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300 Jahre Gefängnis Waldheim: Stätte des Dunkels, aber auch Reformmotor

Festakt 300 Jahre Gefängnis Waldheim: Stätte des Dunkels, aber auch Reformmotor

Mit einem Gedenkakt im Rathaussaal würdigten Sonntagnachmittag Gäste aus Politik und Justiz das 300-jährige Bestehen des Waldheimer Gefängnisses. Justizminister Sebastian Gemkow verwies in seiner Rede darauf, dass die Anstalt immer auch Spiegelbild der jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse ist.

Justizminister Sebastian Gemkow (Mitte) am Sonntag beim Festakt im Waldheimer Rathaussaal.

Quelle: Gerhard Dörner

Waldheim. Mit einem Gedenkakt im Rathaussaal würdigten Sonntagnachmittag vor allem Gäste aus Politik und Justiz das 300-jährige Bestehen des Waldheimer Gefängnisses. Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) verwies in seiner Rede darauf, dass die Anstalt immer auch Spiegelbild der jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse ist.

Die im Eröffnungsjahr des „Allgemeinen Zucht-, Armen- und Waisenhauses zu Waldheim“ 1716 im Hof gepflanzte Linde ist ein stummer Zeuge dieser besonderen Einrichtung in Waldheim. Sie steht heute noch und könnte viel berichten über 300 Jahre Gefängnis, aber auch über 300 Jahre Geschichte des sächsischen Justizvollzugs. „Zeugen sind von unschätzbarem Wert. Wenn ich könnte, würde ich diese Linde befragen. Sie hätte viel zu sagen“, so der Justizminister im bis auf den letzten Platz besetzten Waldheimer Ratssaal.

Doch der Minister weiß auch ohne sprechenden Baum, dass die zurückliegenden Jahre des Gefängnisses Zeiten von Gewalt und Willkür, aber auch von einem menschenwürdigen Leben waren. „Das Waldheimer Gefängnis war Stätte des Dunkels und Reformmotor, es war gehasst, aber auch Chance für einen Neuanfang. Es war vermeintliche und tatsächliche Besserungsanstalt“, erklärte Gemkow.

Zynisch sei das „Willkommen“ auf der Züchtigungssäule gewesen, an der man Gefangene ausgepeitscht hatte und die 1767 entfernt wurde. Doch „die Gewalt im Namen sogenannter Rechtssprechung“ ging weiter. Im 18. Jahrhundert hatten alle Insassen die Pflicht zu arbeiten und mussten bis zu zwölf Stunden am Tag schuften. Auch in der DDR galt Arbeit als Erziehungsmittel. Der Minister: „Mit bis zu 1700 Gefangenen war das Waldheimer Gefängnis in dieser Zeit ein bedeutendes Arbeitskräftereservoir.“ Gemkow erinnerte an die Gewalt, die in der NS-Zeit an politischen Gefangenen verübt wurde und an die Waldheimer Prozesse mit den anschließenden Hinrichtungen 1950. „Sie stehen als Symbol für Missbrauch von Macht in einem totalitären System.“

Doch das Waldheimer Gefängnis galt auch als Musteranstalt. Es war seinerzeit Vorbild in ganz Europa, zum Beispiel was die Gesundheitspflege betraf. Mit Anstaltsleiter Hugo Schilling keimte 1863 ein neuer Geist innerhalb der Mauern auf: Zwangsjacken oder das Fesseln an kurzen Ketten wurden nicht mehr angewendet.

Aus dem 300-jährigen Bestehen erwachse laut Gemko eine besondere Verantwortung: „Bewährtes bewahren, Neues prüfen, aus der Geschichte lernen. Die sächsische Justiz macht das.“

Heute ist die Justizvollzugsanstalt (JVA) Waldheim mit ihren 408 Haftplätzen zuständig für die Vollstreckung von Freiheitsstrafen für Ersttäter und den Seniorenvollzug. Eine sozialtherapeutische Abteilung für die Behandlung von Männern verfügt über 106 Plätze. Zu den Angeboten zählen Sprachkurse, Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, Sport, Hobby- und Spielegruppen, eine Gefangenenzeitung und der JVA-Sender „Gitterkanal“.

In der Einrichtung sind derzeit 183 Bedienstete tätig. Der Minister lobte die großen Anstrengungen der Mitarbeiter um Anstaltsleiter Harry Kempf in „personell angespannter Situation“.

Der Anfang der 1960er Jahre in Waldheim geborene Steffen Ernst – heute FDP-Bürgermeister der Zschopaustadt – ist nach eigenen Worten mit der JVA groß geworden. Er habe nie Angst vor dieser Einrichtung mitten in der Stadt gehabt, wie er berichtete. Dennoch habe sich die Außenwirkung der Einrichtung stark zum Positiven verändert und für ihn als Bürgermeister ist die JVA auch „ein großer Arbeitgeber in der Region“.

Nach dem Gedenkakt konnten die Gäste die Waldheimer Anstalt bei einer Führung selbst besichtigen. Justizminister Gemkow zu seinen einführenden Worten: „Da passt es gut, wenn wir bei dieser Gelegenheit eine neue Linde pflanzen.“

Von Olaf Büchel

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