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Ärger in Ehrenberg: Buckelpiste macht die Anwohner fuchsig

Straßenfrust Ärger in Ehrenberg: Buckelpiste macht die Anwohner fuchsig

Im Kriebsteiner Ortsteil rumpelt es gewaltig. Vor allem, wenn schwere Laster über die Dorfstraße fahren. Dann vibrieren die Häuser. Aber weder das sächsische Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) noch Landkreis Mittelsachen sehen sich veranlasst, irgendetwas dagegen zu tun.

Anwohnerin Dörte Schulz (2.v.r) zeigt Kriebstein Bürgermeisterin Maria Euchler (l.) die Ärgerstraße in Ehrenberg. Hier rumpelt es tüchtig, seitdem der Landkreis die Straße mit einem Spar-Verfahren ausbessern ließ und in eine Buckelpiste verwandelte.

Quelle: Dirk Wurzel

Ehrenberg. Der Landkreis lässt eine Straße mit einem Spar-Verfahren ausbessern und danach steigt der Frustpegel bei der Anwohnerschaft. Klingt absurd, ist aber in Ehrenberg Realität. Statt alter Schlaglöcher bedecken neue Asphalthügel die Dorfstraße. Und seitdem gibt es verstärkt Probleme mit Erschütterungen. „Früh um vier geht das los. Man steht im Bett. Das ist wie ein Erdbeben“, sagt Anwohnerin Dörte Schulz bei Ortstermin mit der Presse und Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler Kriebstein). Dörte Schulz wohnt direkt an einem Riss, der quer über die Straße verläuft und sich im neugemachten Putz ihres Hauses fortsetzt. Wenn ein Lkw über die Stelle donnert, ist ein Zittern des Bodens zu spüren. Davon ist nicht nur Dörte Schulz betroffen, sondern die ganze Anwohnerschaft der Dorfstraße. Die Nerven liegen entsprechend blank.

Kampf gegen Windmühlen?

Die Staatsstraße hatte der Freistaat 2004 sanieren lassen. Schon zwölf Jahre später war die Straßendecke so löchrig, dass sie der Landkreis richten ließ. „Bei den ausgeführten Arbeiten handelt es sich um sogenannte Patchmatic Verfahren zur Straßensubstanzerhaltung. Bei diesem anerkannten und deutschlandweit praktiziertem Verfahren erfolgt das Aufbringen eines Bitumenemulsion/Splitt-Gemisches“, informiert André Kaiser, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Die Anbieter dieses Patchmatik-Verfahrens bewerben dies auf ihren Seiten im Internet als Methode, die „in Zeiten knapper Haushalte der Baulastträger in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnt. Dieses Verfahren ist eine wirtschaftliche Lösung ohne Qualitätseinschränkung.“ Nur: So sieht die Straße in Ehrenberg nicht aus. Risse durchziehen selbst die geflickten Stellen. Die Straße wegen der Patchmatic-Flickerei mit kleinen Erhebungen übersät. Was das gekostet hat, kann Kreissprecher Kaiser nicht sagen. Es habe sich um einen pauschalen Auftrag gehandelt, zu dem mehrere solcher Vorhaben gehörten.

Kommentar: Ein Beispiel für die Arroganz der Behörden

Die Ehrenberger Dorfstraße ist nicht nur ein Beispiel für unmögliche Flickschusterei, sonder auch für die Arroganz der zuständigen Behörden. Es ist absolut verständlich, dass hier die Anwohner auf die Barrikaden gehen. Man muss sich das mal vorstellen: Die Wände der Häuser reißen wegen der Erschütterungen, die der Schwerverkehr auf der pfuschsanierten Straße auslöst, und die Zuständigen sagen, dass sich das Problem von ganz alleine löst. Nur Geduld, ihr lieben Leute.

Dabei ist der Geduldsfaden bei einigen längst gerissen. Kein Wunder, wenn man immer wieder hört, wer für das Übel entweder nicht zuständig ist oder nicht zuständig sein will. Es wäre doch mal ein Leichtes für die Verantwortlichen, sich mit den Anwohnern zu treffen und das Problem vor Ort zu besichtigen. Und dabei einzuräumen, dass das angewandte Billig-Verfahren vielleicht doch nicht zur Sanierung einer Straße taugt, über die täglich bis zu 100 Lkw rollen.

