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Döbeln 60 Kilometer Kabel bis nach Mochau
Region Döbeln 60 Kilometer Kabel bis nach Mochau
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00:22 12.07.2018
Andreas Richter und Simone Friedrich von den Stadtwerken schauen bei Naußlitz nach den Kabelgräben, die Tiefbauer Marcus Blaas von der Klaus Bauer GmbH verfüllt. Quelle: Thomas Sparrer
Döbeln

Die rund 4400 Einwohner der in den letzten Jahren eingemeindeten Döbelner Ortsteile Ebersbach, Ziegra und Mochau kommen ab 2019 ans Stromnetz der Döbelner Stadtwerke. Dafür nimmt das Döbelner Versorgungsunternehmen gerade zehn Millionen Euro in die Hand. Fünf Millionen Euro für neue Kabel und Leitungen und weitere fünf Millionen für den Kauf der vorhandenen Netzinfrastruktur von der Envia. Die hat in den letzten 20 Jahren die Ortschaften mit Strom beliefert. Die Stadt Döbeln hatte den auslaufenden Konzessionsvertrag neu ausgeschrieben und an den einzigen Bewerber, die Stadtwerke, vergeben.

„Wir müssen jetzt einige Hausaufgaben machen, die Netze entflechten und ausbauen“, sagt Simone Friedrich, kaufmännische Prokuristin der Stadtwerke. Entflechtung bedeutet, dass die Stadtwerke die Netze vom bisherigen Lieferanten übernehmen, abtrennen und ins eigene Leitungsnetz integrieren müssen. Besonders für Mochau und die umliegenden Orte sowie das Gewerbegebiet Fuchsloch ist der Aufwand enorm. „Hier müssen wir eine ganz neue Verbindung schaffen“, sagt Andreas Richter, Fachabteilungsleiter Netz der Stadtwerke Döbeln.

Zwischen dem Schalthaus der Stadtwerke am Umspannwerk Stockhausener Weg in Döbeln und der Schaltstelle im Gewerbegebiet Am Fuchsloch muss eine komplett neue Mittelspannungstrasse gebaut werden. Zehn Kilometer Kabelkanäle sind zu buddeln. Je drei Kabelstränge gehören zur Mittelspannungsversorgung. Für die Netzsicherheit werden sie doppel verlegt. Das heißt 60 Kilometer Mittelspannungskabel müssen in die Erde. Das ganze ist so berechnet, dass auch in Zukunft genug Kapazität im Netz vorhanden ist und das Gewerbegebiet Fuchsloch um weitere energiehungrige Betriebe wachsen kann.

„Wir liegen bei den Erdkabeln gut im Plan. Ein Los hat die Firma Bauer aus Döbeln bekommen. Die verlegt gerade zwischen Hermsdorf und Naußlitz Mittelspannungskabel in 1,10 Meter Tiefe“, sagt Andreas Richter. Durch die neuen Kabel kommt auch der Döbelner Ortsteil Oberranschütz ans neue Mittelspannungsnetz. Damit können die bei Sturm sehr störanfälligen Freileitung abgebaut werden. Aufgerüstet wurde bereits das zentrale Schalthaus am Stockhausener Weg. Vom Umspannwerk der Envia dahinter kommt der Strom über die Hochspannungsleitungen mit 110 000 Volt am Übergabepunkt der Stadtwerke an. Er wird auf 20 000 Volt heruntertransformiert, um schließlich im Netz der Stadtwerke verteilt zu werden. Das neue Netz für die Ortsteile wird von hier aus ins Döbelner Gewerbegebiet-Süd an der Bundesstraße 169 verlegt. Die Kabelgräben führen dann durch Ebersbach. Bei Neugreußnig queren die Erdkabel die Mulde und die Eisenbahnlinie Döbeln – Roßwein. Dann geht es weiter nach Hermsdorf und Oberranschütz. Kurz vor dem Fuchsloch unterqueren die Kabel auch die B 175, die Staatsstraße nach Roßwein und die A 14 .

Ein Leerrohr ist neben den sechs schwarzen Mittelspannungskabeln das siebente, was im Kabelschacht verbuddelt wird. „Ein Glasfaserkabel wird hier später mit Luftdruck eingeblasen. Damit lässt sich die Schaltstelle in Mochau fernüberwachen“, erklärt Andreas Richter. Eine Messwarte in Zwickau wertet diese Daten für die Döbelner Stadtwerke aus.

Im Dezember 2017 unterschrieben Stadtwerkechef Gunnar Fehnle und Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer den neuen, zehn Millionen Euro schweren Strom-Konzessionsvertrag für Mochau, Ebersbach und Ziegra. Quelle: Thomas Sparrer

Mit dem Konzessionsvertrag und der Entflechtung wird ab 2019 das gesamte Döbelner Gemeindegebiet über das stadtwerkeeigene Stromnetz versorgt. Flächenmäßig verdoppelt sich damit das Stromversorgungsgebiet des Unternehmens auf 95 Quadratkilometer. Trotz der Entflechtungskosten lohnt sich das ganze für die Stadt Döbeln und die Stadtwerke. „Die Netze zu besitzen, durch welche der Strom geleitet wird, ist für unsere Zukunft sehr wertvoll“, weiß Stadtwerke-Prokuristin Simone Friedrich. Für die Stadt lohnt es sich, weil die Stadtwerke in den 20 Jahren Vertragslaufzeit rund zehn Millionen Euro an die Stadtkasse als Konzessionsabgabe überweisen– dafür, dass die Leitungen in öffentlichen Wegen und Grundstücken liegen dürfen.

Die Stadtwerke Döbeln trennen strikt den Betrieb des Stromnetzes und den Stromverkauf. Etwa 160 Stromanbieter werben um die Döbelner Kunden und dürfen ihren Strom durch das Stadtwerkenetz leiten. Für die Durchleitung bekommen die Stadtwerke ein Netzentgelt. 16 000 private Haushalte in Döbeln beziehen aber auch den Strom der Stadtwerke Döbeln. Das sind 90 Prozent aller Haushalte.

Von Thomas Sparrer

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