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36-Jähriger prügelt Nebenbuhler mit Weinflasche in Döbeln – Gericht verhängt Bewährungsstrafe

Bluttat im Schlafzimmer 36-Jähriger prügelt Nebenbuhler mit Weinflasche in Döbeln – Gericht verhängt Bewährungsstrafe

Ein Mann findet einen anderen Kerl bei seiner Freundin im Bett vor. Er zieht dem Nebenbuhler eine Weinflasche über den Kopf. Das Jochbein des Geschädigten bricht an vier Stellen. Das Blut fließt in Strömen. Am Mittwoch fand sich der Mann auf der Anklagebank im Amtsgericht Döbeln wieder. Gefährliche Körperverletzung lag ihm zur Last.

Der 36-jährige Angeklagte zog seinem Nebenbuhler eine Weinflasche über den Kopf. Ins Gefängnis muss er dafür aber nicht – zumindest wenn keine neuen Straftaten begeht.

Quelle: dpa

Döbeln. Wenn das Schlafzimmer zum blutigen Tatort wird – das erlebte ein junger Mann am Morgen des 3. Januars in einer Döbelner Wohnung. Mit deren Inhaberin hatte er wohl zuvor eine recht vergnügliche Nacht erlebt. Das Erwachen war weniger erbaulich: Der Freund der Frau zog dem Nebenbuhler eine Weinflasche über den Schädel, schlug den 35-Jährigen zudem dem mit der Faust. Das Jochbein des Geschädigten war vier mal gebrochen, noch heute trägt er eine Platte im Kopf, die die Knochen zusammenhält.

Angeklagter: „Ich sah das Blut spritzen. Da wurde mir klar, was ich getan habe“

Er habe das Gespräch suchen wollen an jenem Morgen, sagte der Gehörnte, ein 36-Jähriger Mann, gelernter Landschaftsgärtner und wegen Kleinkram wie Fahren ohne Fahrerlebnis, Diebstahls und Beleidigung vorbestraft. Auch wegen gefährlicher Körperverletzung – allerdings liegt diese Verurteilung nach Jugendstrafrecht fast 20 Jahre zurück. „Ich wollte das alles nicht“, sagte der Angeklagte und räumte den Tatvorwurf ein. Zwölf Stunden vorher habe er noch Sex mit seiner Freundin gehabt, dann erfahren, dass der Geschädigte bei ihr übernachtet. Dieser habe ihm zuvor massiv mit Kurznachrichten beleidigt. „Dieses Hin und Her, dieser Kopfgulasch – damit kam ich nicht mehr klar“, sagte der Angeklagte. Seine Stieftochter habe ihn hereingelassen, er sei ins Schlafzimmer gegangen, die Frau sei Bad gestürzt und er habe dem Geschädigten gegenüber gestanden. „Ich dachte, er geht auf mich los. Da habe ich ihn mit der Faust geschlagen, dann mit der Flasche, die auf dem Tisch stand. Ich sah das Blut spritzen. Da wurde mir klar, was ich getan hatte.“

Richterin Magdalena Richter: „Sie beleidigen sich nicht gegenseitig im Gerichtssaal!“

Der Geschädigte schilderte den blutigen Vorfall etwas anders. Mit einem Stock sei der Angeklagte ins Schlafzimmer marschiert – was später die Stieftochter bestätigen sollte. Als Schlagwerkzeug kam der Knüppel aber nicht zum Einsatz. „Ich lag im Bett, habe geschlafen. Er kam rein und rief: Du Wichser, jetzt bist Du dran“, sagte der Geschädigte. Dann habe er die Weinflasche über den Kopf gekriegt. „Es gab Differenzen auf Facebook“, räumte auch er die Beleidigungen ein. Aber: „Er hat angefangen.“ Was der Angeklagte erwiderte. Das zeigt, dass sich die Beiden noch immer nicht grün sind. Spannung lag spürbar in der Luft, als sie am Richtertisch diese Wortgefechte austrugen, wo Richterin Magdalena Richter die Ausdrucke der Facebook-Einträge in Augenschein nahm. Diese hatte der Geschädigte mitgebracht. „Sie beleidigen sich hier nicht gegenseitig im Gerichtssaal!“, unterband sie den Disput.

Angeklagter: „Ich will nicht ins Gefängnis“

Den Angeklagten sollte sie schließlich der gefährlichen Körperverletzung schuldig sprechen und ihn zu einem Jahr bedingter Haft verurteilen. Drei Jahre dauert die Bewährungszeit und er muss 500 Euro an den Geschädigten zahlen. In seinem letzten Wort als Angeklagter und während der Verhandlung hatte er förmlich darum gefleht, nicht ins Gefängnis zu müssen: „Geldstrafe, Bewährung – ich nehm alles, weiß, dass ich bestraft werden muss. Aber ich will nicht ins Gefängnis.“ Weil er bald wieder arbeiten geht und auch wieder mit der Frau zusammenlebt, nahm Richterin Richter eine positive Sozialprognose an und ersparte dem 36-Jährigen das Gefängnis. „Die Frage nach Bewährung habe ich sorgfältig abgewogen“, sagte sie. Sie hielt dem Mann sein Geständnis und seine Reue zugute, wertete die Planung der Tat, die Brutalität und die Folgen für den Geschädigten als strafschärfend. Das Urteil ist rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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