Der Freistaat Sachsen ist hier der Pflicht, denn es ist seine Straße. So wie die Straßendecke nur zwölf Jahre nach dem grundhaften Ausbau aussieht, bleibt eigentlich nur eines: Abfräsen und neuen Asphalt draufziehen. Es wäre freilich von immensen Vorteil gewesen, dies vor dem Bau der Kriebsteiner Straße in Waldheim zu erledigen. Jetzt ist es unmöglich, da die Staatsstraße durch Ehrenberg zur Umleitungsstrecke gehört.

Bürgermeisterin Maria Euchler kämpft mit den Anwohnern. Aber mehr als bei den zuständigen Ämtern und Behörden anzurufen ihnen Briefe zu schicken, kann sie nicht tun. Denn die Dorfstraße ist ja bekanntlich eine Staatsstraße, zuständig ist der Freistaat Sachsen. „Ich kann mir schon vorstellen, dass es da vibriert. Aber wir haben da keine weiteren Maßnahmen geplant“, sagt Nicole Wernicke, Sachbearbeiterin in der Pressestelle des Lasuv. Auch wenn es wie ein Kampf gegen Windmühlen anmutet, die Anwohner schätzen das Engagement ihrer Bürgermeisterin. „Sie kümmert sich wenigstens“, sagt Klaus Jähnig, der sich bereits an die CDU-Landtagsabgeordnete Iris Firmenich gewandt hatte.

Landkreis rät zur Geduld

Bis zu 100 Laster, so hat es Maria Euchler in Erfahrung gebracht, fahren täglich über die Ehrenberger Dorfstraße. Beliebtes Ziel: Die Papierfabriken in Kriebethal. Eigentlich könnten sie auch durch Waldheim rollen, aber offenbar ist die wegen Bauarbeiten einseitig gesperrte Kriebsteiner Straße als Nadelöhr unbeliebt.

Der Landkreis rät den Ehrenbergern indes zu Geduld mit der Buckelpiste. Das Problem würde sich gewissermaßen von selbst lösen: „Die Unebenheiten sind bekannt, fahren sich aber nach unseren Erfahrungen noch ein – es wird sich in jedem Fall verbessern“, so Kreissprecher Kaiser. In Ehrenberg dürfte diese Ansage zweifellos fassungsloses Kopfschütteln auslösen.

Und wer zahlt eigentlich die Schäden, die durch den Schwerlastverkehr an den Ehrenberger Häusern auftreten? „Grundsätzlich der Baulastträger der Straße“, sagt Rechtsanwalt Enrico Brand aus Waldheim. Er hat in seiner anwaltlichen Praxis bereits einige Erfahrungen damit gesammelt, wie schwer es ist, so einen Baulastträger erfolgreich zum Schadenersatz zu bewegen. „Der Nachweis ist schwierig. Da braucht man teuere Gutachten. Außerdem kann der Baulastträger darauf abstellen, dass Schäden auftreten, weil schneller gefahren wird, als erlaubt“, sagt Enrico Brand. Dann wären nämlich die Fahrer in der Pflicht. Dies aber in der Praxis nachzuweisen, wäre mit einem immensen Aufwand verbunden.

Autos als Verkehrsinseln

Die Anwohnerschaft in Ehrenberg wünscht sich nichts sehenlicher, als endlich wieder einen ruhigen Verkehr. „Wir haben ja nichts gegen den Lkw-Verkehr, den gab es früher auch schon. Nur hat es da nicht so gerumpelt“, sagt Dörte Schulz. Weil sich viele Laster-Fahrer nicht an Tempo 50 im Ort halten, seien die Schwingungen besonders schlimm. Aber aus rechtlichen Gründen ist es schwierig, dort ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde einzuführen. Weil an der Dorfstraße weder parken noch halten verboten ist, sind einige Anwohner dazu übergegangen, ihre Autos an der Straße abzustellen. Das bremst schließlich auch. „Es kann doch aber nicht sein, dass wir ständig unsere Autos an der Straße parken“, sagt Dörte Schulz.

Von Dirk Wurzel

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