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Ärchäologen präsentieren in Döbeln-Ost ihre Funde

Gehöfte aus der Eisenzeit: Ärchäologen präsentieren in Döbeln-Ost ihre Funde

Seit August haben Archäologen streifenweise das Baufeld des künftigen Autobahnzubringers der B 175 in Döbeln-Ost geöffnet, um weit zurück in die Vergangenheit zu blicken. „Und das hat sich gelohnt“, sagt Michael Strobel vom Landesamt für Archäologie.

Grabungstechniker André Schindler (44, l.) und Grabungshelfer Karlheinz Riemer (63, r) legen vorsichtig den Ofen frei.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. 70 bis 80 Befunde haben die Archäologen und Grabungstechniker des Landesamtes für Archäologie seit August unter dem Acker in Döbeln-Ost bei Zschäschütz gefunden. Da wo in wenigen Wochen der Bau des neuen Autobahnzubringers in Döbeln-Ost, starten und die so genannte Gakendelle entschärfen soll, sichern die Archäologen zunächst wertvolle Funde aus der Zeit von 750 bis etwa 600 vor Christus.

Die neue Trasse verläuft durch den lössbedeckten, von kleinen Bachtälern durchzogenen südlichen Ausläufer der Lommatzscher Pflege. Dieses sehr fruchtbare Gebiet wurde seit der frühen Jungsteinzeit (um 5500 v. Chr.) kontinuierlich bewohnt und ist damit als Altsiedellandschaft von hoher archäologischer Bedeutung. Gestern präsentierten Dr. Michael Strobel, Gebietsreferent für den Altkreis Döbeln und den Landkreis Meißen beim Landesamt für Archäologie, und sein Kollege Dr. Christoph Heiermann einige der freigelegten Funde.

Auf dem freien Feld vor dem Gewerbegebiet Döbeln-Ost 1B, unterhalb der Firmen Renz und Knobloch, haben die Archäologen seit August streifenweise das Baufeld bis zu einem Meter tief geöffnet, um zunächst weit zurück in die Vergangenheit zu blicken und nach Siedlungsfunden zu suchen. „Und das hat sich gelohnt“, sagt Michael Strobel und führt in Gummistiefeln über das schlammige Feld zu den spannendsten Stellen.

„Wir gehen davon aus, dass es sich hier um Funde aus der Eisenzeit handelt. Es sind offenbar gehöftartige Siedlungsstandorte gewesen“, so der Archäologe. Die Grabungstechniker haben Webgewichte aus Ton gefunden, Steine wurden freigelegt, die sich als Handmühlen zum Getreidemahlen herausstellten. Einige der Objekt sind bereits gereinigt, nummeriert und in Folie eingetütet. Andere sind noch in Dresden im Archäologischen Archiv und müssen noch gesäubert und dokumentiert werden. Fein säuberlich freigelegt wurde ein Ofen. Verziegelte Wände, dunkle Flecken – hier wurde offenbar Holzkohle und organisches Material verbrannt. Davon nehmen die Archäologen proben mit ins Labor. Vielleicht lässt sich damit nicht nur ermitteln, was hier im Ofen verbrannt wurde, sondern auch die Zeit genauer einordnen. Michael Strobel ist sich sicher, dass es sich um einen Darreofen handelt. Darin wurde Getreide getrocknet und haltbar gemacht. Der Ofen wird freigelegt, vermessen und dokumentiert. Ebenso die gefundenen Vorrats- und Abfallgruben sowie die Pfahllöcher der einstigen Bauten.

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Zwei Wochen vor dem Grabungsende präsentieren Archäologen in Döbeln-Ost ihre Funde

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Bis Mitte November sind die Archäologen noch auf dem künftigen Baufeld unterwegs. Die Funde werden vermessen, fotografiert und archiviert. Danach verschwindet das Wissen wieder unter dem Erdreich. Kleinere Stücke werden in Dresden gereinigt, durchleuchtet und archiviert. „Unser archäologisches Archiv steht dann für Forscher bereit“, sagt Christoph Heiermann. 20 Millionen Einzelstücke aus Grabungen in Sachsen liegen dort. Die schönsten werden auch an Museen für Ausstellungen verliehen. Etwa 150 Ausgrabungen im Jahr gibt es in Sachsen. Seit 1993 ist gesetzlich geregelt, dass vor jeglichen Bauarbeiten die Flächen zu untersuchen und archäologische Denkmäler zu sichern sind.

Der eigentliche Ausbau der B 175 auf 2,3 Kilometern Länge geht 2017 los und soll bis 2019 dauern. Der gesamte Straßenbau kostet rund 16,3 Millionen Euro. Die Ortschaft Oberranschütz wird in dem Zuge mit einer neuen Straße durch das Gewerbegebiet Ost angeschlossen.

Von Thomas Sparrer

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