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Döbelner Luther-Statue abgeschleppt und bald aufgepeppt

630 Kilo schwer Döbelner Luther-Statue abgeschleppt und bald aufgepeppt

Das Döbelner Lutherdenkmal wurde am Mittwochvormittag abgebaut und nach Wilsdruff transportiert. Dort wird die 630 Kilo schwere Bronze-Figur gebadet, gereinigt und restauriert. Auch der Sockel aus Porphyr wird restauriert. In sechs bis acht Wochen soll der Reformator heimkehren.

Luther am Haken: Mit einem Abschleppfahrzeug holten die Restauratoren der Firma Ostmann und Hempel die Bronzestatue in Döbeln ab. In Wilsdruff wird die Figur in den nächsten Wochen gebadet und restauriert.
 

Quelle: Thomas Sparrer

Döbeln.  Kurz nach 9 Uhr hing der große Reformator am Mittwochvormittag vor der Nicolaikirche am Kranhaken eines Abschleppwagens. Dieser gehört dem Restaurierungsunternehmen Ostmann und Hempel aus Wilsdruff. In der Werkstatt von Restaurator Uwe Ostmann wird die 630 Kilogramm schwere Bronzefigur in einer eigens gefertigten Wanne gebadet. „Wir versuchen die löslichen Salze, die sich aus der Luft, durch sauren Regen und durch Abgase im Laufe der Jahre auf der Patina angesetzt haben mit klarem Wasser herauszulösen. Ebenso die Chloride, welche die Korrosion begünstigen“, sagt der Restaurator. Zudem sollen kleinere Blessuren ausgebessert und die Eisenrahmenunterkonstruktion erneuert werden. Diese leicht beschädigte Unterkonstruktion hatte dafür gesorgt, dass die schwere Bronzefigur leicht schräg stand. „Es wurde Zeit etwas zu tun, auch wenn die 630-Kilo-Plastik so leicht keiner vom Sockel geschubst hätte“, sagt Döbelns Bauamtsleiter Erik Brendler.

In sechs bis acht Wochen soll die Lutherfigur an ihren angestammten Platz zurückkehren. „Gewaschen, abgebürstet und mit einem Schutzwachs versehen, wird die Bronzestatur dann ein wenig dunkler und weniger fleckig als jetzt aussehen“, schildert Annegret Mickel. Sie betreut die Frischzellenkur für den Döbelner Luther beim Landesamt für Denkmalpflege. Auch der Unterbau der Lutherfigur wird restauriert. Um den Sockel aus Rochlitzer Porphyr kümmern sich die Steinmetze der Firma Schmidt und Wiede aus Döbeln.

11 000 Euro kostet die Sanierung des Denkmals. Möglich wurde sie noch rechtzeitig zum 500. Reformationsjubiläum in diesem Jahr durch eine Förderung aus dem Programm „Brücken in die Zukunft“. Drei Viertel der Gesamtkosten kommen somit aus dem Bundeshaushalt. Aus dem Stadtsäckel muss die Stadt Döbeln einen Eigenanteil von 2800 Euro beisteuern.

Hintergrund: Lutherdenkmal in Döbeln

Am 11. November 1883, anlässlich des 400. Geburtstags Martin Luthers, wurden auf dem Döbelner Lutherplatz, unmittelbar neben die Nicolaikirche vier Eichen gepflanzt. Die Eichen stammten aus den vier berühmten Lutherstädten Eisleben, Eisenach, Erfurt und Wittenberg. Damals entstand auch der Wunsch nach einem Lutherdenkmal.

Auf dem Lutherplatz stehen auch heute noch vier Luthereichen. Neben ihnen befindet sich das Lutherdenkmal, das 1902 eingeweiht wurde. Das Döbelner Denkmal stellt nicht den kampfeslustigen Luther, den Gottesstreiter dar, sondern den Reformator, der die Kämpfe und das Ringen hinter sich hat. Siegesgewiss steht er da, den Blick nach Süden, nach Rom gerichtet. Geschaffen hat es der Bildhauer Ernst Wilhelm Paul (1856 bis 1931). Sein Döbelner Luther wurde in der Dresdner Gießerei Pirner und Franz gegossen.

All das interessierte die Nationalsozialisten wenig. 1942 wurde der Döbelner Luther von seinem Sockel gehoben. Aus der Bronze sollten Kriegswerkzeuge hergestellt werden.

17 Jahre blieb das Denkmal verschollen. Und dann kam das Erstaunliche: Auf einem Schrottplatz in Hamburg wurde das Standbild entdeckt. Dem Döbelner Kirchenvorstand gelang es mitten im Kalten Krieg das Denkmal in den Arbeiter- und Bauernstaat zurückzuholen. Seit 1961 steht er nun wieder am Lutherplatz und blickt nach Rom.

Von Thomas Sparrer

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