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Das evangelische Gotteshaus St. Martin in Zwochau hat ungebetene Gäste. Der gewöhnliche Nagekäfer, umgangssprachlich und wegen der Aktivitäten der Larven auch als Holzwurm bekannt, macht sich breit und hinterlässt unschöne Zeichen.

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Am Teufelsgesicht unter der Kanzel der Zwochauer St.-Marien-Kirche haben Holzwürmern ihre Spuren hinterlassen.

Quelle: Alexander Prautzsch

Zwochau. Auch Larven des Holzbockkäfers wurden entdeckt. Typisch für einen Befall sind die vielen kleinen Löcher im Holz. In Zwochau hat er diese Spuren vor allem im Altar und auch in der Kanzel hinterlassen. Ein Teufelsgesicht unter der Kanzel ist ziemlich durchlöchert. Warum gerade das Teufelsgesicht dort zu sehen ist, erklärte Nico Gronau, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, und berief sich dabei auf Aussagen des Leipziger Uni-Professors Gerhard Graf. "Der Teufel ist dazu verdammt, die Kanzel als Ort der Verkündigung des Wortes zu tragen und zu ertragen."

Doch der Befall durch die Schädlinge ist nicht nur beim Altar und der Kanzel geblieben. Denn wie es auf Anfrage hieß, habe sich der Holzbockkäfer auch die Deckenbalken des Kirchenschiffes ausgesucht. "Das ist jetzt deutlich zum Vorschein gekommen, weil man sich im Zuge der Arbeiten an der Orgel auch im Umfeld die Beschaffenheit des Holzes angesehen hat", erklärte Kirchensanierungsexperte Matthias Taatz. Der Schenkenberger Pfarrer berichtete, dass ein Bekämpfen des Käfers unbedingt erforderlich sei. Nicht nur, dass der Lochfraß der Larven historische Schnitzereien beschädigt oder gar vernichtet, auch die Tragkraft von Deckenbalken werde beeinträchtigt. Was wiederum Einfluss auf die Statik des Gebäudes hat. Dazu soll es aber nicht kommen, hieß es weiter. Zunächst war vorgesehen, nur den Altar und die Kanzel mit einem speziellen Gas zu behandeln. "Jetzt haben wir uns aber entschieden, das gesamte Gotteshaus zu begasen, um die Larven und die Käfer zu töten", so Nico Gronau.

Auch wenn die Aktion von einem Spezialbetrieb ausgeführt wird und eine Denkmalschutzmaßnahme darstellt, rechnet Taatz nicht mit großen Zuschüssen. "Würde mich aber freuen, wenn es anders kommt," sagte er. Beantragt seien die Mittel, so Gronau, eine Zusage stehe jedoch noch aus. Da solche Maßnahmen nicht sehr oft anstehen und dafür nicht nur Fachleute benötigt werden, sondern auch bestimmte Umweltfaktoren stimmen müssen, soll das Vorhaben im Sommer umgesetzt werden. Insbesondere sei die Lufttemperatur entscheidend, war aus Expertenkreisen zu erfahren. Die Holzwürmer-Larven sind wärmeempfindlich. Ein spezielles Zellgift tötet sie. "Damit das Gas nicht nach außen dringt, wird die Kirche hermetisch abgedichtet", erklärte Taatz. Dass sie komplett in Folie gehüllt wird, schloss er aus Kostengründen aus.

Womöglich bleibt es nur beim Abdichten von Fenstern und Türen. Bis zu sechs Wochen muss das Gift dann wirken. Solange bleibt die Kirche geschlossen. Für Kirchgänger und Einwohner gibt es einen besonderen Service. "Wer vom Holzwurm befallene Gegenstände im Haushalt hat, kann sie für die Zeit der Begasung in der Kirche abstellen, gegen ein kleines Entgelt", sagte Taatz. Diesen Service habe man bisher angeboten, dass werde man auch jetzt machen. Allerdings dürfe man sich nach der Gas-Aktion nicht zurücklehnen, denn aus den im Holz abgelegten Eiern können nach einem, spätestens nach acht Jahren, neue Larven schlüpfen. Deshalb sollte eigentlich die Bekämpfung in regelmäßigen Abständen erfolgen. Als Prophylaxe seien solche Maßnahmen nicht zu bezahlen. Für die Zwochauer steht zudem die Restauration der etwa um 1720 erbauten barocken Kanzel auf dem Plan. Kostenpunkt: etwa 20 000 Euro. Gronau rechnet mit Kosten in Höhe von 35 000 Euro. 13 000 Euro muss die Kirchgemeinde selbst aufbringen. In der Spendenkasse liegen derzeit etwa 3500 Euro.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.03.2015
Alexander Prautzsch

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