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3000 Postkarten aus Waldheimer Region und alle Micky-Maus-Comics gesammelt

Ansichtskarten 3000 Postkarten aus Waldheimer Region und alle Micky-Maus-Comics gesammelt

Mit seiner Internetseite perle-des-zschopautales.de macht Matthias Löwe der ganzen Welt die Geschichte seiner Heimatstadt zugänglich. Die hat er über seinen Geschichtslehrer zu lieben gelernt und sammelt sie auf Postkarten. Doch nicht nur das: Er besitzt alle deutschen Micky-Maus-Comics seit 1951.

Blick in die Vergangenheit: Mehr als 3000 Postkarten aus Waldheim und Umgebung hat Matthias Löwe seit 2004 gesammelt und diese im Internet unter perle-des-zschopautales.de zugänglich gemacht.

Quelle: Sven Bartsch

Waldheim. Matthias Löwe kennt keinen Spaß, wenn es um die Aufbewahrung von Originalen geht. Weichmacherfreie Hüllen nutzt er zur Lagerung sowohl seiner mehreren Tausend Micky Maus-Comics als auch der rund 3000 Waldheim-Postkarten, die er über die Jahre gesammelt hat. So bleibt das Papier frisch und weiß beziehungsweise farbenfroh. In seinem Hobbyraum im Waldheimer Elternwohnhaus herrscht zudem immer ein konstantes Niveau an Feuchtigkeit und Temperatur.

Dass es der 42-jährige Fachkrankenpfleger mit der Bewahrung seiner Sammlung so genau nimmt, ist auch für die Stadt Waldheim von Vorteil. Denn Matthias Löwe hockt nicht nur auf Dutzenden von Alben zu Hause, sondern macht seine Entdeckungen und die Geschichte dazu öffentlich. Dafür hat er die Internetseite www.perle-des-zschopautales.de erstellt, die auch unter www.waldheim-sachsen.de zu erreichen ist. Hier finden sich nicht nur alle Postkarten sortiert nach Motiv und Erscheinungsjahr, sondern auch die Geschichte der Stadt mit Kurzbiografien etlicher berühmter Einwohner. Matthias Löwe hat damit so etwas wie ein digitales Gedächtnis der Stadt geschaffen. „Das ist mein Versuch, die Sammlung zu zeigen, damit alle etwas davon haben. Es wäre schade, wenn sie im Schrank verschwindet“, sagt er.

Burg Kriebstein (kl

Burg Kriebstein (kl. Bild) und Waldheim vom Eichberg her – das häufigste Waldheimer Kartenmotiv.

Quelle: Sven Bartsch

Und so tummeln sich Sammler auf seiner Seite, die mit vielen Fakten zu den einzelnen Karten bestückt ist, so dass sich Lücken in der eigenen Sammlung aufspüren lassen. Aber auch Ahnenforscher nutzen das Archiv für die Entdeckung der eigenen Geschichte. „Wir hatten auch schon eine Familienzusammenführung. Eine Familie hatte ins Gästebuch geschrieben, dass sie Verwandte suchen und das waren dann auch Waldheimer“, erzählt Löwe und freut sich, dass seine in der Freizeit erstellte Arbeit solche Früchte trägt.

Dabei ist Freizeit für den dreifachen Familienvater, der in der Anästhesie- und Intensivmedizin des Wurzener Krankenhauses arbeitet, ein rares Gut. „Man kommt kaum dazu, alle Hobbys zu pflegen. Abends muss man sich beschränken, wofür man die wenige Zeit opfert“, sagt er. Der Hobbyraum lässt erahnen, was der Waldheimer meint. Ein angefangenes Riesenpuzzle einer historischen Weltkarte mit 9000 Teilen liegt auf einem Tisch. In den Regalen türmen sich Gesellschaftsspiele und Bücher. Die seltene Beatles-Anthologie ist darunter und auch die neue Autobiografie von Bruce Springsteen. Angefangen habe er diese mal, aber sei dabei noch nicht weit gekommen“, sagt Löwe und lächelt.

Eine Karte aus der Zeit vor der Verbreitung der Fotografie zeigt Waldheimer Ansichten

Eine Karte aus der Zeit vor der Verbreitung der Fotografie zeigt Waldheimer Ansichten.

Quelle: Sven Bartsch

Angefangen mit der Sammelleidenschaft hat alles 1989 mit einem Karton voller Comics. „Bei einem Westbesuch habe ich die erste Kiste bekommen“, erinnert sich Löwe. „Danach habe ich Micky-Mäuse gesammelt auf Trödelmärkten seit der Wende.“

Heute gehe viel über das Internet, vor allem über ebay und Co. Inzwischen hat Matthias Löwe jede Ausgabe des deutschen Micky-Maus-Comics, die seit dem ersten Heft 1951 erschienen sind.

