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Delitzsch Zwochauer wollen ihre Akten zurück
Region Delitzsch Zwochauer wollen ihre Akten zurück
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00:18 21.05.2017
Hannelore Peucker im Archiv des Kirchenkreises Torgau-Delitzsch. Quelle: Ditmar Wohlgemuth
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Delitzsch

Kirchenbücher haben eine immense Bedeutung für Ahnenforscher und Historiker. „Sie und natürlich viele andere kirchliche Dokumente der Zeitgeschichte, die auch in unserem Kirchenkreisarchiv lagern, sind heute schon wesentliche Grundlage für wissenschaftliche Untersuchungen“, weiß Superintendent Mathias Imbusch. Sie stehen Interessierten natürlich zur Verfügung. Allerdings nur im Absprache und mit Unterstützung von Archivarin Hannelore Peucker.

Eigentumsrechte ändern sich nicht

In den vergangenen Jahren, eigentlich schon kurz nach der politischen Wende beginnend, sei mit dem Aufbau des zentralen Archivs des Kirchenkreises Torgau-Delitzsch begonnen worden. Der Grund klingt einleuchtend: „Wir bieten damit den vielen Unterlagen, die bis in das Jahr 1786 zurückgehen, beste Bedingungen für die Lagerung. Damit sie auch in den nächsten vielleicht 100 Jahren weiter zur Verfügung stehen können“, erklärte Superintendent Mathias Imbusch. Dass der Gemeindekirchenrat des Kirchspiels Zwochau jetzt jene Archivale zurückfordert, die Zwochau betreffen, sei gutes Recht. Mit der Einlagerung in Delitzsch hätten sich nicht die Eigentumsrechte verändert, wie Imbusch betonte. Nachvollziehen könne er den Schritt allerdings nur bedingt.

Vor Ort verfügbar machen

Nico Gronau, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, begründet die Entscheidung, Kirchenbücher, Stuhlregister sowie andere Akten, die wegen Umbauarbeiten und Platzmangel im Zwochauer Pfarrhaus ausgelagert waren, ins Dorf zurückzuholen, mit der Verfügbarkeit vor Ort. „So können die Unterlagen jederzeit und schnell für eigene Projekte und Anfragen zur Verfügung stehen“, erklärte Gronau. Aus seiner Sicht sei der Zugang zum Archiv in Delitzsch nur bedingt möglich.

Kirchenbücher auch online

Superintendent Imbusch widerspricht dem. Auch die Zwochauer Archiv-Unterlagen wären einsehbar. Sie seien in der Vergangenheit akribisch von Hannelore Peucker aufgearbeitet, gesichtet und geordnet worden. Allein die Akten aus Zwochau hätten ein ganzes Regal in einem der drei Räume des Archivs in der Schlossstraße 26 gefüllt. „Wir haben im übrigen auch eine Zweigstelle in Belgern“, teilte Imbusch mit und informierte zudem darüber, dass Kirchenbücher in den vergangenen Jahren auf Mikrofilm archiviert worden seien und die im Landesarchiv der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands im Magdeburg eingesehen werden können. Zudem gibt es seit jüngstem ein Kirchenprojekt, das diese Kirchenbücher auch online stellt.

Fachleute schwer zu finden

„Wir sind total froh, dass wir Frau Peucker haben, dass sie sich um das Archiv kümmert. Sie macht eine unschätzbare Arbeit“, bemerkte Imbusch. Es sei schwer, dafür überhaupt Fachleute zu bekommen. Allerdings kündigte er auch an, dass die Zwochauer Archivale noch im Mai den Weg in das Kirchspiel Zwochau finden werden. Er werde sich aber die Lagermöglichkeiten sehr genau anschauen, damit diese Dinge keinen Schaden nehmen. Die Räumlichkeiten sollten vor allem einbruchssicher sein, aber auch eine konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit müsse gegeben sein. Um mit den Unterlagen Geld zu verdienen, jede Einsichtnahmen kostet Geld, sei aus Sicht von Imbusch zu kurz gedacht. Es seinen nicht die großen Beträge, die dabei zusammenkommen. Zudem dürften die Einnahmen ausschließlich für den Erhalt des Archivs verwendet werden.

Superintendant Imbusch weiß, dass heute noch historische Unterlagen unter unmöglichen Bedingungen in Kirchtürmen oder Gewölben gelagert werden. Hannelore Peucker bekommt solche Funde teils in die Hände und ist vor allem eins: Entsetzt. Sie versucht, diese Dokumente dann wieder in Form zu bringen.

Von Ditmar Wohlgemuth

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