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Döbeln Abschied an der Pfeife: Leisniger Schiedsrichter beendet Karriere nach 50 Jahren
Region Döbeln Abschied an der Pfeife: Leisniger Schiedsrichter beendet Karriere nach 50 Jahren
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12:58 06.05.2016
Gunter Franz wird heute zum letzten Mal – nach 50 Jahren – an der Seitenlinie eines Fußballspieles stehen. Der Schiedsrichter aus Leisnig beendet heute seine Karriere. Quelle: Robin Seidler
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Leisnig

Gunter Franz wollte die 50 Jahre als Unparteiischer unbedingt noch vervollständigen. Am heutigen Sonnabend gibt der Schiedsrichter aus Leisnig seinen Ausstand im Männerbereich – und zwar dort, wo 1966 alles angefangen hatte. Beim Kreisliga-Duell der Mediziner zwischen Hochweitzschen und Zschadraß wird er Schiedsrichter Daniel Helbig ein letztes Mal an der Linie assistieren. „Ich wollte meine Karriere auch gerne dort beenden, wo ich sie angefangen habe. Darum habe ich um diese Ansetzung beim Fußballverband vor gut 14 Tagen gebeten und bin froh, dass es nun klappt“, so der 69-Jährige.

Es war 1966 – das Jahr, als England durch das legendäre Wembley-Tor gegen Deutschland Weltmeister wurde – als Gunter Franz erstmals zur Pfeife griff. Notgedrungen, wie er sagt. „Ich war gerade frisch aus der A-Jugend in den Männerbereich gewechselt und habe mir eine Knieverletzung zugezogen. Danach konnte ich nicht mehr richtig auftreten oder gegen den Ball treten. Darum wurde mir nahegelegt, dass ich Schiedsrichter werden soll.“ Die Prüfung legte er bei Herbert Busch, dem Großvater des heutigen Zschaitzer Schiedsrichters Mike Kohllöffel, ab. An die Paarung seiner ersten Partie als Schiedsrichter kann er sich nicht mehr erinnern, dafür an eine andere Anekdote: „Ein wenig steckte da noch der Spieler in mir. Bei einem Handspiel habe ich erst laut Hand gerufen und danach erst das Vergehen gepfiffen“, so Franz. Kurz nach seinem Debüt folgte für ihn die 18-monatige Wehrpflicht, anschließend studierte er Maschinenbau in Leipzig. Während seiner Studienzeit pfiff Franz unter anderem das FDJ-Endspiel 1968 im thüringischen Unterweißbach zwischen Leipzig und Niesky. Ab 1. Juli 1970 agierte er als aktiver Schiedsrichter für den Leisniger Fußballverein. „Ich schätze, dass ich bis heute mehr als 1250 Spiele geleitet habe.“

Zwei brenzlige Situationen

Dass sich Gunter Franz dabei viele Male unschöne Kommentare von den Zuschauerrängen anhören durfte, gehörte irgendwie dazu. Zweimal gab es allerdings auch brenzlige Situationen. „Bei einem Jugendspiel in Zschaitz in den Achtzigern wollte mir eine Großmutter eine leere Flasche auf den Kopf schlagen, als ich ihren Enkel vom Platz gestellt habe. Damals hatte mich Mike Kohllöffel davor bewahrt“, erinnert er sich. Die zweite kritische Szene gab es – der Zufall will es so – in Hochweitzschen, als ein Patient des benachbarten Klinikums ihn mit einem Holzklotz attackierte. Glücklicherweise ging die Situation glimpflich aus.

Generell sei Gunter Franz ein Schiedsrichter, der den Spielern die zweite Chance nicht verweigert. „Ich habe immer erst mit Spielern und Trainern geredet, bevor ich sie des Feldes verwiesen habe.“ Dennoch hatte er im Kreis eine Zeit lang den Spitznamen des „Roten Franz“, weil er zu viele Spieler zu früh zum Duschen schickte. „Trotzdem war er immer bestrebt, die Kommunikation zu suchen. Er besticht durch Zuverlässigkeit, ordentliche Leistungen und Konsequenz“, sagt Manfred Müller, der ihn schon Jahrzehnte kennt und heute noch ehrenamtlich die Geschäftsstelle des VfB Leisnig führt. Auch in den neuen Bundesländern seien die Sportler mit ihm zufrieden gewesen. „Im Juli 1990 durfte ich als DDR-Schiedsrichter das Endspiel der Stadtmeisterschaften in unserer Partnerstadt Bünde in Westfalen pfeifen.

Anfangs wurde ich gefragt, ob ich die Regeln überhaupt kenne. Am Ende sagten die Sportler, dass ich der beste Schiedsrichter gewesen sei, den sie jemals hatten.“ Zahlreiche Ehrungen im Kreis kamen schließlich dazu. Außerdem ist Franz noch Schiedsrichter-Beobachter sowie Schiedsrichterobmann beim VfB Leisnig. Bei den Spielen der F-Junioren wird er weiter pfeifen, im Männerbereich wird heute gegen 16.50 Uhr auch an der Linie Schluss sein. „Ich hoffe, wir können danach noch zusammensitzen und ein Bierchen trinken“, sagt er. Ab nächstem Wochenende wird dann seine Frau Ute sowie der eigene Garten mehr von ihm haben.

Von Robin Seidler

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