Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln 14 Millionen Euro für eine neue Zugverbindung von Döbeln nach Dresden
Region Döbeln 14 Millionen Euro für eine neue Zugverbindung von Döbeln nach Dresden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:43 22.02.2019
Das Foto ist historisch: Das war die letzte Fahrt der Regionalbahnen von Meißen über Döbeln nach Leipzig. Quelle: Lars Müller
Döbeln

Am Geld soll die direkte Bahnverbindung von Döbeln nach Dresden nicht scheitern. Das steht seit den Haushaltverhandlungen zum Doppelhaushalt des Freistaates Sachsen fest. Nun ist der Haushalt ein paar Monate beschlossen. Doch wie geht es jetzt weiter?

„Genau diese Frage habe ich mir auch gestellt. Briefe wurden bisher genug geschrieben und Absichtserklärungen abgegeben“, sagt dazu der Sachsens SPD-Generalsekretär und Döbelner Landtagsabgeordnete Henning Homann auf Anfrage der DAZ. Mit dem Rückenwind einer klaren Entscheidung der großen Koalition und entsprechender Aussagen von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bat Henning Homann Anfang Februar in der Sächsischen Staatskanzlei um einen Termin, bei dem alle Beteiligten am Thema Bahnstrecke DöbelnDresden an einen Tisch kommen.

Kleiner Gipfel zur Bahnstrecke

Dieser Termin in der Staatskanzlei fand nun am Valentinstag, am 14. Februar statt. Eingeladen waren das Sächsische Wirtschaftsministerium, die beiden beteiligten Verkehrsverbünde Oberelbe (VVO) und Mittelsachsen (VMS) sowie neben SPD-Generalsekretär Henning Homann auch die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Sven Liebhauser (Döbeln) und Steve Ittershagen (Freiberg).

Im Landeshaushalt für 2019/20 stehen auf Seite 102, versteckt in der Haushaltposition 937 08, insgesamt 14 Millionen Euro für die neue Bahnverbindung zwischen Döbeln und der Landeshauptstadt im Plan. Das Geld ist auf die Jahre 2019 bis 2023 aufgeteilt. Darüber steht eine Einschränkung: „Die Mittel sind bis zur Vorlage eines Konzeptes an den Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr gesperrt. Die Freigabe der Mittel erfolgt durch den Haushalts- und Finanzausschuss des Sächsischen Landtages.“

Dazu Henning Homann: „Tatsächlich heißt das, auch wenn es jetzt im Haushalt drin steht, bedeutet das nicht, dass es sofort umgesetzt wird.“ Deshalb hakte er nach. Zu den Haushaltsmitteln des Freistaates müssen nämlich nun auch noch die Verkehrsverbünde eigene Mittel beisteuern. So etwa die Fahrkarteneinnahmen, wenn die Strecke wieder läuft. Die lagen bei der Schließung der damals absichtlich unattraktiv gemachten Strecke DöbelnMeißen zuletzt immerhin noch bei jährlich 1,8 Millionen Euro.

Bis Ende März müssen erste Studien vorliegen

Ergebnis des „kleine Gipfels zur Bahnstrecke RB 110“ in der Staatskanzlei: Die Verkehrsverbünde, allen voran der VVO, bei dem der größte Teil der Strecke verläuft, müssen bis Ende März etwas vorlegen, wie sie die wenige Jahre vor ihrer Abbestellung mit 20 Millionen Euro modernisierte Strecke wieder für den Personenverkehr ans Netz bringen.

Die Verkehrsverbünde müssen jetzt die Weichen stellen. Quelle: dpa

Auf dem Tisch liegen zwei Vorschläge : Favorit in der Region Döbeln ist eine direkte Bahnverbindung von Döbeln nach Dresden. „Wir wollen eine neue attraktive Bahnlinie und nicht einfach nur die alte unattraktive zurück“, sagt dazu der Landtagsabgeordnete Henning Homann und weiß auch seinen Döbelner CDU-Landtagskollegen Sven Liebhauser hinter sich. Als Notlösung gilt die Wiederbelebung der vorhanden Strecke allerdings nicht nur bis Meißen sondern mit Anschluss an den Regionalexpress nach Dresden in Coswig. Der Regionalexpress fährt in 22 Minuten von Coswig im kurzen Takt nach Dresden. Von Meißen mit der S-Bahn nach Dresden-Hauptbahnhof würde 36 Minuten dauern.

