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Zwischen Heile-Pfeilen und Ferdsch-Taste

Zwischen Heile-Pfeilen und Ferdsch-Taste

Eines stellt Kursleiter Jens-Uwe Vetterlein gleich zu Anfang klar: In seinem PC-Grundlehrgang für Senioren, so die offizielle Bezeichnung im Programm der Volkshochschule (VHS) Delitzsch, geht es nicht darum, jemanden den Stempel des alten Eisens aufzudrücken: „Ich sehe das hier als Anfängerkurs und Kurs für alle, die noch nicht mit dem Computer umgehen können.

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Jens-Uwe Vetterlein erklärt seinen Schülern den Umgang mit dem Computer.

Quelle: Christine Jacob

Delitzsch. Senioren werden wir ja alle einmal.“

Nach der Wende hat sich der heute 51-Jährige mit einem Web- und Computerservice selbstständig gemacht, seit acht Jahren ist Vetterlein als Dozent an der VHS tätig. „Vor allem für die PC-Grundlehrgänge haben wir eine hohe Nachfrage“, berichtet der Fachmann. In seinen Seminaren bringt Vetterlein den PC-Neulingen alles bei, damit sie mit der Technik nicht länger auf Kriegsfuß stehen müssen. Die Teilnehmer bekommen Laptops gestellt, die ihnen das Wesen des Computers vermitteln. Angefangen wird mit dem Hoch- und Runterfahren. Dann erklärt Vetterlein ganz in Ruhe, welche Knöpfchen gedrückt werden müssen, damit der Rechner läuft. „Es geht darum, die Angst und Scheu abzubauen. Viele haben ja niemanden, den sie fragen können“, sagt Vetterlein. Den zwölf Schülern, die jeden Dienstagvormittag in zehn Terminen PC-Wissen tanken, gibt er immer wieder mit: „Sie brauchen keine Angst haben, etwas kaputt zu machen. Ein Computer ist nichts anderes als ein Küchengerät.“

Die Schüler schätzen die ruhige Art ihres Lehrmeisters: „Die Kinder oder Enkel erklären oft zu schnell“, sagt Helga Reichel. Die 81-Jährige besucht den VHS-Kurs mit einem ganz klaren Ziel vor Augen: ins Internet zu gehen. „Meine Enkelin ist bei der Armee in Bayern und ich möchte ihr später einmal E-Mails schreiben.“ Die erste Scheu vor dem Rechner habe sie schon verloren – nur die Sache mit dem Doppelklick auf der Maus will noch nicht so richtig klappen. „Keine Sorge, wenn nicht alles auf Anhieb funktioniert. Wir arbeiten langsam und gediegen“, sagt Vetterlein. Das Klicken und Scrollen, Hin- und Herbewegen des kleinen weißen Pfeils sei wie das Autofahren: „Am Anfang denkt man noch über Kuppeln und Schalten nach und irgendwann geht es von allein.“

Routinierter im Umgang mit der Maus ist Brigitte Klaas. Den Kurs hat sie zum 60. Geburtstag von ihrer Tochter geschenkt bekommen. Früher schon habe sie mit dem Computer gearbeitet. „Nur, dass da alles voreingestellt war. Jetzt möchte ich eigenverantwortlich arbeiten.“ Auch ihr großes Ziel ist das Internet. „Und ich möchte selber Bilder bearbeiten können.“ All das könne die VHS noch in Aufbaukursen vermitteln, wirbt Vetterlein. Immer wieder geht er von Platz zu Platz, schaut seinen Schützlingen über die Schulter und hält sie bei Laune. Einen Absatz im Textverarbeitungsprogramm richtet man bei ihm mit der Ferdsch-Taste ein, Fehler beseitigt man mit den Heile-Pfeilen, die den letzten Arbeitsschritt rückgängig machen. Mit einem PC lasse sich vieles leichter gestalten: „Dann können Sie mal fix einen Brief an ein Amt schreiben und müssen niemanden bitten.“

„Ohne Computer geht es heute ja nicht mehr“, sagt auch Ina Weiler. Mit ihren 39 Jahren ist die Erzieherin die jüngste Teilnehmerin. „Ich habe schon Grundkenntnisse, aber auch ganz große Lücken.“ Kniffe und Tricks will sie sich zeigen lassen, Wissen vertiefen. „Ich bin glücklich und stolz, dass ich überhaupt wieder mit dem Computer arbeiten kann“, sagt Eberhard Kirsten. Früher hat der einstige Technische Leiter des Abwasserzweckverbands Delitzsch täglich mit dem Rechner gearbeitet, 2007 hatte er einen schweren Unfall, noch immer hat er Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis. „Ich will mein Wissen wieder aktivieren und routiniert mit dem Internet umgehen können.“ Seine Frau hat den 65-Jährigen auf den Kurs gebracht. Nun bringt ihn Vetterlein wieder auf den alten Stand zurück. Mit Erfolg, Computer sind wieder Thema für den Rentner: „Ich werde mir bald einen Laptop zulegen, damit ich noch mehr machen kann.“

Christine Jacob

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