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4000 Jahre alte Siedlungsspuren aus der Eisenzeit entdeckt

Am neuen Autobahnzubringer in Döbeln-Ost: 4000 Jahre alte Siedlungsspuren aus der Eisenzeit entdeckt

Am künftigen neuen Autobahnzubringer in Döbeln-Ost wurden am Dienstag Siedlungsspuren aus der Eisenzeit entdeckt. Seit zwei Wochen sind die ersten Bagger im Einsatz. Streifenweise wird das Baufeld bis zu einem Meter tief geöffnet. Nach dem Kampfmittelräumdienst untersuchen jetzt bis Herbst die Archäologen das Gebiet. Der Straßenbau startet erst 2017.

Mit dem Böschungshobel schaufelt der Baggerfahrer etwa einen Meter tiefe und recht glatte Streifen in das Baufeld. Die nehmen die Archäologen unter die Lupe.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Am neuen Autobahnzubringer in Döbeln-Ost sind seit zwei Wochen die ersten Bagger im Einsatz. Mit dem künftigen Straßenbau, der unter anderem die gefährliche Gakendelle entschärfen soll haben die Bagger aber noch nichts zu tun. Streifenweise wird das Baufeld jetzt bis zu einem Meter tief geöffnet, um zunächst weit zurück in die Vergangenheit zu blicken.

Nachdem der Kampfmittelräumdienst die Flächen untersucht und freigegeben hat, sind jetzt Dr. Michael Strobel (48) und Dr. Volkhard Hirsekorn (62)vom Sächsischen Landesamt für Archäologie am Start, um nach Siedlungsfunden zu suchen. Ein Drittel bis ein Viertel des Baufeldes werden jetzt in einem repräsentativen Raster aufgegraben. Größtenteils führt die künftige Trasse über freies Feld zwischen den Firmen, Renz, Knobloch und Metallveredelung auf der einen Seite und der jetzigen Bundesstraße 175 auf der anderen Seite. „Das fruchtbare mittelsächsische Lößhügelland in dieser Gegend wurde im sechsten Jahrtausend vor Christus besiedelt“, sagt Dr. Michael Strobel, Gebietsreferent für den Altkreis Döbeln und den Landkreis Meißen beim Landesamt für Archäologie. Um 5500 vor Christus sind erste siedlungsbauliche Funde bei Salbitz belegt. Strobel geht davon aus, dass auch in dieser Gegend vor etwa 7000 Jahren bäuerliche Kleinsiedlungen entstanden. Nachweise dafür wurden schon bei Zschackwitz in Form Scherben sogenannter Bandkeramik, Töpfe mit zeittypischen Linienmustern gefunden.

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Am künftigen neuen Autobahnzubringer in Döbeln-Ost wurden am Dienstag Siedlungsspuren aus der Eisenzeit entdeckt

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Den ersten untersuchten Abschnitt des künftigen Straßenbaus haben die Archäologen in der Bauberatung am Dienstag aber schon freigegeben. Im Gewerbegebiet Döbeln-Ost, am Rad- und Fußweg nach Oberranschütz wird die neue Straße nach Oberranschütz gebaut. In diesem Baufeld gab es keine Funde. Dafür waren Dr. Michael Strobel und Dr. Volkhard Hirsekorn am Dienstag auf der anderen Seite der B 175 unterhalb der Firma Renz erfolgreicher. Zunächst stießen die beiden Archäologen in einem mit einem Böschungshobel glatt ausgebaggerten Streifen auf die Pfostenlöcher eines Gebäudes aus der Bronze- oder Eisenzeit. Kreisförmige beziehungsweise ovale Verfärbungen, deuten daraufhin, dass hier einmal Holzpfosten in der Erde standen. Die Löcher sind grau verfüllt mit Einschlüssen von Holzkohle. In diesem Bereich wird jetzt großflächiger gebaggert, um vielleicht die Ausmaße des bronzezeitlichen Gebäudes auszumachen, das einstmals hier auf Holzbalken stand Noch interessanter ist ein Fund in einem Nachbarstreifen. Volkhard Hirsekorn ist hier auf eine Vorratsgrube von 90 Zentimetern Durchmesse gestoßen. „Das ist typisch für die Metallzeiten“, sagt er. In solchen Gruben wurden Lebensmittelvorräte gelagert. Irgendwann waren sie aber von Schädlingen befallen. Sie wurden mit Müll verfüllt und neue Vorratsgruben gegraben. „Damals war es eine Abfallgrube. Heute ist es für uns eine Fundgrube“, sagt Michael Strobel schmunzelnd und zeigt auf die Tonspuren und die Tonscherben. Obendrüber liegt noch eine Pflugspur, wahrscheinlich aus den 1960-er Jahren, als noch recht tief gepflügt wurde. Wir werden in diesem Bereich jetzt etwas großflächiger Buddeln“, kündigt der Archäologe an. Die Funde werden zunächst dokumentiert und vermessen, dann ausgegraben, gewaschen und beschriftet und zur wissenschaftlichen Auswertung ins Landesamt nach Dresden gebracht. Eineinhalb Monate sind für die Untersuchung des gesamten Baufeldes angesetzt. Nach den gestrigen Funden könnte es ein wenig länger dauern. Doch der eigentliche Ausbau der B 175 auf 2,3 Kilometern Länge geht ohnehin erst 2017 los und soll bis 2019 dauern. Der gesamte Straßenbau kostet rund 16,3 Millionen Euro. Die Ortschaft Oberranschütz wird in dem Zuge mit einer neuen Straße durch das Gewerbegebiet Ost angeschlossen.

Von Thomas Sparrer

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