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53-Jähriger in Leisnig erstochen – Tatverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft

Tötungsdelikt 53-Jähriger in Leisnig erstochen – Tatverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft

Am Freitag kam auf dem Leisniger Markt ein 53-Jähriger nach einer Messerattacke ums Leben. Gegen den 25-jährigen mutmaßlichen Täter wurde inzwischen Haftbefehl erlassen. Das auf dem Markt geplante Weinfest wurde abgesagt und auf den 1. Oktober verschoben.

53-Jähriger stirbt nach tätlicher Auseinandersetzung auf dem Markt. Polizei nimmt Tatverdächtigen fest.
 

Quelle: Sven Bartsch

Leisnig.  Am Sonnabendvormittag liegt eine graue bleierne Stimmung über der Stadt. Wo die Leisniger am Abend mit dem Gewerbe- und Verkehrsverein das Weinfest feiern möchten, herrscht Fassungslosigkeit: Auf dem Festareal am Markt kam wenige Stunden zuvor ein 53-jähriger Mann zu Tode. Ein 25-Jähriger hatte ihn mit einem Messer schwer verletzt. Die Ärzte im Helios-Krankenhaus können den Mann nicht retten.

Vorm Weinfest auf dem Markt getroffen

Was sich in den Abendstunden vom Freitag tatsächlich abspielt, liegt im Dunklen. Fakt ist: Am Tatort halten sich nicht nur Opfer und Täter auf, sondern rund zehn weitere Personen. Nach bisher unbestätigten Recherchen hat sich die Gruppe abends auf dem Marktplatz versammelt – in Leisnig nicht unüblich, wobei es gelegentlich laut zu geht. Am nächsten Morgen zeugen zahlreiche leere Flaschen davon, dass es ein Trinkgelage gab. Unter den Leuten auf dem Markt sei Streit ausgebrochen, heißt es. Über den tatsächlichen Auslöser beziehungsweise Tathergang kursieren am nächsten Morgen lediglich Spekulationen.

So heißt es, der später Getötete solle versucht haben, die angespannte Lage zu entschärfen. Doch der spätere Täter fühlt sich durch dessen Einschreiten derart persönlich angegriffen, dass er aggressiv reagiert, das Messer zückt und mehrfach auf den 53-Jährigen einsticht. Welche Rolle dabei die anderen Anwesenden spielen, ist unklar. Aus deren Kreis möchte die Polizei nun Zeugen vernehmen, um sich über den Tathergang Klarheit zu verschaffen.

Ganze Stadt erschüttert

Sonnabendvormittag stehen die Türen zu einigen Ladengeschäften offen, Verkäuferinnen schauen neugierig Richtung Markt. Die für das geplante Weinfest aufgebauten Stände verwehren ihnen und den für einen Sonnabendvormittag bei strömendem Regen ungewöhnlich zahlreichen Spaziergängern die Sicht aus der Ferne zum Tatort. Der fürs Weinfest über den Platz gespannte Baldachin breitet sich aus über schweigenden Menschen. Sie blicken auf vor einen Marktstand hingelegte Blumen und brennende Grablichter. Es regnet seit dem Morgen. Der Regen kann das Blut des Getöteten und die Trauer der Anwesenden nicht wegwischen. Unter den schweigenden Menschen sind Angehörige des Verstorbenen. Während des Vormittags kommen weitere hinzu – sie nehmen Abschied. Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) ist vor Ort, ebenso Sven Wolf vom Gewerbeverein als Weinfestveranstalter. Gegen 11 Uhr, nach einer Telefonkonferenz mit der Polizei, entscheiden Bürgermeister und Vereinsvorsitzender: Das Fest wird abgesagt. Sven Wolf: „Alles andere wäre pietätlos.“

Blumen und Kerzen sollen bleiben

Angehörige des Verstorbenen hatten darum gebeten, dass Blumen und Kerzen am Unglücksort noch eine zeitlang bleiben können. Dort zu feiern – undenkbar. Das sagt auch Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU): „Das können wir einfach nicht machen.“ Noch in den Mittagsstunden sucht er zusammen mit Uwe Dietrich vom Ordnungsamt die Angehörigen des Verstorbenen auf, mit dabei Ralf Herrmann vom Bauhof, da der Verstorbene für den Bauhof arbeitete. Goth habe sein tiefes Mitleid zum Ausdruck bringen wollen, sagt er, „mir fehlten in dem Moment völlig die Worte.“

Opfer und Täter aus Leisnig

 Im offiziellen Bericht der Polizeidirektion Chemnitz werden die Vorgänge vom Freitagabend wie folgt geschildert: Kurz nach 21 Uhr werden Polizei und Rettungsdienst zum Markt gerufen, offenbar nach einer tätlichen Auseinandersetzung wird eine 53-jährige männliche Person schwer verletzt vorgefunden, nach der medizinischen Erstversorgung wird der Mann ins Krankenhaus gebracht, wo er an den Folgen seiner Verletzungen verstirbt. Erste Ermittlungen führen zu einem 25-Jährigen, der wie sein Opfer in Leisnig und in der Nähe des Marktes lebt. Der Tatverdächtige wird festgenommen, am Sonnabend 13 Uhr dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Die Untersuchungen zum Tathergang und zu den Tatumständen laufen. Ermittelt wird wegen des „Verdachts eines Tötungsdeliktes.“

Wie es nach einem solchen Schock in der Stadt weiter geht? „Das lässt sich erst in den kommenden Tagen sagen“, sagt der Bürgermeister. Der Vorfall überschattet mehrere Ereignisse des Wochenendes, auf die sich die Beteiligten gefreut und die sie mit Engagement vorbereitet hatten. Nicht zuletzt hatte Leisnig anlässlich des Weinfestes eine Delegation zu Gast um den Bürgermeister aus leisnigs ungarischer Partnerstadt Halasztelek, József Szentgyörgyi – auch mit einer gewissen Anzahl Weinflaschen für das Fest im Gepäck. Mit den Gästen war Tobias Goth unterwegs, als ihn die Nachricht von dem schrecklichen Ereignis erreichte. Das Leisniger Weinfest wird laut Entscheidung der Initiatoren auf den 1. Oktober verlegt. Die Marktstände bleiben so lange auf dem Markt stehen.

Update: Wie die Polizeidirektion Chemnitz mitteilt, hat der Ermittlungsrichter auf Antrag der Staatsanwaltschaft am Sonnabend Haftbefehl gegen den 25-jährigen Tatverdächtigen erlassen. Dieser sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft.

Von Steffi Robak

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