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32-Jährige schrammt knapp am Knast vorbei

Döbelner Crystaldealerin 32-Jährige schrammt knapp am Knast vorbei

Zwei Jahre Gefängnis – dieses Damoklesschwert schwebt jetzt über einer jungen Frau aus Döbeln. Sollte sie in den nächsten drei Jahren wieder mit Rauschgiftdelikten auffallen, ist die Bewährung futsch. In ihrem Prozess im Amtsgericht Döbeln machte die 32-Jährige reinen Tisch und gab Anlass zur Hoffnung.

Rund 150 Gramm Crystal und über 200 Gramm Marihuana kaufte eine 32-Jährige bei einem Drogendealer, der mittlerweile in Haft sitzt. Die junge Frau verkaufte das Rauschgift weiter, um ihre eigene Sucht zu finanzieren. Aus dieser hat sie sich mit einer Langzeittherapie befreit, was ihr das Gericht positiv anrechnete.

Quelle: dpa

Döbeln. Grade so ums Gefängnis kam am Montag eine 32-jährige Drogendealerin herum. Sie hatte im Frühjahr 2013 zehnmal insgesamt rund 150 Gramm Crystal und über 200 Gramm Marihuana angekauft und den Stoff teilweise auch weiter vertickt. Zwei Jahre bedingte Haft lautete darum das Urteil des Schöffengerichts im Amtsgericht Döbeln, das die junge Frau wegen mehrfacher Drogenverbrecher verurteile. Drei Jahre dauert die Bewährungszeit. Ohne Geständnis und erfolgreiche Therapie wäre sie wohl für mehrere Jahre eingefahren.

„Es ist hier und heute nicht unsere Aufgabe, diesen richtigen Weg zu unterbrechen“, sagte Richterin Karin Fahlberg, Vorsitzende des Schöffengerichtes, als sie dessen Urteil begründete. Gleich zu Beginn der Verhandlung hob sie einen großen Karton vom Richtertisch. Darin umfangreiche Beweismittel, vermutlich Zeugenlisten und Abhörprotokolle. Der Inhalt der Pappkiste spielte in der öffentlichen Hauptverhandlung keine Rolle. Die Angeklagte ersparte mit ihrem Geständnis eine lange Beweisaufnahme. „Ich räume das ein, es stimmt tatsächlich, dass ich Betäubungsmittel-Handel betrieben habe. Ich habe das gemacht, um meine Sucht zu finanzieren“, sagte die Frau. Für 60 Euro pro Gramm habe sie das Crystal angekauft und 80 Euro fürs Gramm genommen, wenn sie die Droge wieder verkaufte. Abnehmer nannte sie nicht. „Das waren so viele...“

Vor zwei Jahren mit Crystal Schluss gemacht

Die 32-Jährige berichtete schonungslos aus ihrem Leben. Wie sie an die falschen Partner und Freunde kam, wie sie die Sucht in die Kriminalität trieb. Wie ihr das Jugendamt deswegen ihr jüngstes Kind wegnahm. „Seit meinem 18. Lebensjahr ging es abwärts“, sagte die Angeklagte. Eine Lehre als Tierwirtin hatte sie abgebrochen, rutschte danach in eine problematische Partnerschaft mit einem gewalttätigen Mann. Sie habe Crystal genommen, um das zu ertragen. Den Stoff kaufte sie bei Heino V., der kiloweise Rauschgift in seiner Gartenlaube gebunkert hatte. Der Zoll hatte damals großen Ermittlungsaufwand betrieben, um V. zu fassen zu kriegen: Abgehörte Telefonate, ein Informant in der Szene, Observierung, Kameraüberwachung. Zu drei Jahren und einem Monat Haft verurteilte das Landgericht Chemnitz den Mann schließlich. Der Anklagesatz nennt als Crystal-Abnehmerin der Angeklagten Virginia S. Die ist auch kein unbeschriebenes Blatt. Sie kommt aus dem Umfeld der Tankstellen-Räuberbande, die 2012 unter anderem Tankstellen in Roßwein, Nossen, Leisnig Trebsen und Bad Lausick überfallen hatten. Virginia S. hatte zudem mit dem Tankstellen-Räuberhauptmann David F. Crystal aus Tschechien eingeführt und ebenfalls damit gehandelt. Sie bekam dafür eine Bewährungsstrafe.

Sie habe im November 2013 Schluss mit Rauschgift gemacht, sagte die 32-jährige Angeklagte, die S. das Crystal verkauft hatte, in ihrem Prozess am Montag. Die Polizei hatte damals ihre Wohnung durchsucht. Die Beamten fanden aber nur kleinste Mengen Rauschgift. Seitdem hat sie eine Langzeit-Drogentherapie absolviert, hat enorm an sich gearbeitet. Ihr Kind lebt mittlerweile auch wieder bei ihr. „Das ist doch mal was, das hört man auch nicht so oft“, sagte Richterin Fahlberg, als sie eine positive Einschätzung des Jugendamtes vorlas, die Verteidigeranwalt Ulrich Eppinger ins Verfahren eingeführt wissen wollte.

Normalerweise keine Bewährung

Vorbestraft ist seine Mandantin nicht. Gleichwohl kannte Staatsanwältin Angelika Rickert die junge Frau als geschädigte Zeugin aus früheren Verfahren, wo diese wohl nicht so gesund aussah, wie am Montag. Die Anklagevertreterin hatte Mühe, die junge Frau wiederzuerkennen. Mit „Bauchschmerzen“, wie Angelika Rickert sagte, beantragte sie Bewährung. „Alles worüber wir hier reden, sind Verbrechen – Mindeststrafe ein Jahr Haft. Aber andererseits: Wenn ich daran denke, was Sexualstraftätern schon alles vergeben wurde, fällt es mir nicht schwer, hier Bewährung zu beantragen“, sagte Angelika Rickert. Das Gericht musste eine Gesamtstrafe bilden und da gilt das Juristeneinmaleins. Das besagt, dass man dabei nicht einfach die Jahre addieren darf, sondern auch ein mehr oder weniger großzügiger Rabatt drin ist.

„Für solche Taten gibt es normalerweise keine Bewährung mehr“, sagte Richterin Fahlberg. Sie riet der 32-Jährigen eindringlich, die Finger vom Rauschgift zu lassen und regelmäßig zum Bewährungshelfer zu gehen. Machte keinen Hehl daraus, dass sie nicht zögert, Bewährungen zu widerrufen. „Ich habe ein Damoklesschwert über sie gehängt, aber wenn Sie die nächsten drei Jahre straffrei bleiben, montiere ich das ab und lege die Bewährungsakte weg“, so Karin Fahlberg.

Von Dirk Wurzel

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