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Abschiebung nach Bescherung – Mazedonische Familie muss ausreisen

Flüchtlinge in Döbeln Abschiebung nach Bescherung – Mazedonische Familie muss ausreisen

Die Döbelnerin Heidi Weigel hat sich mit mazedonischen Flüchtlingen angefreundet. Und wird wohl bald Abschied nehmen müssen. Nach drei Jahren sollen die Asylbewerber aus Ex-Jugoslawien nun ausreisen, verlangt die Landesdirektion Sachsen.

Der fünfjährige Muhamed freut sich riesig über seine neuen Spielzeugautos, die ihm die Döbelner Rentnerin Heidi Weigel und ihre Schwester schenkten. Gemeinsam mit seinem Bruder Albert und seinen Schwestern Violetta und Sibel sowie seinen Eltern Akija Abazowski und Atidze Sali wird er Deutschland wohl bald verlassen müssen. Denn Mazedonien gilt als sicherer Drittstaat.

Quelle: Dirk Wurzel

Döbeln. Etwa drei Jahre lebte lang Akija Abazowski mit seiner Frau Atidze Sali und seinen vier Kindern Muhamed (5), Sibel (7), Albert (10) und Violetta (12) in Döbeln. Nun muss die Familie die Stadt, ja Deutschland verlassen. Einen Monat haben Akija Abazowski, seine Frau und die Kinder dafür Zeit. Sonst schieben sie die Behörden zwangsweise ab. So steht es sinngemäß in einem Brief, den die Landesdirektion Sachsen Akija Abazowski schickte und der wenige Tage vor Weihnachten im Briefkasten lag. Weil die Familie aus Mazedonien kommt, ist es recht einfach, sie abzuschieben. Denn Mazedonien gilt als sogenannter „sicherer Drittstaat“. Wer aus einem solchem kommt, hat nach hiesiger Rechtsauffassung keinen Anspruch auf Asyl in Deutschland.

Tränen am Anfang, Tränen am Ende

Riesig freute sich der kleine Muhamed am heiligen Abend über die lange Stange mit den vielen Autos. Stolz präsentierte er das Geschenk dem Fotografen. Mit einem unwiderstehlichen Charme gelingt es ihm, die Kamera in seine kleinen Hände zu bekommen. Und dann fotografiert er seine Geschwister, die sich nicht minder über ihre Geschenke freuen. Die Bescherung im Döbelner Wohnzimmer hat die Döbelnerin Heidi Weigel zusammen mit ihrer Schwester organisiert. Die Rentnerinnen kümmern sich schon seit einiger Zeit um die mazedonische Familie. Was jetzt angesichts der Abschiebung mit Tränen enden wird, begann mit Tränen. Heidi Weigel erzählt, wie der enge Kontakt , die Freundschaft zu den Mazedoniern zustande kam. „Auf meinem Heimweg sah ich ein Kind, das weinte, weil die Mama nicht da war. Ich habe das Kind getröstet und habe es nach Hause gebracht.“ Sibel heißt das Kind und die Begebenheit auf der Straße öffnete Türen und Herzen. Heidi Weigel bastelte mit den Kindern, buk gemeinsam mit ihnen Plätzchen. Und ging mit Sibel zum Zahnarzt. „Vor dem hatte sie nämlich Angst“, sagt die Döbelnerin. Sibel besucht zusammen mit ihrer Schwester Violette und Bruder Albert die Schlossbergschule. „Ich habe jetzt sogar im Krippenspiel mitgespielt“, erzählt Violetta. Die Kinder sprechen allesamt gut deutsch – ein Erfolg der Integration in der Schule. Vater Akija spricht ebenfalls deutsch und zwar so gut, wie es jemand kann, der eigentlich keine Gelegenheit hat, die Sprache im Alltag zu lernen. Denn als Asylbewerber darf der Klavierspieler aus Skopje nicht arbeiten. Und da ist es eine große Leistung für jemanden, eine fremde Sprache zu lernen, anstatt gar nichts zu tun. Anschluss hat die Familie in der evangelischen Kirchgemeinde gefunden. Gläubig sind sie zwar, aber keine Christen . „Wir sind Muslime, respektieren aber die christliche Kultur“, sagt Akija Abazowski. Weil seine große Tochter mit den in Mazedonien lebenden Albanern Probleme hatte, hat er mit seiner Familie sein Heimatland verlassen. Akija berichtet sogar von einer Entführung der Tochter durch Albaner. Aber Mazedonien ist halt ein sicherer Drittstaat und Asylbewerber aus diesem Land landen schnell in der Kategorie „Wirtschaftsflüchtlinge“...

Sorgen, aber keine Wut

„Es bricht mir das Herz, wenn ich daran denke, dass die Familie bald das Land verlassen muss“, sagt Heidi Weigel. Gleichwohl weiß sie auch, dass nicht jeder Flüchtling in Deutschland bleiben kann und äußert auch Sorgen über die vielen Menschen aus anderen Ländern, die zu uns kommen. Sorgen äußert sie – aber keine Wut, keine rassistischen Sprüche und schon gar keinen Hass. Die Rentnerin hat einiges unternommen, damit Akija, Atidze und die Kinder in Döbeln bleiben können. Vor Weihnachten hat sie das Büro des SPD-Landtagsabgeordneten Henning Homann aufgesucht und dort erfahren, dass die Familie nach der Abschiebung auf sich allein gestellt sein wird. Die Bundespolizisten werden sie aus dem Flughafen begleiten, und das war´s. Dann werden Akija Abazowski mit seiner Frau Atidze Sali und den vier Kindern Muhamed, Sibel, Albert und Violetta auf dem Flughafen in Skopje stehen und fast nichts haben als die Erinnerung an freundliche und hilfsbereite Deutsche und ihre Geschenke.

Von Dirk Wurzel

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