde können schwimmen, aber nicht ausdauernd, so Tanja W. Sie hofft, dass die Tiere im Wasser Grund fanden, um sich wenigstens zwischendurch auszuruhen. Die Polizei brach die Suche am selben Tag noch ab.

"Ich will meine Tiere wiederhaben, auch wenn ich mittlerweile denke, dass sie es vielleicht nicht überlebt haben könnten", sagte die Mutter zweier Kinder. Sie investiert viel Zeit in die Suche, ist dankbar für jede Unterstützung. "Viele wollen die Tiere schon gesehen haben", sagt sie. Einer Prüfung halten die Aussagen aber nicht stand, der Funken Hoffnung verglimmt. Auch jetzt noch erfährt sie von Berichten. Angeblich seien ihre Tiere 160 Kilometer weiter gesichtet worden sind. "Schön wäre es ja, aber ich kann es nicht glauben." Die Eilenburgerin bangt weiter.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.06.2013

Wohlgemuth, Ditmar

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