Wichtig sei die Unterscheidung in Micky Maus-Fans wie ihn und die so genannten Donaldisten. „Sie halten nichts von Micky Maus, sondern nur von Donald Duck, und auch nur von dem Original von Carl Barks, der die Ente für Disney erfunden hat. Beide Figuren leben in der selben Welt, begegnen sich aber nie“, erklärt Löwe.

Das Interesse an seiner Waldheimer Heimat verdankt er seinem ehemaligen Geschichtslehrer Lutz Kirchner an der damligen Waldheimer Mittelschule. „Er hat meine Liebe zu Waldheim geweckt. Sein Geschichtsunterricht war immer sehr von der Stadt geprägt“, sagt Löwe. Die Sammelleidenschaft Waldheimer Ansichten begann aber erst 2004. „Da habe ich die ersten Ansichten in die Hände bekommen. Am Anfang habe ich dann alles gesammelt, später spezieller geschaut“, erklärt er.

Das Interesse wuchs damals vor allem deshalb, weil Matthias Löwe da gerade erst zum zweiten Mal in die Zschopaustadt gezogen war. Der gebürtige Leipziger war 1982 mit seinen Eltern nach Waldheim gekommen und später in das Haus eingezogen, in dem er heute mit seiner Familie lebt. 1992 ging er zur Ausbildung in seine Heimatstadt an der Pleiße zurück und blieb bis ins Jahr 2000. „Als der Gedanke an Familie aufkam, wollte ich nicht, dass meine Kinder in der Großstadt aufwachsen“, sagt er. Die Rückkehr nach Waldheim, wo im Elternhaus Platz für eine eigene Wohnung geschaffen werden konnte, lag nahe – und damit bald auch die Waldheim-Sammelleidenschaft.

Die ersten Fotos der Stadt sind wichtige Zeitzeugen ihrer Entwicklung, auf Postkarten professionell festgehalten

Die ersten Fotos der Stadt sind wichtige Zeitzeugen ihrer Entwicklung, auf Postkarten professionell festgehalten.

Quelle: Sven Bartsch

In Sachen Ansichtskarten der Zschopauperle ist Löwe inzwischen einer der führenden Experten. „Den Blick vom Eichberg gibt es am häufigsten“, weiß er zu berichten. Er besitzt sogar eine der ältesten Vorläuferkarten, eine gezeichnete Stadtansicht von 1885. „Die habe ich aus Italien bekommen – für 19 Euro. Für Karten von großen Städten aus dieser Zeit zahlt man schnell 400 Euro“, sagt er. Auch die erste Fotografie der Stadt, die Wilhelm Rieger 1899 angefertigt hat, gehört zu Löwes Sammlung. Zu jeder Karte versucht er den Fotografen und das Jahr herauszufinden – leider eine Sisyphosarbeit für Löwe, da die Angaben oft fehlen.

Daneben hat er inzwischen auch alles mögliche andere aus der Stadt und der Umgebung angehäuft, beispielsweise abmontierte Wegweiser von örtlichen Wanderwegen. „Dafür habe ich einen Kaufbeleg“, sagt er sofort, um den Verdacht der unerlaubten Inbesitznahme auszuräumen. Unzählige Sammelteller und -tassen, Gläser und Zeichnungen stehen in einer hölzernen Vitrine – natürlich von der alten Waldheimer Möbelfirma Berthold und Kretzscher.

Einen besonderen Nachlass hat Matthias Löwe erst vor kurzem aufgenommen. „Drei Kartons voller Unterlagen und gemalter Bilder vom Sohn des letzten Anstaltsdirektors der JVA. Der war 1945 in den Westen geflohen. Die Stadt und die JVA haben leider kein Interesse gehabt. Doch hier wird der Kriegsverlauf in Waldheim relativ objektiv dokumentiert. Das ist selten heute“, sagt Löwe.

Inzwischen erstellt Matthias Löwe eigene Fotografien – ein weiteres Hobby, das auch schon Früchte trägt. „Im Buchgeschäöft Dierbooks wurden schon ml Karten mit Motiven von mir verkauft. Zum Tag des offenen Denkmals wurde eine Reihe herausgebracht“, sagt er. Und wer weiß? Vielleicht sammelt ein Nachfolger im Geiste in 100 Jahren einmal Löwe-Karten von Waldheim? Die Micky Maus-Hefte werden jedenfalls in der Familie bleiben. „Meine Kinder sind jetzt schon begeistert. Beim Austausch von Heften bekommen sie die schlechteren Exemplare und stürzen sich darauf“, freut sich der Sammler.

Von Sebastian Fink

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