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Döbeln 90 Grad gegen Durchfall
Region Döbeln 90 Grad gegen Durchfall
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22:57 28.01.2013
Großes überregionales Medieninteresse galt im Herbst vorigen Jahres dem hessischen Cateringunternehmen Sodexo, das in Döbeln-Ost eine Großküche betreibt. Rund 900 Mittelsachsen waren an Brechdurchfall erkrankt, nachdem sie von Sodexo zubereitete China-Erdbeeren verzehrten. Foto (Archiv): W. Sens Quelle: Wolfgang Sens
Mittelsachsen

Das ist eine Erkenntnis der Koordinierungsgruppe, die im Zusammenhang mit dem Norovirus-Skandal unter Leitung des Bundesamtes für Verbraucherschutz gebildet worden war. Allein in Mittelsachsen waren Ende September 900 Personen durch das Virus erkrankt, wie das Gesundheitsamt des Landkreises rückblickend informiert.

Auch wenn es damals vor allem für viele Eltern nicht immer den Anschein hatte: Der Großküchenbetreiber Sodexo habe von Beginn an kooperativ gehandelt und alle vom Gesundheitsamt angefragten Informationen umgehend bereitgestellt. Das bestätigt der Sprecher des Landratsamtes, André Kaiser. Damals verwunderte, dass Sodexo mehrere Tage lang darauf beharrte, es seien keine in seinen Küchen zubereiteten Speisen für die Erkrankungen verantwortlich. Später stellte sich heraus, dass es etliche Tonnen kontaminierte Tiefkühl-Erdbeeren waren - über den Hamburger Hafen durch ein sächsisches Handelsunternehmen aus China eingeführt und von Sodexo verarbeitet, die den Brechdurchfall hervorriefen. Auch in einer vom Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt Mittelsachsen entnommenen original verpackten Charge tiefgefrorener Erdbeeren wurden Noroviren nachgewiesen. Aber: "Erst im Verlauf der durchgeführten Untersuchungen wurden die Kenntnisse zum Krankheitserreger und zum Zusammenhang mit dem Speisenhersteller gewonnen...", nimmt heute das Gesundheitsamt in gewisser Weise Sodexo in Schutz.

Von 40 Küchen im Osten Deutschlands waren 13 regionale Küchen betroffen, davon drei Sodexo-Küchen in Mittelsachsen und darunter auch die in Döbeln-Ost. Das Weiterverarbeiten kontaminierter Erdbeeren bedeutete aber nicht automatisch Erkrankungsfälle. Wie dem Bericht der Koordinierungsgruppe mittlerweile zu entnehmen ist, erfolgte die Verarbeitung der Erdbeeren, die als Kompott zu einem Griesbrei gereicht wurden, unterschiedlich. Dort wo ein Erhitzen über 90 Grad oder ein langes Heißhalten der Früchte über 70 Grad erfolgte, konnte das Norovirus inaktiviert werden. Es reichte hingegen nicht aus, größere Mengen der Tiefkühl-Erdbeeren in kochendes Wasser einzurühren.

Insgesamt waren im Landkreis Mittelsachsen 25 Einrichtungen von den Norovirus-Erkrankungen betroffen, die mit Sodexo-Essen beliefert wurden - davon zwölf Grundschulen, drei Mittelschulen, drei Gymnasien und zwei Förderschulen sowie acht Kindertagesstätten. Das Gesundheitsamt sprach 14 Tätigkeitsverbote bezüglich des Küchenpersonals aus.

Nach den gemachten negativen Erfahrungen ist geplant, dass Tiefkühlerdbeeren, die von China in die EU eingeführt werden, in Zukunft von den europäischen Behörden verstärkt auf Noroviren und auch auf Hepatitis-A-Viren untersucht werden. Denn dieser Erreger ist von europäischen Behörden ebenfalls in Lieferungen aus China festgestellt worden. Deutschland unterstützt die geplanten Maßnahmen.

Beunruhigend: bei den umfangreichen Untersuchungen und Kontrollen im Herbst vorigen Jahres waren im Land Brandenburg in einer Großküche auch in Möhrenstücken, wie sie für Rohkostsalat verwendet werden, Noroviren nachgewiesen worden. Das Gemüse entpuppte sich letztlich nicht als hauptsächlicher Auslöser für den Brechdurchfall. Doch der Fund zeigt: Es müssen nicht immer TK-Erdbeeren sein.

Olaf Büchel

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