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28-Jähriger Arbeitsloser würgt schlafende Frau – Gericht verhängt Bewährungsstrafe

Prozess am Amtsgericht 28-Jähriger Arbeitsloser würgt schlafende Frau – Gericht verhängt Bewährungsstrafe

Eine Nacht des Schreckens erlebte eine junge Frau im April. Sie wachte auf, weil ein Mann vor ihrem Bett stand und sie würgte. Nun sagte am Amtsgericht Döbeln gegen ihren Peiniger aus. Der dachte, dass die Frau Sex mit ihm wollte. Was sich vor Gericht aber als großes Missverständnis herausstellte.

Über drei Stunden dauerte die Verhandlung am Donnerstag im Amtsgericht Döbeln.

Quelle: dpa

Region Döbeln. An den Folgen dieses nächtlichen Auftrittes hat eine junge Frau noch immer zu knaupeln: Morgens um drei erwacht sie in ihrem eigenen Bett, weil sie ein Mann würgt. Sie strampelt, schreit und fleht ihn an, aufzuhören, verspricht ihrem Peiniger, keine Anzeige zu erstatten. Der lässt daraufhin von ihr ab und verschwindet. Seitdem hat die junge Frau ihre Wohnung zur Festung ausgebaut, extra eine Gittertüre einbauen lassen. Bis zur Tat ließ sie den Schlüssel von außen stecken. „Ich wohne im Dachgeschoss, dachte mir immer, da kommt sowieso keiner rauf“, sagte sie am Donnerstag im Amtsgericht Döbeln, als sie gegen ihren Peiniger Christian L. aussagte.

Den hatte die Staatsanwaltschaft Chemnitz der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Weil Würgen eine „lebensgefährliche Behandlung“ im Sinne der entsprechenden Strafvorschrift sein kann. Der Prozess endete mit einem Schuldspruch wegen gefährlicher Körperverletzung. Das Schöffengericht verhängte eine Haftstrafe von 16 Monaten mit Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Unter anderem Umständen – und das ist das Besondere an diesem Fall – hätte er auch im Landgericht Chemnitz auf der Anklagebank sitzen können. Denn dessen Erste Große Strafkammer ist für Tötungsverbrechen wie Mord und Totschlag zuständig, bei denen auch der Versuch strafbar ist. „Der Angeklagte nahm zumindest billigend in Kauf, die Geschädigte zu töten“, sagte Staatsanwalt Alexander Länge. Weil Christian L. aber freiwillig vom Versuch zurückgetreten ist – also von sich aus aufhörte, die junge Frau zu würgen – gab es keine Anklage wegen eines versuchten Tötungsverbrechens. Und so verhandelte das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Karin Fahlberg das, was übrig blieb: Die gefährliche Körperverletzung an der jungen Frau.

Geschädigte hätte sterben können

Christian L. ist arbeitsloser Berufskraftfahrer und war Stammgast in der Hainichener Spielothek, in der die Geschädigte arbeitete. Dort verspielte er einen Teil seiner Stütze. L. stritt zunächst ab, die Frau gewürgt zu haben, gab aber zu, bei ihr in der Wohnung gewesen zu sein. Und zwar deswegen: „Ich habe mich mit der Frau in der Spielothek unterhalten. Sie fragte, ob wir uns noch mal treffen könnten, um Sex zu haben. Wir legten fest, dass der Schlüssel von außen steckt.“ Zunächst sei er an jenem Aprilabend nach Hause gegangen, habe ein wenig geschlafen und ging dann zur Wohnung der jungen Frau, wo er gegen drei Uhr morgens ankam. Dort ging Christian L. hinein, der Schlüssel steckte ja schließlich außen. Die Frau traf er schlafend an und habe sie geweckt. Sie habe panisch reagiert, ihn wohl im Reflex eine geschmiert. Daraufhin habe er gegen 3.10 Uhr die Wohnung verlassen. „Da wird es ein bisschen schwierig, wieviel große Unbekannte die Frau da verletzt haben sollen“, sagte Richterin Fahlberg mit Blick auf das Zeitfenster und die Verletzungen der Geschädigten: Einblutungen am Hals zum Beispiel, als deren Ursache das rechtsmedizinische Gutachten die „lebensgefährliche Behandlung“ durch das Würgen angab. Nachdem ihm seine Verteidigerin, Rechtsanwältin Miriam Fichte offenbar den Ernst der Lage und die recht sichere Beweislage erläutert hatte, gab Christian auch zu, die Geschädigte gewürgt zu haben. Er habe sie dadurch beruhigen wollen, nachdem sie so panisch auf ihn reagiert habe. Christian L. bat die Geschädigte zudem um Entschuldigung.

Staatsanwalt will Angeklagten hinter Gitter sehen

Ein geplantes Sextreffen konnte die junge Frau nicht bestätigen. Auch wäre Christian L. dafür nicht der geeignete Partner. Zum einen, weil er einem Gast der Spielothek Geld gestohlen habe, zum anderen weil sie ihm mal Geld geborgt habe, dass L. nicht ohne Drängen zurückzahlte. „Ich konnte ihn nicht mal besonders gut leiden“, sagte die 32-Jährige. Sie war an jenem Abend nur freundlich zu dem Angeklagten, damit dieser und ein weiterer Gast ihre Bier austrinken, damit sie die Spielothek etwas zeitiger konnte zusperren konnte. Schließlich wollte sie ja noch die Fernesehsendung anschauen. „Mein Mandant hat diese Vorgeschichte in der Spielothek wohl als Einladung gewertet", versuchte Rechtsanwältin Miriam Fichte zu erklären, wie es zu der verhängnisvollen Tat kam. Sie beantragte ein Jahr Haft mit Bewährung für Christian L. Staatsanwalt Länge und Rechtsanwalt Sven Kuhle, der die Nebenklage vertrat, wollten Christian L. hinter Gitter sehen und beantragten, ihn zu einem Jahr und vier Monaten haft zu verurteilen.

„Was Sie veranstalten haben, ist eine gefährliche Körperverletzung wegen der lebensbedrohlichen Behandlung. Die geschädigte Zeugin hat uns konstant und ruhig über ihre Erlebnisse berichtet und in keiner Form den Eindruck gemacht, Sie zu unrecht zu belasten“, begründete Richterin Karin Fahlberg das Urteil des Schöffengerichtes, nachdem Christian L. nicht ins Gefängnis muss, sondern Bewährung bekommt. Das Gericht unterstellt L. für die Dauer von zwei Jahren einem Bewährungshelfer. Außerdem muss er monatlich 20 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und 1000 Euro an die Geschädigte zahlen. Mit der Bewährung habe sich das Gericht schwer getan, sagte Richterin Fahlberg. So ist Christian L. seit fünf Jahren arbeitslos, weil er damals seinen Führerschein wegen einer Trunkenheitsfahrt verlor. „Seitdem sind Sie nicht wieder richtig hochgekommen“, so Karin Fahlberg. Sie hofft, dass sich Täter und Geschädigte irgendwann einmal aussprechen können. „Damit auch die junge Frau die Motive der Tat erfährt und weiß, dass es nicht ihre Schuld war, überfallen worden zu sein.“ Die Richterin sagte auch, dass sich L.´s Tat deutlich von dem unterscheidet, was die Richter am Amtsgericht sonst an gefährlichen Körperverletzungen verhandeln: Geworfene Biergläser oder mehrere Täter, die jemanden gemeinschaftlich verprügeln.

 

Von Dirk Wurzel

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