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Achterbahnfahrt seit 1997 in Roßwein: Schmiedewerker leiden unter Auf und Ab

25 Jahre DAZ Achterbahnfahrt seit 1997 in Roßwein: Schmiedewerker leiden unter Auf und Ab

Die DAZ beging in diesen Tagen ihren 25. Geburtstag. Für die Redaktion ist das Anlass, in loser Folge auf besondere Ereignisse, Orte und Menschen dieser Zeit zurückzublicken. Heute im Fokus: das Roßweiner Schmiedewerk-Geschehen.

Erst Ende April dieses Jahres streikten die Schmiedewerker und erreichten eine Beschäftigungssicherung.

Quelle: Sven Bartsch

Rosswein. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: diese Gefühlslagen kennen die Roßweiner Schmiedewerker gut. Mehrere Insolvenzen mussten Betrieb und Belegschaft schon durchstehen, die Mitarbeiterzahl bewegte sich auf und ab, Millionen-Investitionen brachten auch Lichtblicke. Die letzten zwei Jahrzehnte war die DAZ nah dran am Schmiedewerk-Geschehen.

Zurzeit ist die Stimmung wieder mal im Keller. Dafür hat die Ankündigung des Stuttgarter Mahle-Konzerns im Juni gesorgt, dass er den Verkauf seiner Schmiedeaktivitäten prüft. Das betrifft die beiden Werke in Plettenberg (Nordrhein-Westfalen) und Roßwein (Sachsen) mit insgesamt rund 630 Mitarbeitern. Die Produktion hoch beanspruchter, stahlgeschmiedeter Rohteile für Pleuelstangen und Ausgleichswellen stehe für Mahle nicht mehr „im strategischen Fokus“, heißt es als Begründung.

„Die Mitarbeiter sind schockiert oder sie lassen den Kopf hängen. Das Ganze ist sehr bedrückend“, schildert der Betriebsratschef des Roßweiner Werkes, Hans-Joachim Porst, die aktuelle Lage. Die Beschäftigten kämen zu ihm und stellten Fragen, wie es nun weiter geht. Porst: „Ich habe deshalb eine E-Mail an den Aufsichtsratsvorsitzenden von Mahle, Heinz Junker, geschrieben. Dieser hat erklärt, dass Juli und August keine Verkaufsverhandlungen für das Roßweiner Schmiedewerk geführt wurden.“ Das bestätigen die Aussagen von Mahle-Sprecherin Andrea Arnold. Da in Süddeutschland in den zurückliegenden Wochen noch Ferienzeit herrschte, habe es auch keine Aktivitäten bezüglich der Verkaufsambitionen gegeben. „Es gibt derzeit keinen neuen Stand. Es ist richtig, dass Mahle einen Käufer für die Schmiedewerke in Plettenberg und Roßwein sucht. Es kann aber auch sein, dass wir nicht verkaufen“, sagte Arnold auf Nachfrage.

Die Sprecherin verweist darauf, dass die für alle Mitarbeiter des Mahle-Konzerns in Deutschland abgeschlossene Beschäftigungssicherung bis Ende 2019 gilt. Diese schließe betriebsbedingte Kündigungen auch im Falle eines Eigentümerwechsels aus. „Der Vertrag mit den Beschäftigten geht vor“, erklärt Arnold. Auch Betriebsrat Hans-Joachim Porst ist froh, dass nach einigen Streikaktionen dieses Zugeständnis erkämpft werden konnte. Aber: „Es handelt sich eben um eine Beschäftigungs- und nicht um eine Standortsicherung.“ Gut möglich also, dass sich bei einem Verkauf das Personalkarussell dreht. Zum Beispiel in Sachsen hat Mahle noch Standorte in Freiberg, Reichenbach und Kirchberg. Betriebsrat Porst weiß, dass die Geschäftsleitung von Mahle momentan aus den Betrieben aktuelle Fotos vom leitenden Personal anfordert, was möglicherweise mit einer Verkaufswerbung zusammenhängt. „Man wirft uns jetzt auf den Markt wie Obst und Gemüse“, ist der Betriebsrat sauer. Mitte September ist eine Sitzung des Mahle-Gesamtbetriebsrates: „Vielleicht gibt es da was Neues.“

Es ist fast 20 Jahre her, da hatte der Betrieb vor einem Tiefpunkt gestanden. Anfang Januar 1997 meldete die Schmiedewerke Roßwein GmbH Konkurs an. Etwa 140 Arbeitnehmer waren betroffen, die auch prompt gegen ihre Entlassung auf die Straße gingen. Im März des gleichen Jahres übernahm die Peddinghaus-Gruppe mit der Press- und Schmiedewerk GmbH Brand Erbisdorf (PSW) das Roßweiner Werk, aber nur 54 Mitarbeiter. Über 13 Millionen Euro investierte PSW einige Jahre später in einen neuen Hallenkomplex mit hochmoderner Schmiedestrecke für die Pleuelproduktion. Die für Herbst 2002 vorgesehene Inbetriebnahme und der Probelauf verzögerten sich jedoch erheblich. Denn Oktober 2002 gab es erneut Hiobsbotschaften: Personalabbau, Kurzarbeit, verspätete Lohnzahlung, Streichen des Weihnachtsgeldes. Februar 2003 meldete PSW Brand Erbisdorf Insolvenz an. Doch die Roßweiner Schmiede überlebte. Sie wurde aus der insolventen PSW GmbH herausgelöst und es gründete sich eine Betreibergesellschaft Schmiedewerk Roßwein (SRG). Im Juli 2004 dann die hoffnungsvolle Meldung: „Die Mahle-Gruppe mit Hauptsitz in Stuttgart übernimmt das Schmiedewerk Roßwein. Seit dem stieg die Mitarbeiterzahl stetig. Waren es 2005 noch knapp 60 Beschäftigte, wuchs die Zahl bis Frühjahr 2008 auf knapp 100. Zurzeit hat Mahle Roßwein etwa 125 Mitarbeiter...

25 Jahre DAZ – bisher in der Serie erschienen:

2007: Döbelner Pferdebahn wird als Touristenattraktion wieder in Betrieb genommen

März 2000: Fachkrankenhaus Bethanien wird vor der Schließung bewahrt

Oktober 1990: Ostraus Gewerbegebiet macht Schule

Rück- und Vorausblick: Das neue Leben des Berufspolitikers Manfred Kolbe

Ende 2007: Trainingsort und kulturelle Spielstätte – die schwere Geburt der Hartharena

November 2011: Aladin-Mord hielt Döbeln wochenlang in Atem

Die Döbelner Allgemeine Zeitung feiert ein Vierteljahrhundert

Von Olaf Büchel

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