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Döbeln 200 Interessenten besichtigen insolvente Stemke Kunststofftechnik in Döbeln
Region Döbeln 200 Interessenten besichtigen insolvente Stemke Kunststofftechnik in Döbeln
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16:48 04.11.2016
Über 500 Kilometer weit ist Peter Köster aus dem Münsterland angereist, um das 15 Jahre alte Fräsbearbeitungszentrum bei Stemke unter die Lupe zu nehmen. Quelle: Sven Bartsch
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Döbeln

„Bis vor drei Wochen habe ich noch an dem Schreibtisch dort hinten gesessen...“ Jetzt suche er einen neuen Job, erzählt der Mann mittleren Alters. Seinen Namen mag er nicht in der Zeitung lesen. Zwölf Jahre hat er als Konstrukteur bei Stemke gearbeitet, zuletzt zwei Jahre an dem Standort, der jetzt ausverkauft wird. Mit einem Zollstock bewaffnet, ist er heute noch einmal zurückgekommen. Vielleicht findet er noch etwas, was er ersteigern kann, für den Privatgebrauch. So wie er sind viele hier. Seit 9 Uhr an diesem eiskalten Donnerstag stehen die Türen in der jüngsten Werkhalle des Gewerbegebiete den Neugierigen offen. Alles muss raus. Wem die Bilder und Beschreibungen online nicht genügen, der hat heute sieben lange Stunden Zeit, sich überall umzuschauen.

Das insolvente Unternehmen Stemke Kunststofftechnik lud am Donnerstag in Döbeln zur Besichtigung ein, um die Online-Versteigerung der dortigen Güter anzukurbeln.

Kurz nach Neun ist es noch ruhig. Vor allem in den Büroräumen schlägt die leere Stille schnell in Trostlosigkeit um. Bis vor kurzem haben hier noch Angestellte ihren Job gemacht. Volle Stiftboxen auf den Schreibtischen, Notizen auf Schreibtischunterlagen erinnern daran. Bürostühle, Schreibtische, Schränke, Computertechnik – hier wird all das nicht mehr gebraucht. „Alles, wo eine Nummer dran klebt, kann ersteigert werden“, erklärt Patrick Soehring, Mitarbeiter der HT Hanseatische Industrie-Consult, die vom Insolvenzverwalter mit der Verwertung des kompletten Anlagevermögens beauftragt worden ist. Wandkalender, an denen rote Schiebemarkeirungen von letzten Arbeitstagen zeugen, zählen nicht dazu.

Über 50 000 Besuche hatte die Online-Auktion seit ihrem Beginn. Über 1200 Gebote wurden bereits abgegeben. Einmal in der Woche versucht Soehrings Kollege Peer Theile herzukommen, um nach dem Rechten zu schauen. Um die Grünpflanzen zu pflegen. Die können übrigens auch ersteigert werden.

Für Pflanzen interessieren sich diejenigen, die durch die große Halle marschieren, eher wenig. Keine halbe Stunde nachdem die Stemke-Türen sich geöffnet haben, herrscht hier reger Betrieb. Bewaffnet mit Katalog, Zettel, Stift und Handy, begutachten jede Menge Interessenten die Maschinen, Werkbänke, Werkschränke, Regale, Werkzeuge, Hubwagen und, und, und... Peter Kösters ist 533 Kilometer weit gefahren, um sich ein 15 Jahre altes Fräsbearbeitungszentrum der Firma AXA anzuschauen. Aufgeregt ist der Ingenieur aus dem Münsterland wegen der Versteigerung nicht, auch wenn die Maschine, für die er sich interessiert neu knapp 300 000 Euro kostet. Aktuell gibt es ein Gebot über 7000 Euro für die Nummer 20 im Katalog. „Ich muss mir erst einmal ein Bild vom Zustand der Maschine machen. Und klären, wie man sie eventuell transportiert bekommt.“ Immerhin wiegt das Portal 20 Tonnen, für den Transport ist da auch eine Sondergenehmigung erforderlich. Für alles das ist der Käufer selbst zuständig.

Noch komplizierter wird es, wenn die Interessenten aus dem Nicht-EU-Ausland kommen. Ukraine beispielsweise. „Da braucht es auch eine gewissen Vorlaufzeit für die Organisation“, erklärt Patrick Soehring, warum die Online-Versteigerung vier Wochen läuft. Mit diesen Dingen müssen sich Reiner Mecus und sein Sohn Michael nicht beschäftigen. Die beiden kommen aus Oschatz und haben heute extra Urlaub genommen. Gerade nehmen sie diverse Werkbänke unter die Lupe. Beide sind Schlosser und auch privat handwerklich äußerst aktiv. In der heimischen Werkstatt fehlt noch eine Drehbank. „Man kann bei solchen Versteigerungen schon manchmal ein richtiges Schnäppchen machen“, sagt Reiner Mecus, der Erfahrung mit solchen Auktionen hat und gezielt im Internet danach Ausschau hält. „Das ist besser als der Baumarkt.“ Industrieware halte einfach länger.

Im Vergleich zu den vielen international angereisten Interessenten hatten die Oschatzer einen kurzen Anfahrtsweg. Unter den etwa 200 Leute, die sich vor Ort ein Bild machen wollten, waren Fachleute aus Österreich Slowenien, Polen und Holland. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Patrick Soehring am Nachmittag, als sich die Wogen glätten. Die Aussichten, dass viel versteigert und wenig verschrottet werden muss, stehen gut.

Von Manuela Engelmann

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