Fahrtzeit maximal eine Stunde

Die RB 110 brauchte früher von Döbeln über Roßwein und Nossen nach Meißen etwa 45 Minuten. Das ließe sich aber mit einem Ausbau der Strecke deutlich beschleunigen, sagen Eisenbahnkenner, wie der Meißner SPD-Kreisrat Matthias Rost. „Ziel müsse eine gut getaktete Bahnverbindung von Döbeln nach Dresden und zurück in unter einer Stunde sein“, findet Henning Homann. „Die Metropolen Dresden, Leipzig und Chemnitz wachsen seit Jahren mit allen damit verbunden Problemen wie Wohnungsnot, fehlende Kita-Plätze, volle Schulen und übervolle öffentliche Verkehrsmittel. Eine gute Bahninfrastruktur könnte dagegen Großstädte entlasten und der Landflucht entgegen wirken“, findet Homann.

Die neue Bahnverbindung muss gut getaktet werden. Züge über Riasa nach Dresden gelten als keine Alternative. Quelle: Frank Schmidt

Aktuell braucht man per Bus im VVO-Netz mit Umsteigen in Nossen eine Stunde und 35 Minuten von Döbeln-Hauptbahnhof nach Dresden-Hauptbahnhof. Per Bus nach Meißen und S-Bahn bis Dresden dauert es eine Stunde 49 Minuten. Auf der möglicherweise beim VVO als Alternative zur Bahnstrecke über Meißen gehandelten Bahnlinie über Riesa dauert es bis Dresden-Hauptbahnhof eine Stunde und 49 Minuten. Die Städte Roßwein und Nossen hätten davon aber nichts.

Kommentar: Ran an den Speckgürtel

Döbeln muss näher ran den Speckgürtel von Dresden und am besten auch an den von Leipzig und Chemnitz. Das haben der Landtagsabgeordnete Henning Homann (SPD) und sein CDU-Landtagskollege Sven Liebhauser richtig erkannt. In der Metropole arbeiten, studieren, eine Ausbildung absolvieren und weiter auf dem Land wohnen können – das sorgt für Gerechtigkeit zwischen Stadt und Land.

Gymnasiasten und Oberschüler aus der Region Döbeln müssten nicht fürs Studium oder eine Ausbildung in Dresden mit 16 oder 18 in einem überhitzten Wohnungsmarkt auf Quartiersuche gehen und hätten mehr Chancengleichheit gegenüber ihren Alterskameraden in den Ballungszentren. Denn diese Altersgruppe hat oft noch keinen Führerschein und kein Auto, um auf der verstopften Autobahn nach Dresden zu kommen.

Um diese Gerechtigkeitslücke zu schließen und die Region Döbeln bahntechnisch endlich vernünftig an die Landeshauptstadt anzubinden, hat die große Koalition nun einen Batzen Geld in den Landeshaushalt eingestellt.

Geld ist jetzt keine Ausrede mehr für die beiden beteiligten Verkehrsverbünde, dafür dass sie Döbeln eine vernünftige Schienenverbindung nach Dresden vorenthalten, während man von Dresden per Regionalbahn nach Bärenhecke-Johnsbach und nach Oberschlottwitz fahren kann.

Die neue RB 110 von Döbeln nach Dresden ist alternativlos. Die Strategen des Verkehrsverbundes Oberelbe knirschen beim Thema RB 110 mit den Zähnen. Sie würden lieber die Bahnstrecke RB 45 mit Umstieg in Riesa aufpusten. Aber da fährt der Zug über Potschappel-Rom und hat Roßwein und Nossen vergessen.

th.sparrer@lvz.de

Von Thomas Sparrer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Umbau des Burgberges wird auch die Gemeinde Kriebstein Geld kosten. Zunächst sind 50.000 Euro für die Planung veranschlagt. Es wird aber noch deutlich teurer. Denn der Fußweg oberhalb der Burg ist sehr speziell.

22.02.2019

Sportlich effektiver nutzen, kann man die Ferien wohl kaum: Die Schüler der Pestalozzi-Oberschule in Hartha waren im Riesengebirge unterwegs und hatten offensichtlich eine gute Zeit.

22.02.2019

Sie soll weg, die alte Destille in Roßwein. Die Stadt will Parkplätze schaffen. Doch was sagt der Denkmalschutz zum Vorhaben?

22.02.2019