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225 Betten in Döbelner Erstaufnahme wieder belegt

Flüchtlinge 225 Betten in Döbelner Erstaufnahme wieder belegt

Die Döbelner Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen Autoliv-Werkhalle ist wieder mit 225 Flüchtlingen belegt. Von den ersten 321 Neuankömmlingen waren die meisten weitergezogen zu Verwandten in Deutschland und Europa. Im Massenquartier mit Feldbetten gibt es bis heute keine Trennwände, keine Intimsphäre. Es ist warm und trocken. Zumeist ist es taghell beleuchtet.

Viel hat sich in der Erstaufnahmeeinrichtung in Döbeln nicht verändert. Noch immer fehlen Trennwände, die ein Minimum an Intimsphäre sichern.

Quelle: Uwe Reinwardt

Döbeln. Aktuell leben in der Döbelner Erstaufnahmeeinrichtung mit Stand Mittwoch wieder 225 Flüchtlinge. Die Plätze wurden wiederbelegt. Ende vergangene Woche waren zeitweise nur 72 Asylbewerber in den ehemaligen Werkhallen, die notdürftig zur Flüchtlingsunterkunft für insgesamt 400 Menschen hergerichtet wurde. „Von der ursprünglichen Belegung am 2. November mit 321 Asylbewerbern waren nur 72 in der Einrichtung verblieben. Nach drei Tagen wurden diese aus dem DRK-System genommen. Die Plätze wurden und werden nun wieder aufgefüllt“,, bestätigt Ingolf Ulrich, stellvertretender Pressesprecher der Landesdirektion Sachsen.

Die hohe Fluktuation unter den Flüchtlingen sei kein spezifisches Thema der Einrichtung in Döbeln. „Diese Abwanderung gibt es ohne erkennbare Gründe gelegentlich in allen Einrichtungen. Die Gründe sind nur unzureichend bekannt, da sich die Asylbewerber nicht abmelden. In Gesprächen wird aber hin und wieder die Aussage getroffen, dass man zu Bekannten und Verwandten weiterreisen wolle. Mit dem Ort, den Räumlichkeiten und der Art der Unterbringung steht dies – nach unserer Kenntnis – nicht ursächlich in einem Zusammenhang. Hier greifen wahrscheinlich Vorabsprachen bei den Asylsuchenden und eine Art Gruppendynamik“, sagt Ulrich.

Die Ziele der abreisenden Flüchtlinge werden nicht amtlich ermittelt. Es gibt jedoch Informationen, dass ein Teil von ihnen zu Verwandten in anderen Teilen Deutschlands und Europas zieht. Diese Flüchtlinge sind zum Zeitpunkt ihrer Weiterreise in der Regel weder durch die Zentrale Ausländerbehörde noch durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erfasst. In der Folge wird auch kein Verfahren unterbrochen oder erschwert. Da noch kein Taschengeld ausgezahlt wurde, kann diese Leistung dem Asylbewerber auch nicht verloren gehen. Inwiefern sich die Flüchtlinge später an einem anderen Ort erstregistrieren lassen und woanders einen Asylantrag stellen, kann im Moment nicht nachvollzogen werden.

Dennoch das notdürftig eingerichtete Massenquartier in der ehemaligen Autoliv-Werkhalle ist trocken und warm. Sanitärcontainer bieten Duschen und WCs. Ansonsten stehen auch vier Wochen nach der Eröffnung die Liegen noch nebeneinander. Intimsphäre oder ein wenig Abgrenzung gibt es nicht. „Die Ausstattung mit Trennwänden ist gegenwärtig noch in Arbeit. Verantwortlich sind die Landesdirektion und das Sächsische Immobilien und Baumanagement. Abstimmungsprobleme führten dazu, dass die Ausstattung mit Trennwänden bisher noch nicht erfolgt ist. Priorität hatte zunächst einmal die Unterbringung und Verpflegung der Asylbewerber“, sagt der Sprecher der Landesdirektion dazu.

Und was wird getan, um die Einrichtung ein klein wenig angenehmer zu gestalten? „Ein großes Thema ist die Untätigkeit und die Langeweile, zu der die Flüchtlinge verdammt sind. Die Asylbewerber können jetzt aber zumindest Fußball im Gelände sowie in einer extra Halle spielen. Für die Kinder stehen Räder, Roller und ähnliches Spielgerät bereit“, sagt Kai Kranich, Landessprecher des Deutschen Roten Kreuzes. Um die Menschen länger zu halten und am Weiterziehen zu hindern, unternimmt das DRK zusammen mit der Bundeswehr große Anstrengungen. „Die Asylbewerber sollen sich so gut es geht in der Einrichtung wohl fühlen können. In einer ehemaligen Werkhalle sind die Möglichkeiten diesbezüglich auf Grund der baulichen Struktur begrenzt. Grundsätzlich kann aufgrund der bestehenden Gesetzeslage nicht verhindert werden, dass die Menschen weiterziehen“, so Kai Kranich.

Gegenwärtig sind 37 Mitarbeiter des DRK im Drei-Schicht-System in der Döbelner Erstaufnahmeeinrichtung im Einsatz. Die Bundeswehr unterstützt das DRK im Rahmen der Aktion „Helfende Hände“ mit insgesamt zehn Soldaten. Die Asylbewerber werden vor Ort durch das DRK registriert. Diese Registrierung dient ausschließlich dem Betrieb der Unterkunft. Dadurch wissen die Helfer, wer in die Einrichtung gehört, wer sich in der Einrichtung aufhält oder wer regelmäßig an der Essensversorgung teilnimmt. Neben der kostenlosen Unterbringung, der Betreuung (auch medizinische) und dem kostenlosen Essen (dreimal täglich) bekommen die Asylbewerber grundsätzlich ein Taschengeld ausgezahlt. Die Auszahlung des Taschengeldes ist jedoch erst möglich, wenn die Asylbewerber durch die Zentrale Ausländerbehörde erstmalig registriert sind. Das Taschengeld wird dann wöchentlich in der Einrichtung bar ausgezahlt.

Das Döbelner Willkommensnetzwerk betreibt die Kleiderausgabe in der Erstaufnahmeeinrichtung und möchte zukünftig zwei Deutschlehrerinnen einsetzen. „Weitere konkrete Angebote aus der Döbelner Bürgerschaft sind bis jetzt ausgeblieben. Dieser Punkt ist also stark ausbaufähig„, findet Ingolf Ulrich von der Landesdirektion. Das DRK kümmere sich um die Grundbedürfnisse der Ankommenden. Für alles weitere brauche es die Unterstützung der Bürger.

Das Don Bosco Jugendwerk in Burgstädt hat zwischenzeitlich gemeinsam mit dem Kreisjugendamt die Döbelner Erstaufnahmeeinrichtung besucht und nahm fünf unbegleitete minderjährige Asylbewerber in seine Obhut. In Burgstädt hat der katholische soziale Träger extra eine Wohngruppe für insgesamt zwölf dieser Kinder eingerichtet. „Es handelt sich um fünf Jungen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren, die wir aus der Erstaufnahmeinrichtung in Döbeln in unsere Obhut genommen haben“, sagt Jens Klafki, Gesamtleiter der Don Bosco Jugend-Werk gGmbH Sachsen. Pädagogische Fachkräfte kümmern sich um die fünf Jungen. Viele Fragen sind aber auch hier noch zu klären. Etwa wann sie welche Schule besuchen und wie sie begleitet werden. „Zunächst bieten wir den Jugendlichen einmal Sprachkurse an“, so Jens Klafki.

Von Thomas Sparrer

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